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Putins wahre Motive

Der russische Politikwissenschaftler und Zeithistoriker Leonid Luks analysiert zehn Jahre Krieg und zwei Jahre Invasion in der Ukraine.
Was hat er vor? Leonid Luks analysiert die Ziele und Intentionen Wladimir Putins in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.
Foto: Sergei Savostyanov (Pool Sputnik Kremlin via AP) | Was hat er vor? Leonid Luks analysiert die Ziele und Intentionen Wladimir Putins in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

Die historischen, ideologischen und politischen Motive Wladimir Putins legt der in Deutschland lehrende Zeitgeschichtler und Politikwissenschaftler Leonid Luks unmittelbar vor dem zweiten Jahrestag der russischen Invasion in der Ukraine in der „Tagespost“ offen. Mit dem „Kiewer Maidan“, also dem Aufstand der ukrainischen Zivilgesellschaft gegen den russlandfreundlichen Autokraten Janukowitsch 20134/14, habe der Kreml seine Strategie geändert.

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Hatte Moskau zuvor auf ein beeinflussbares Marionettenregime in Kiew gesetzt, so erkannte Putin nun eine ukrainische Gefahr für sein eigenes Machtsystem in Russland: Die „innenpolitische Gefahr“ bestand darin, dass sich die Russen die erfolgreiche Entwicklung in der Ukraine zum Vorbild nehmen könnten: Luks, selbst russischer Herkunft und 1947 in Jekaterinburg (Swerdlowsk) geboren, meint, dass Putin „um jeden Preis verhindern wollte, dass das ukrainische Szenario der Entmachtung der korrupten Staatsführung sich in Moskau wiederholt“.

Ideologie treibt Putins „gelenkte Demokratie“

Darum habe Wladimir Putin ab 2014 versucht, „die Ukraine zu spalten und zu destabilisieren“, und seit dem 24. Februar 2022, sie als souveränen Staat gänzlich zu zerstören. Dieser politischen und militärischen Wende liegt aber eine ideologische Motivlage zugrunde. Luks, bis zu seiner Emeritierung Professor für Mittel- und Osteuropäische Zeitgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, wörtlich: „Nach der Entstehung der Putinschen ‚gelenkten Demokratie‘ im Jahr 2000 erreichten die neo-imperialen Tendenzen Moskaus eine neue Dimension. Denn Putins Ziel war nicht nur die Zementierung des russischen Einflusses im ‚nahen Ausland‘, sondern die Bekämpfung aller emanzipatorischen Tendenzen in der Region, die das Machtmonopol der herrschenden Oligarchien in den Nachfolgestaaten der UdSSR, nicht zuletzt in Russland, in Frage stellten.“ 

Aus diesem Grund sei die Ukraine für Putin nach dem Sieg der sogenannten „farbigen Revolutionen“ von 2004 und 2013/14 zu einer Herausforderung geworden: „Die 2004 und 2014 erfolgte Abwendung der Ukraine von Moskau machte alle Versuche Putins, das sowjetische Imperium im Kleinformat wiederherzustellen, zunichte.“ Und der Maidan von 2013/14 drohte zu einem Vorbild für die nach Freiheit dürstenden Russen zu werden. DT/sba

Lesen Sie die Analyse des russischen Politikwissenschaftlers Leonid Luks am Donnerstag in Ihrer „Tagespost“.

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