Vor der sechsten und letzten Synodalversammlung wächst der Druck auf die katholische Kirche in Deutschland. In einem Online-Pressegespräch, zu dem der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) eingeladen hatte, forderten Vertreter reformorientierter katholischer Verbände und Initiativen am Dienstag die konsequente Umsetzung bereits gefasster Beschlüsse und formulierten Wünsche an die anstehende letzte Synodalversammlung. Zugleich äußerten sie Sorge, ob der Reformprozess angesichts personeller Veränderungen an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) fortgeführt wird. Zusammenfassend erklärte Barbara Stöckmann, Pressereferentin der Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd): „Wir wollen den Synodalen Weg zu einem guten Abschluss bringen."
In dem Gespräch verwies Christian Weisner, Mitinitiator des Kirchenvolks-Begehrens „Wir sind Kirche“ und Mitbegründer von „Wir sind Kirche International“, auf Ergebnisse der letzten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung. Demnach spiegelten die Reformanliegen des Synodalen Weges die Haltung von 96 Prozent der Befragten wider. Zudem seien die Themen des Synodalen Wegs weltweit virulent, sagte er mit Blick auf eine Tagung synodaler Gremien im Oktober 2025 in Rom. Der Synodale Weg sei also weder ein deutscher Sonderweg noch Ausdruck einer Nationalkirche, schloss Weisner.
Forderungen nach Umsetzung – insbesondere bei Frauenfragen
Einigkeit bestand unter den Gesprächsteilnehmern darin, dass zentrale Beschlüsse bislang nicht oder nur unzureichend umgesetzt worden seien. Besonders deutlich wurde dies mit Blick auf Geschlechtergerechtigkeit und die Queer-Pastoral. Es seien „wieder nur Trippelschritte“ gegangen worden, kritisierte etwa die stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Ulrike Göken-Huismann. Die kfd erwarte von der letzten Synodalversammlung ein klares Signal für die Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern, sagte sie und verwies darauf, dass mehrere Bischöfe zugesagt hätten, in Rom eine Partikularnorm zur Ermöglichung von Laienpredigten in Eucharistiefeiern einzubringen. Bislang sei dieser Schritt jedoch nicht erfolgt.
Dorothee Sandherr-Klemp, Geistliche Beirätin des KDFB, ordnete die Forderungen auch gesellschaftspolitisch ein. Gerade in Zeiten „entfesselter politischer Machtspiele", in der „Hochzeit vermeintlich starker Männer und selbsternannter Führer“ brauche es das jesuanische „Bei euch aber soll es nicht so sein".
Auch Martin Schockenhoff vom Leitungsteam der Initiative „pro concilio“ mahnte zur Umsetzung beschlossener Reformen. Ohne strukturelle Veränderungen und deren Realisierung könnten kirchliche Gemeinden nicht bestehen, sagte er, wobei er ein oft zitiertes Wort des Theologen Karl Rahner bemühte: „Ohne Reformen und deren Umsetzung können die Kirchengemeinden nicht überleben." Und Katharina Hübrich von der Initiative Maria 2.0 appellierte an reformorientierte Bischöfe, „eine Selbstverpflichtung einzugehen“.
Handreichung nicht in allen Diözesen angewendet
Rainer Teuber, Mitorganisator und Sprecher der Initiative „#OutInChurch“, kritisierte insbesondere die Umsetzung der Handreichung zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Diese bleibe nicht nur hinter den Beschlüssen des Synodalen Weges zurück, sondern werde zudem nicht in allen Diözesen angewendet. „Es reicht nicht, wenn Bischöfe auf dem Synodalen Weg für alles Mögliche abstimmen, dann aber nichts umsetzen“, sagte er.
Schockenhoff sah in diesem Zusammenhang positiv, dass sich die Kirche in Deutschland deutlich gegen Rom positioniert habe. Zugleich kritisierte er, dass im Jahr 2025 mehrere Bischofsstühle ohne Beteiligung von Laien neu besetzt worden seien – trotz eines entsprechenden Mehrheitsbeschlusses auf dem Synodalen Weg.
Sorge um die Zukunft des Reformprozesses
Mit Blick auf die Zukunft des Synodalen Weges äußerten die Teilnehmer Bedauern über den angekündigten Rückzug des Limburger Bischofs Georg Bätzing vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz. Göken-Huismann würdigte, dass Bätzing sich intensiv um innerkirchliche Vermittlung bemüht und „sehr gerungen“ habe, „seine Mitbrüder mitzunehmen", zeigte sich jedoch unsicher, ob sein Nachfolger den Reformprozess in vergleichbarer Weise fortführen werde. Der Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Volker Andres, erklärte, der künftige Vorsitzende müsse sich an den bisherigen synodalen Beratungen messen lassen. Besonders wichtig schien vielen zu sein, dass der neue Vorsitzende auf das Kirchenvolk zugehen könne.
In diesem Zusammenhang bewerteten sie das Verständnis von Papst Leo XIV. für das Hirtenamt positiv. Er würde die Bedeutung der Verwurzelung im Kirchenvolk für wichtig erachten. Skeptischer zeigten sie sich ihm gegenüber in Bezug auf strukturelle Reformen, insbesondere hinsichtlich der Rolle von Frauen und der Beteiligung von Laien an verbindlichen Entscheidungen.
Auch die Frage eines neuen Apostolischen Nuntius für Deutschland wurde angesprochen. Sandherr-Klemp äußerte die Hoffnung, dass die Berichterstattung nach Rom künftig ausgewogener ausfallen könne. „Negativer und einseitiger, als der jetzige Nuntius die Geschehnisse in Deutschland nach Rom transportiert hat“, könne der neue Nuntius nicht sein, meinte sie.
Optimistisch in Bezug auf Satzung der Synodalkonferenz
Zur Genehmigung der Satzung der geplanten Synodalen Konferenz zeigten sich die Gesprächsteilnehmer vorsichtig optimistisch. Die Satzung sei an die Vorgaben Roms angepasst worden, erklärte Andres. Auch Göken-Huismann zeigte sich zuversichtlich: „Die Satzung wird genehmigt“, weil sie zum Bedauern etlicher Laien so weichgespült worden sei, „dass sie genehmigungsfähig ist". Andernfalls, fügte Andres hinzu, wäre das Vertrauen in die Bischöfe zerstört, „und wir starten bei null“.
Mit Bedauern reagierten die Teilnehmenden schließlich auf die Ankündigung, dass Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) und Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg) nicht an der sechsten Synodalversammlung teilnehmen werden. Dies werde als weiteres Signal mangelnder Beteiligungsbereitschaft wahrgenommen, so Göken-Huismann.
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