Osnabrück

Renovabis-Geschäftsführer: Keine Zusammenarbeit mehr mit Kyrill

Mit dem jetzigen Patriarchen werde kein Staat mehr zu machen sein, meint Thomas Schwartz – und stellt ganz grundsätzlich die Zusammenarbeit mit dem Moskauer Patriarchat infrage.
Der Moskauer Patriarch Kyrill
Foto: IMAGO/Maksim Blinov (www.imago-images.de) | „Können wir noch mit einem Moskauer Patriarchat zusammenarbeiten – oder müssen wir nicht erstmal ganz genau hinschauen, welche Werte da von wem geteilt werden?“, fragte Schwartz.

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Osteuropahilfswerks Renovabis, Thomas Schwartz, kann sich eine Zusammenarbeit mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill nicht mehr vorstellen. „Mit dem jetzigen Patriarchen wird kein Staat mehr zu machen sein“, erklärte Schwartz am Freitag im Gespräch mit der Verlagsgruppe Bistumspresse.

Überlegen, "mit wem wir in Zukunft ökumenisch zusammenarbeiten"

Auch die Zusammenarbeit mit dem Moskauer Patriarchat im Allgemeinen, dessen Oberhaupt Kyrill ist, stellte der 57-Jährige infrage. „Können wir noch mit einem Moskauer Patriarchat zusammenarbeiten – oder müssen wir nicht erstmal ganz genau hinschauen, welche Werte da von wem geteilt werden?“, fragte er. Man werde ganz genau überlegen müssen, „mit wem wir in Zukunft ökumenisch zusammenarbeiten können“. Gleichzeitig betonte Schwartz, dass Renovabis in Russland und Belarus zahlreiche katholische Projektpartner habe, denen man auch weiterhin zur Seite stehen müsse. „Im Moment finden wir noch Wege für diese Hilfe. Aber es wird sehr viel schwieriger.“

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Hinsichtlich der Projektpartner betonte Schwartz, er sei „immer wieder beeindruckt von ihrem Mut, ihrer Überlebenshoffnung und ihrem Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Von ihrer Bereitschaft, das zu verteidigen, was sie sich aufgebaut haben: ihre Demokratie, ihre Freiheit, ihr Land, ihre Lebensform“. Diese Menschen seien für ihn Vorbilder – „mit ihrer Kraft aus dem Glauben und ihrer Entschlossenheit, für ihre Werte einzustellen“.

Die Frage, ob er angesichts des russischen Kriegsterrors manchmal denke, die Arbeit des Hilfswerks der letzten 30 Jahre sei umsonst gewesen, verneinte Schwartz entschieden. „Unser Engagement hat sich schon deshalb wirklich gelohnt, weil der Machthaber im Kreml merkt, dass es gar nicht so einfach ist, dieses Land zu erobern.“ Das liege daran, dass man „in Menschen, in Herzen, in Köpfe“ investiert habe. „Die Menschen haben den Hauch der Freiheit geatmet – und diese Freiheit wollen sie jetzt verteidigen gegen diesen Mann, der von Entnazifizierung redet, aber in Wahrheit selbst ein Faschist ist.“  DT/mlu

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