Der Satz ist unmissverständlich: „Ich werde ihnen ganz klar sagen, dass ein deutscher Katholik niemals Nationalsozialist sein kann.“ Pater Rupert Mayer legte sich schon vor der sogenannten „Machtergreifung“ mit den Nationalsozialisten an, und er schwieg auch nach dem 30. Januar 1933 nicht. Mayer predigte in der Münchner Michaelskirche unverdrossen weiter. Inhaftierung, Verhaftungen, KZ-Aufenthalte, schließlich unter Arrest im Kloster Ettal bis Kriegsende, waren die Folge.
Dabei war er kein politisierter Priester, sondern ein Geistlicher, der seine ureigenste Aufgabe in den Mittelpunkt stellte: die Sorge um die Seelen der Menschen. Und das hat in der Konsequenz eben immer auch politische Auswirkungen, denn diese Menschen, um deren Seelen es geht, leben ja in einer konkreten Gesellschaft, bestimmen diese mit, sind aber auch den Einflüssen ausgesetzt, die Ideologien ausstrahlen, die diese Gemeinschaft dominieren wollen. Aus dieser Haltung heraus setzte sich Mayer mit dem Nationalsozialismus auseinander.
Zeitlebens wollte er als Priester nah bei den Menschen sein
Im politisch turbulenten München in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, für die Nazis ihre „Hauptstadt der Bewegung“, besucht er politische Versammlungen, auch der Kommunisten, und meldete sich unmissverständlich zu Wort. Mayer wollte zeitlebens als Priester nah bei den Menschen sein, an der Seite der Armen, der Kranken, der vom Weltkrieg Geschundenen. Bald schon bekam er vom Volk den Ehrentitel als Münchens „15. Nothelfer“ Aus diesen konkreten Erlebnissen wusste Mayer um die Verführungskraft ideologischer Ersatzreligionen wie Nationalsozialismus und Kommunismus. Und umso wichtiger war ihm, die klare Position der Kirche und des Glaubens dagegenzusetzen.
Weil er das nicht tat, indem er am grünen Tisch Thesenpapiere über völkischen Nationalismus formulierte, sondern direkt bei den Menschen war und vor allem direkt zu ihnen sprach und so konkret aufzeigte, welche verheerenden Folgen ein menschenverachtendes völkisches Denken für ihr Zusammenleben mit dem Nächsten hatte, war für Pater Rupert Mayer war das selbstverständlich, worum heute manche kirchliche Funktionäre so wortgewaltig ringen: Authentizität.
Der heilige Papst Johannes Paul II. ist zu Lebzeiten von nicht wenigen Beobachtern dafür belächelt worden, dass er so viele Menschen seliggesprochen hat. Inflationär sei das, hieß es damals. Das war natürlich eine vollkommen weltliche Sicht, getrieben von dem Vorurteil, dass der Papst es sei, der Selige „mache“. Der Selige wird selig durch seine besondere Beziehung zu Gott, nicht durch den Beschluss einer vatikanischen Kommission. Die Kommission stellt vielmehr nur fest, dass bei einer Person sicher davon ausgegangen werden kann, dass sie so ein besonderer Diener Gottes ist.
Der Fingerzeig des Jesuitenpaters
Johannes Pauls Anliegen war es, die vielen unbekannten Seligen aus dem Vergessen herauszureißen und sie den Menschen, die von ihren Lebensumständen her eine besondere Nähe zu ihnen aufbauen können, als Freunde an die Seite zu geben, bei ihrem Weg durch die Zeit. So einen Freund können die Katholiken in Deutschland auch in Pater Rupert Mayer finden.
Lange konnte man hoffen, dass die Zeiten, in denen er leben musste, endgültig vorbei seien. Aber auch heute werden Gläubige wieder mit menschenverachtenden Ideologien konfrontiert. Der Fingerzeig des Jesuitenpaters: Sorgt euch um die Seelen. Das könnte auch Brücken zwischen kirchenpolitischen Lagern bauen, die sich von den Strukturdiskussionen weg wieder dem Eigentlichen zuwenden.
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