Weihnachten zwischen Hoffnung und Resignation

"Tagespost"-Korrespondent Till Magnus Steiner dokumentiert die Weihnachtsbotschaften aus dem Heiligen Land.
Sehnsucht nach Frieden. Weihnachtsbotschaften aus dem Heiligen Land
| Weihnachtsbotschaften aus dem Heiligen Land. Foto: Till Magnus Steiner.

„Ich bin sicher, dass das kommende Jahr aus politischer Sicht nicht besser sein wird als dieses.“ Diese scheinbar hoffnungslosen Worte stammen aus der Weihnachtsbotschaft des Apostolischen Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa.

Papst Franziskus: „Dialog wieder aufnehmen und Friedensbemühungen unternehmen“

Schon während der Weihnachtstage deutete sich wieder an, dass die seit 2014 brachliegenden Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern auch weiterhin in einer Sackgasse stecken. In seiner diesjährigen Weihnachtsbotschaft brachte Papst Franziskus die Hoffnung zum Ausdruck, dass dieses Weihnachtsfest den Menschen hilft die Bande der Brüderlichkeit wieder zu entdecken, die alle Menschen miteinander verbinden. In Bezug auf den israelisch-palästinensischen Konflikt sagte er: „Möge es Israelis und Palästinensern ermöglichen, den Dialog wieder aufzunehmen und Friedensbemühungen zu unternehmen, die einem Konflikt ein Ende setzen können, der seit über 70 Jahren das Land spaltet, das der Herr erwählt hat, um dort sein Gesicht der Liebe zu zeigen.“

Mahmoud Abbas:  Bereit, in den Friedensprozess einzutreten

Kurz nach den Worten des Papstes erklärte der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, dass die palästinensische Führung bereit sei, in einen Friedensprozess einzutreten, der auf dem Völkerrecht und den Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und der Generalversammlung basiere. Damit wendete er sich indirekt gegen den bisher unveröffentlichten US-amerikanischen Friedensplan. Gegenüber der israelischen Nachrichtenseite Time of Israel erklärte ein namentlich nicht benannter, israelischer Regierungsvertreter: „Israel hat wiederholt seine Bereitschaft bekundet, ohne Vorbedingungen in einen diplomatischen Prozess mit den Palästinensern einzutreten.“

Pizzaballa: Gott ist ein Gott der Stadt

In dieser Situation, in der bereits über die Vorbedingungen zu Friedensgesprächen gestritten wird, betont der Apostolische Administrator Erzbischof Pierbattista Pizzaballa: „Wir wissen, dass wir weiterhin in der gleichen Situation leben werden – wir wissen, dass wir die politische Situation nicht ändern können –, aber wir können die Art und Weise ändern, wie wir mit unserem Leben in dieser Situation in unseren Familien, in unseren kleinen Zusammenhängen leben.“ Was dies bedeutet, hat er in seiner Weihnachtspredigt in der Geburtskirche in Betlehem entfaltet, indem er über die Geburt Jesu in einer Stadt, in Betlehem predigte: „Unser Gott ist ein Gott der Stadt.“

Unter Verweis auf die Bedeutung der Städte und Dörfer für den Lebensweg Jesu und später für die Ausbreitung des Christentums betonte er, dass der christliche Glauben nicht auf das Private im Leben begrenzt werden kann: „Die Geburt des Herrn in unseren Städten will in uns eine Art ‚politische Leidenschaft‘ entfachen und die Verantwortung für die Pflege der Stadt und des Landes, in dem wir leben, wecken. Man soll es nicht besitzen oder besetzen, sondern es von einem einfachen städtischen Gebiet mit privaten Dienstleistungen und persönlichen Interessen in einen Ort verwandeln, der die Erfahrung von Gemeinschaft, Frieden, Beziehung und Teilen vermittelt.“

Christen in den palästinensischen Gebieten muss geholfen werden

Um diese christliche Berufung erfüllen zu können, bedarf es jedoch der Hilfe für die Christen in den palästinensischen Gebieten, damit sie aufgrund des israelisch-palästinensischen Konflikts und der muslimisch-christlichen Spannungen das Land nicht verlassen: „Denn unsere Städte ohne Christen werden verarmter sein und unsere Christen ohne ihre Städte riskieren, den Weg zu verlieren.“

In seiner Weihnachtsbotschaft verwies der Apostolische Administrator Erzbischof Pierbattista Pizzaballa auch auf die vielen Probleme, die sich dem Lateinischen Patriarchat stellen. Er selbst wurde von Papst Franziskus vor zwei Jahren als Apostolischer Administrator in Jerusalem eingesetzt, um die finanziellen Probleme des Patriarchats nach der Amtszeit des emeritierten Lateinischen Patriarchen von Jerusalem Fouad Twal zu beheben. Unter anderem die hohen Kosten der in Madaba, Jordanien gegründeten Universität hatten die administrativen Defizite im Patriarchat offengelegt.

Sami El-Yousef: Situation der Christen innerhalb des israelisch-palästinensischen Konflikts schwierig

Sami El-Yousef, der Geschäftsführer des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem konnte jedoch nun in seiner gesonderten Weihnachtsbotschaft verkünden, dass „die finanzielle und administrative Umstrukturierung kurz vor ihrem Abschluss steht, was zu effizienteren Abläufen mit hohen professionellen Standards führt“. Weiterhin sind jedoch die Aufrechterhaltung und Durchführung der erzieherischen, humanitären und pastoralen Aktivitäten von Spenden abhängig. Ein Großteil des Jahresbudgets wird vom Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem finanziert. Trotz der gemachten Fortschritte betont jedoch auch Sami El-Yousef in seiner Weihnachtsbotschaft, die schwierige Situation in der Christen innerhalb des israelisch-palästinensischen Konflikts und den damit einhergehenden Lebensumständen: „Nur durch starken Glauben wird es Hoffnung für unser Volk geben, dieses Heilige Land weiterhin sein Zuhause zu nennen.“

DT/Till Magnus Steiner (jobo)

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