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„Keine Sorge, dass unser Rückhalt zu schmal wäre“

„Keine Spaltung, nur Selbstisolierung von Einzelnen“: Bischof Georg Bätzing und Irme Stetter-Karp freuen sich über kirchlichen Kulturwandel – und schießen gegen Kardinal Woelki.
Irme Stetter-Karp, Georg Bätzing
Foto: Deutsche Bischofskonferenz / Marko Orlovic | Gesichter des Synodalen Weges: Irme Stetter-Karp, Bischof Georg Bätzing.

In der Rückschau „froh um alles, was wir erreicht haben“, ist die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp. Bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der sechsten und letzten Sitzung des Synodalen Weges, die am heutigen Donnerstag begonnen hat und am Samstag enden soll, haben sich auch die anderen Mitglieder des Präsidiums weitgehend positiv über das Erreichte gezeigt. Wie Stetter-Karp sprach auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, in seinem Eingangsstatement von einem „Kulturwandel“ im Miteinander.

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Der DBK-Chef, der sein Amt Ende Februar abgeben wird, zeigte sich zudem stolz auf inhaltliche Veränderungen durch den Synodalen Weg. So nehme man „LGBTQ-Personen, queere Personen, Homosexualität“ nach den Beschlüssen des Synodalen Weges „ganz anders wahr in der katholischen Kirche, und das spüren viele Menschen als ein Aufatmen, noch nicht als das Ende der Fahnenstange, aber als den Beginn eines Weges“. Fortschritte sah Bätzing auch im Verhältnis zum Vatikan. Er sei „dankbar, dass die durchaus ja auch belastenden Irritationen, die es mit der römischen Kurie in den Jahren des Synodalen Weges gegeben hat“, durch „beharrliches Gespräch von beiden Seiten“ habe in Vertrauen umgemünzt werden können. Nun, gab Bätzing sich zuversichtlich, hoffe er auch die Bestätigung für die Synodalkonferenz, die dauerhaftes Nachfolgegremium des Synodalen Weges werden soll.

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber verglich in seinem Statement den Fokus, den der Synodale Weg auf systemische Ursachen des sexuellen Missbrauchs gelegt habe, mit der Aufarbeitung der deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg – da habe es auch nicht gereicht, nur die Täter vor Gericht zu stellen. „Die Entschiedenheit, mit der wir diese systemischen Fragen stellen, stößt allerdings bei unseren Gesprächspartnern mit einer anderen kulturellen Prägung auf Irritationen“, gab Gerber zu. „Dass auch ein Teil der Katholiken hierzulande die systemische Fragestellung so nicht nachvollziehen kann“, sei „in der Tat bedauerlich.“ Den Synodalen Weg präge die Erfahrung, dass „ohne die systemische Frage ein solcher Neuanfang wie nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer nachhaltigen Etablierung einer freiheitlich-demokratischen Ordnung nicht möglich gewesen wäre.“

Konfrontativer wurde es in der Fragerunde. Auf die Frage dieser Zeitung, welche Konsequenzen bei dem geplanten Anschlussgremium, der Synodalkonferenz, daraus gezogen würden, dass sich viele Katholiken durch den Synodalen Weg nicht vertreten gefühlt hätten, antwortete Stetter-Karp, sie habe „keine Sorge, dass unser Rückhalt zu schmal wäre“. Schließlich erwarteten gemäß der letzten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung 96 Prozent der deutschen Katholiken von ihrer Kirche „dringend Reformen“.

Auf Kritiker zugehen? Bätzing sieht nur Selbstisolierug

Die Frage eines Journalisten, wie Bätzing dem päpstlichen Auftrag nachkommen wolle, auch auf Kritiker zuzugehen, antwortete dieser, er habe mehrfach konstruktive Vorschläge gemacht, wie man diejenigen Bischöfe, die sich im Prozess des Synodalen Ausschusses nicht beteiligt hatten (Stefan Oster, Rudolf Voderholzer, Rainer Maria Woelki und der mittlerweile emeritierte Gregor Hanke), einbinden könne. Alle seien „herzlich willkommen“. Er glaube, diejenigen, „die sich weiterhin isolieren … die kommen in Begründungsnot“. Es gebe ja „keine Spaltung, es gibt nur eine Selbstisolierung von Einzelnen“. Im Übrigen würde er „gerne einmal das Interview von Kardinal Woelki einem Faktencheck unterziehen, wie es zur heutigen Synodalversammlung gekommen ist“, so Bätzing in Anspielung auf ein Interview des Kölner Kardinals mit dem Domradio. Woelki hatte darin gesagt, es sei ursprünglich vereinbart worden, dass es nur fünf Sitzungen geben solle. Auch Stetter-Karp attackierte Woelki: Sie habe „kein Bild“, wie der sich „Synodalität in seinem Bistum“ vorstelle.

Ebenfalls tendenziös geriet das Bekenntnis von ZdK-Vize Thomas Söding zur künftigen Zusammenarbeit mit Kritikern des Synodalen Weges: „Wir unterstützen alle Kräfte, die innerhalb der Bischofskonferenz zusammenhalten wollen, allerdings natürlich auch nach vorne wollen, so wie das ja auch die ganz große Mehrheit der Bischofskonferenz tut“, so Söding auf die Frage eines ZDF-Journalisten nach der „ausgestreckten Hand“ der Synodalen. In den Bistümern, deren Bischöfe nicht dabei seien, sei „der Ruf nach Teilnahme laut. Und wenn er von den Bischöfen nicht beantwortet wird, ist das eine Krise.“ Mitglieder der Diözesanräte der entsprechenden Bistümer könnten zwar als Gäste an der künftigen Synodalkonferenz teilnehmen, das sei ein wichtiges Zeichen, „aber wir brauchen etwas anderes, und deswegen sage ich, die Hand ist ausgestreckt“. (DT/jra)

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