Fällt "Roe vs. Wade"?

US-Lebensrechtler fordern: Frauen nicht kriminalisieren

Frauen seien die Opfer einer Abtreibung und dürften nicht dafür bestraft werden, heißt es in einem offenen Brief. In Louisiana gibt es jedoch Vorstöße in diese Richtung.
Demonstrationen für und gegen Abtreibung
Foto: IMAGO/Allison Bailey (www.imago-images.de) | Kurz vor dem Appell war bekannt geworden, dass der von den Republikanern regierte Bundesstaat Louisiana einen Gesetzesentwurf diskutiert, unter dem Frauen, die eine Abtreibung vornehmen, eine Strafverfolgung wegen ...

Angesichts der immer wahrscheinlicher werdenden Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, das umstrittene Grundsatzurteil „Roe vs. Wade“ zu kippen, fordern führende Vertreter der amerikanischen Lebensrechtsbewegung die Gesetzgeber aller US-Bundesstaaten auf, Frauen nicht zu kriminalisieren, wenn sie eine Abtreibung vornehmen.

Frauen zu kriminalisieren ist nicht "pro-life"

In einem am Donnerstag veröffentlichten offenen Brief an die Parlamentarier, den unter anderem der Vorsitzende des Lebensschutzkomitees der US-Bischöfe, Erzbischof William Lori, unterzeichnete, heißt es: „Wir stellen unmissverständlich fest, dass jegliche Maßnahme, mit der Frauen kriminalisiert oder bestraft werden sollen, nicht pro-life ist, und wir stellen uns solchen Bestrebungen entschieden entgegen.“ Frauen seien die Opfer einer Abtreibung und benötigten Mitgefühl und Unterstützung. Zudem müsste ihnen noch lange nach einer Abtreibung Zugang zu Beratungen und Fürsorgearbeit gewährt werden. 

Lesen Sie auch:

Die US-Lebensschützer wenden sich an die Gesetzgeber der Bundesstaaten, da es in Zukunft wohl in deren Kompetenz fallen dürfte, gesetzlich darüber zu entscheiden, ob, wie lange und unter welchen Voraussetzungen Abtreibungen erlaubt sind. Die Unterzeichner sprechen von einer „enormen Chance“ für die Staaten, eine dauerhafte Abtreibungspolitik zu verfolgen, „die den Test der Zeit besteht“. Dies sei nur möglich, wenn die Gesetze zum Schutz ungeborener Kinder deren Mütter nicht schaden.

Louisiana debattiert Strafverfolgung wegen Mordes

Kurz vor dem Appell, der dieser Zeitung vorliegt, war bekannt geworden, dass der von den Republikanern regierte Bundesstaat Louisiana einen Gesetzesentwurf diskutiert, unter dem Frauen, die eine Abtreibung vornehmen, eine Strafverfolgung wegen Mordes drohen würde. Nicht nur Abtreibungsbefürworter sondern auch Lebensrechtler und katholische Bischöfe übten sogleich deutliche Kritik an dem Entwurf.

Zu den mehr als 70 Unterzeichnern des offenen Briefs gehören die Vorsitzenden mehrerer Lebensschutz-Verbände, darunter „National Right to Life“, „Americans United for Life“, „Susan B. Anthony List“ oder „March for Life Action“. Die Unterstützung kommt aber nicht nur aus der konservativen „Pro-Life“-Szene: Auch die „Democrats for Life of America“ sowie das „Progressive Anto-Abortion Uprising“ haben sich dem Brief angeschlossen.  DT/mlu

Lesen Sie weitere Hintergründe zur Abtreibungsdebatte in den USA in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

Weitere Artikel
Am Wochenende protestierten hunderttausende Menschen in 17 Städten gegen die „schändliche Entscheidung“ des Verfassungsgerichts, Abtreibungen zu legalisieren.
01.03.2022, 20  Uhr
Meldung
In den sozialen Medien findet der Podcast „Ein Zellhaufen spricht über Abtreibung“ immer mehr Zuspruch. Aber wer steckt eigentlich dahinter? Ein Porträt.
21.04.2022, 17  Uhr
Stefan Rehder
Erzbischof Samuel J. Aquila wirft dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing Verrat am Evangelium vor und fordert ihn auf, den Brief der 74 US-Bischöfe ernst zu nehmen.
04.05.2022, 11  Uhr
Meldung
Themen & Autoren
Meldung Demokratische Partei (USA) Erzbischöfe Lebensschutz

Kirche

Reformen vorantreiben mit Tempo, Druck auf die Amtskirche und zur Not für den Preis einer Spaltung — das war der Tenor der Veranstaltung „Kirche kann bunt. Mit Vielfalt gewinnen. #OutInChurch“.
28.05.2022, 15 Uhr
Dorothea Schmidt
Das Erzbistum Köln hat die Chance, wieder zueinander zu finden. Denn es gibt Gläubige, die sich von Kampagnen nicht beirren lassen. Eindrucksvolles Beispiel: der Wallfahrtsort Neviges.
28.05.2022, 11 Uhr
Regina Einig
Die theologischen Dialoge müssen weitergeführt und intensiviert werden, so der „Ökumene-Bischof“. Eine Herausforderung bleibe aber die Frage der Eucharistiegemeinschaft.
27.05.2022, 20 Uhr
Oliver Gierens