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Muttersprachlicher Synodaler: „Wir wachsen, die anderen nicht“

ZdK-Mitglied Emeka Ani verteidigt die Quote für muttersprachliche Katholiken in der künftigen Synodalkonferenz. Berührungsängste gegenüber angeblich konservativen muttersprachlichen Katholiken seien unangebracht.
ZdK-Mitglied Emeka Ani
Foto: Synodaler Weg / Marko Orlovic | Aus Anis Sicht wäre es „ein großer Skandal“ gewesen, von dem sich die Kirche so schnell nicht hätte befreien können, wenn die muttersprachlichen Gemeinden in Deutschland bei der Synodalkonferenz keine Quote erhalten ...

In der geplanten Synodalkonferenz sollen künftig drei Angehörige muttersprachlicher Gemeinden unter den 23 hinzuzuwählenden Mitgliedern sein. Das beschloss die 6. Synodalversammlung am Wochenende in Stuttgart.

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Der Abstimmung war eine harte Debatte über eine Quote für muttersprachliche Gemeinden vorausgegangen: Dem Antragsteller Emeka Ani, Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), war vorab öffentlich geraten worden, den Antrag zurückzuziehen, nachdem er die Demografie als Argument vorgebracht hatte: „Wir wachsen, die anderen nicht.“ Er beschränkte seine Forderung von fünf Mitgliedern daraufhin auf drei.

Nicht aus Deutschland stammende Gläubige mit wachsender Bedeutung

Angesprochen auf die fehlende Verankerung der muttersprachlichen Gemeinden in der Satzung der geplanten Synodalkonferenz – dort werden nur Generationen- und Geschlechtergerechtigkeit als Auswahlkriterien ausdrücklich genannt – wies Ani gegenüber dieser Zeitung auf die wachsende Bedeutung der nicht aus Deutschland stammenden Gläubigen hin. Diejenigen, die die muttersprachlichen Gemeinden bei der Synodalsatzung „bewusst oder unbewusst“ nicht ausreichend berücksichtigt hätten, würden Ani zufolge „wahrscheinlich noch zu ihren Lebzeiten von der Tatsache eingeholt werden, wie weit die katholische Kirche in Deutschland auf die Spiritualität, die Demografie und Partizipation“ der muttersprachlichen Katholiken angewiesen sei.

Aus Anis Sicht wäre es „ein großer Skandal“ gewesen, von dem sich die Kirche so schnell nicht hätte befreien können, wenn die muttersprachlichen Gemeinden in Deutschland bei der Synodalkonferenz keine Quote erhalten hätten: „Einige – darunter auch bedeutende Persönlichkeiten der Kirche –, die sich gegen diese Quote ausgesprochen haben, haben nicht bedacht, dass dadurch sämtliche Kritiken der Kirche an der AfD als trostlose Scheinheiligkeit erschienen wären. Ich bin froh, dass die Kirche nur um Haaresbreite an diesem Fehler vorbeigeschrammt ist.“

Gegen modische, unbeständige Wertekultur

Auf die Frage, ob er einen Zusammenhang zwischen der lehramtstreuen Ausrichtung vieler muttersprachlicher Katholiken – Ani selbst hatte sich während des Synodalen Wegs gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausgesprochen – und dem Widerstand gegen eine Quote sehe, antwortete der aus Nigeria stammende Laie, Berührungsängste gegenüber angeblich konservativen muttersprachlichen Katholiken seien unangebracht. Die Kirche lebe gerade davon, gute und nachhaltige Werte der Menschlichkeit im Einklang mit der Schöpfung zu bewahren, anstatt sich einer modischen, unbeständigen Wertekultur anzupassen. DT/reg

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