Unter den 50 Märtyrern, die am 13. Dezember in Paris seliggesprochen wurden, sind vier Franziskaner im Alter von 24 bis 25 Jahren, darunter Pater Gérard-Martin Cendrier, dessen Todestag der 25. Januar ist. Sie leisteten mit weiteren acht Mitbrüdern im Untergrund apostolische Arbeit für französische Zwangsarbeiter. Ihre Geschichte und das Martyrium von Gérard-Martin Cendrier, Roger Le Ber, Louis Paraire und Xavier Bouchet wurden 1946 von ihrem Mitbruder Éloi Leclerc, einem der acht Überlebenden, aufgeschrieben. 2015 erschien der Bericht in der franziskanischen Zeitschrift „Tauwetter“ unter dem Titel „Wir waren zwölf“.
Im August 1943 wurden zwölf französische Franziskaner von den deutschen Besatzern erst als Rangierer an einem Bahnhof von Paris verpflichtet und dann ins Deutsche Reich gesandt. Pater Leclerc berichtet: „Wir fahren also am 14. September ab, aber provokativ als eine Gruppe von Ordensleuten im Habit. Das hatten die Deutschen nicht erwartet. […] Sie nehmen uns den Habit weg und halten es für geraten, uns bis Köln, dem Ziel unserer Reise, eine Eskorte an die Seite zu geben. Sofort nach unserer Ankunft werden wir alle zwölf in dasselbe Reichsbahnlager in Köln-Nippes gebracht. Da sollte nun unsere Arbeit den Anfang nehmen, mitten unter den anderen Franzosen, die wie wir zur Zwangsarbeit eingezogen waren.“
Im Visier der Gestapo
„Unsere Stube“, so Pater Leclerc, „entwickelt sich zum Treffpunkt für alle, die irgendeine Hilfeleistung oder auch nur ein wenig Zuwendung brauchen.“ So „zieht ein christlicher Geist in das Lager ein. Davon gibt auch das Weihnachtsfest Zeugnis: Das ganze Lager versammelt sich in dieser Nacht, um die Frohe Botschaft zu hören und das Messopfer zu feiern." Ihre Aktivitäten, „wenn sie auch möglichst im Geheimen stattfinden, ziehen immer wieder die Aufmerksamkeit der Gestapo auf sich. Wir werden überwacht, verdächtigt, ausspioniert.“
Am 13. Juli 1944 wurden die zwölf Franziskaner verhaftet, in Brauweiler zwei Monate unter Folter verhört und kamen dann ins Lager Buchenwald: „Ab jetzt sind wir Sträflinge, ohne Persönlichkeit, Nummern unter Tausenden, mit rasiertem Schädel, misshandelt, hungrig, wir sterben einen kollektiven und anonymen Tod.“ Die harte Zwangsarbeit im Winter 1944/45 forderte das erste Opfer: „Der Priester Gérard-Martin, selbst am Ende seiner Kräfte, findet immer noch den Heldenmut, einen erschöpften Kameraden bei der Arbeit zu vertreten oder ihm eine Schnitte Brot zu geben. Seine Freunde machen ihm seine unvernünftige Selbstlosigkeit zum Vorwurf. ,Der heilige Franziskus würde an meiner Stelle nicht anders handeln‘, antwortet er immer darauf.“ Nach Weihnachten „nehmen seine Kräfte ab, er geht zur Krankenstation, wird aber abgewiesen. Auf einen Freund gestützt kommt er ins Lager zurück. Es ist der Vorabend von Pauli Bekehrung. Zu seinem Begleiter sagt er: ,Ich möchte mehr leiden, damit viele Christus auf dem Weg nach Damaskus finden.‘ Dann sinken beide in den Schnee; Gérard steht nicht mehr auf, er ist sanft entschlafen.“
Sie flehten zur Gottesmutter
Ihm folgten am 15. März Bruder Xavier Bouchet und am 12. April Bruder Roger Le Ber: „Auch Bruder Xavier erkennt, dass Gott von ihm das Opfer seines Lebens verlangen könnte. Er ist eine zarte und kontemplative Seele.“ Er „bricht auf der Baustelle zusammen. Man bringt ihn auf die Krankenstation, wo er in der folgenden Nacht stirbt. Bruder Roger gelingt es noch, über den Winter zu kommen, doch als die Evakuation vor den heranrückenden amerikanischen Truppen beginnt, ist er kraftlos und krank. Er schleppt sich noch einige Kilometer dahin, am Ende der Kolonne, dann kann er nicht mehr. Ein SS-Mann erschießt ihn.“
Die übrigen Gefangenen, darunter Bruder Louis Paraire, irrten nach der Evakuierung des Lagers „21 Tage, ausgehungert und im Delirium, in Güterwagen eingesperrt durch Deutschland und Böhmen. Unsere Weggefährten sterben einer nach dem anderen. Wir flehen zur Gottesmutter, sie möchte uns retten. Es ist der 26. April: Bruder Louis, ausgezehrt von der Ruhr, liegt im Sterben. Wir singen den Sonnengesang: ,Gelobt seist Du, mein Herr, für unseren Bruder, den leiblichen Tod…‘ Und in diesem Aufstrahlen der Freude entschläft er in unseren Armen.“ Am 28. April kam der Todeszug aus Buchenwald in Dachau an; am Tag darauf wurde das Lager von den Amerikanern befreit.
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