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Ein Täter im Betroffenenbeirat?

Wie eine neue Recherche des „Cicero“ enthüllt, haben unter anderem Kardinal Marx und Bischof Voderholzer intern schwerwiegende Kritik an Priester Wolfgang Rothe geübt. Der Vatikan ließ eine kanonische Verwarnung aussprechen.
Priester Wolfgang Rothe
Foto: IMAGO/mufkinnphotos (www.imago-images.de) | Soll eine homosexuelle Beziehung zu einem Seminaristen – also einem Schutzbefohlenen – gehabt haben: der in St. Pölten inkardinierte Priester Wolfang Rothe.

Mehrere Bischöfe haben den bekannten Priester Wolfgang Rothe sowohl innerkirchlich als auch staatlichen Stellen gegenüber scharf kritisiert, wie eine Recherche des Magazins „Cicero“ zeigt. Rothe, promovierter Kirchenrechtler, ist Mitglied des Betroffenenbeirats bei der Bischofskonferenz der katholischen Kirche. Im Dezember 2025 erhielt er zudem den „Bayerischen Verfassungsorden“, unter anderem für sein „mutiges Eintreten für die Rechte von Missbrauchsopfern“, wie es in einem Brief des Landtagsvizepräsidenten an Rothe heißt.

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Laut „Cicero“ protestierte Bischof Alois Schwarz aus St. Pölten, wo der in München tätige Rothe offiziell inkardiniert ist, gegen die staatliche Ehrung, indem er sich mit einem Schreiben direkt an die Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) wandte. Wie der Cicero berichtet, sieht auch das vatikanische Dikasterium für die Priester Rothe kritisch und ließ am 1. Juli 2025 eine „kanonische Verwarnung“ durch Bischof Schwarz aussprechen, weil Rothe, so der Bischof, „wiederholt zu kirchlichen Persönlichkeiten und Ereignissen Stellung nimmt und dadurch das Ansehen der Kirche in Österreich und Deutschland erheblich schädigt.“

Marx und Voderholzer protestieren gegen Berufung Rothes in Betroffenenbeirat

Gegen die Berufung Rothes in den Betroffenenbeirat haben wiederum Kardinal Reinhard Marx (Erzbistum München und Freising) und Bischof Rudolf Voderholzer (Bistum Regensburg) intern Protest hinterlegt. Laut Dokumenten, die dem „Cicero“ vorliegen sollen, habe Kardinal Marx „im November 2024 beim Ständigen Rat der Bischofskonferenz, bei dem sich alle 27 deutschen Diözesanbischöfe treffen, Einspruch gegen eine Mitgliedschaft Rothes im Betroffenenbeirat“ erhoben.

Deutlicher wurde Bischof Voderholzer, der sich vom „Cicero“ wie folgt zitieren lässt: „Zu wissen, dass ein Priester, der als Subregens sexuelle Beziehungen zu seiner Fürsorge anvertrauten Seminaristen unterhielt, Mitglied im Betroffenenbeirat bei der DBK ist, der seine Stimme nicht zuletzt stellvertretend für solche jungen Menschen erheben will, die in asymmetrischen Machtgefügen Opfer von sexuellem oder geistlichem Missbrauch wurden, ist für mich unerträglich.“

Der Hintergrund: Im Jahr 2004, als Rothe Subregens des Priesterseminars in St. Pölten war, berichtete das österreichische Magazin „Profil“ über eine Polizeidurchsuchung am Seminar. Neben heruntergeladener Kinderpornografie seien auch Fotos entdeckt worden, die die Bewohner bei homosexuellen Handlungen zeigen. Auch Rothe soll eine homosexuelle Beziehung zu einem Seminaristen – also einem Schutzbefohlenen – gehabt haben.

Rothe, der dies bis heute bestreitet, klagte gegen die Berichterstattung, verlor aber sowohl vor österreichischen Gerichten als auch vor dem Europäischen Gerichtshof. Im Gegenzug erhob Rothe später gegen Bischof Klaus Küng, der mit der Aufklärung der Vorfälle im St.-Pöltner Skandal beauftragt worden war, den Vorwurf, er habe Rothe sexuell missbraucht. Der Bischof wies die Vorwürfe zurück, die weder innerkirchlich noch strafrechtlich bestätigt wurden.  DT

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