Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung KIEW

Ukrainischer Bischof fordert Sanktionen gegen Patriarch Kyrill

In Kiew liegen zwei Gesetzentwürfe vor, die eine Enteignung und ein Verbot der Strukturen des Moskauer Patriarchats auf ukrainischem Staatsgebiet fordern.
Das ukrainische Parlament
Foto: - (Ukrinform) | Dem ukrainischen Parlament liegen zwei Gesetzentwürfe vor, die ein landesweites Verbot der Strukturen des Moskauer Patriarchats beabsichtigen.

Dem ukrainischen Parlament liegen zwei Gesetzentwürfe vor, die auf ein landesweites Verbot der Strukturen des Moskauer Patriarchats zielen. Wie „Die Tagespost“ bereits am 30. März berichtete, betreffen diese Entwürfe das Eigentum der „Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats“ (UOK-MP) unter Metropolit Onufrij, einschließlich dreier berühmter Klosteranlagen. Die beiden Gesetzentwürfe wurden in der Werchowna Rada, dem ukrainischen Parlament, bereits registriert, aber noch nicht abgestimmt.

Entwurf Nr. 7204 sieht vor, dass das gesamte Eigentum der obersten Leitungsgremien der UOK-MP binnen 48 Stunden nach Inkrafttreten des Gesetzes verstaatlicht wird. Den Pfarreien dieser Kirche wird eine Frist von 14 Tagen gewährt, zur autokephalen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ unter Metropolit Epifanij zu wechseln.

Lesen Sie auch:

Enteignung geplant

Wenn sie diese Frist nutzen, bleibt das Kirchenvermögen bei der Pfarrei; wenn sie sich weigern, wird es beschlagnahmt. Drei der bedeutendsten Klöster des Landes, die Lavra von Kiew, von Pochayiv und von Swjatogorsk, sollen in staatliches Eigentum überführt werden. Der Gesetzentwurf sieht auch vor, die Institutionen der UOK-MP auf „antiukrainische Aktivitäten oder Zusammenarbeit mit dem Angreifer“ zu untersuchen.

Ein konkurrierender Gesetzentwurf Nr. 7213 ist deutlich kürzer gefasst: Ohne die russische Orthodoxie und ihren Ableger in der Ukraine namentlich zu nennen, wird hier vorgeschlagen, die Aktivitäten aller religiösen Organisationen zu verbieten, die dem Aggressor-Staat untergeordnet sind oder dort ihren Sitz haben.

Werkzeug der Aggression des Kreml

Der Sprecher der von Moskau unabhängigen, autokephalen orthodoxen Kirche in der Ukraine, Erzbischof Evstratiy Zorya, begrüßt die Gesetzesinitiativen. Der Staat müsse „sein Territorium, seinen Informationsraum, seine Wirtschaft, seinen Verkehr und ebenso den religiösen Raum vor russischer Aggression schützen“. Religiöse Strukturen dürften kein Werkzeug der Kreml-Aggression sein, meinte der Sprecher der Orthodoxen Kirche der Ukraine in einem Statement. Erzbischof Evstratiy bezeichnete es als logisch, Sanktionen gegen die Führung der russisch-orthodoxen Kirche zu verhängen, ebenso wie gegen russische Oligarchen, die auch keine Beamten des Staates seien, aber Putin beim Aufbau seines Regimes geholfen hätten.

Ausdrücklich forderte der Erzbischof Sanktionen gegen den Moskauer Patriarchen Kyrill, der die russische Armee für ihre Aggression gegen einen souveränen Staat gesegnet habe. Wenn es zu Sanktionen gegen Kyrill komme, dann dürfe es keinerlei administrative Zusammenarbeit zwischen der UOK-MP und ihm mehr geben, so der Erzbischof. Bisher genießt die UOK-MP zwar einen autonomen, aber keinen autokephalen Status: Sie verwaltet sich also theoretisch selbst, ist aber jurisdiktionell dem Moskauer Patriarchat unterstellt. DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Die Tagespost Erzbischöfe Russlands Krieg gegen die Ukraine Pfarrei Russisch-Orthodoxe Kirche Russische Regierung Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Russlands Orthodoxie folgt der militärischen Logik Putins - und ist an echter Religionsfreiheit nicht interessiert.
05.01.2024, 13 Uhr
Stephan Baier
Reinhard Kardinal Marx denkt an einen Internationalen Friedensbund der Katholiken. In der Krise steckt auch eine Chance.
16.02.2024, 09 Uhr
Regina Einig

Kirche

Wenn der Ruf nach Evangelisierung zur Lösung der Kirchenkrise unterkomplex ist, dann hat Jesus wohl sein Handwerk nicht verstanden. Ein Kommentar.
23.02.2024, 20 Uhr
Franziska Harter
Der Salesianer Don Boscos war Dogmatiker, Bischof von Innsbruck, Erzbischof von Salzburg und Primas Germaniae.
23.02.2024, 05 Uhr
Meldung
Für Christen sei die AfD nicht wählbar, heißt es in einer Erklärung der Bischöfe. In der Partei dominiere eine „völkisch-nationalistische Gesinnung“.
22.02.2024, 16 Uhr
Meldung