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Papst Leo mahnt zum Frieden

Die Kirche fordert von allen politischen Akteuren eine Gewissenserforschung, denn ohne Bekehrung wird es keinen echten Frieden geben.
Papst Leo XIV. redet Kriegsparteien ins Gewissen
Foto: IMAGO/Maria Grazia Picciarella (www.imago-images.de) | Von Versöhnung, wie Papst Leo sie einmahnt, kann im Orient keine Rede sein – und das betrifft nicht nur das Verhältnis vieler islamischer Staaten zu Israel, sondern auch das zwischen Sunniten und Schiiten.

Nein, Papst Leo XIV. hat sich im aktuellen Nahost-Krieg nicht auf die Seite Israels oder des Iran gestellt. Vielmehr hat er beiden Seiten ins Gewissen geredet: „Niemals sollte jemand die Existenz eines anderen bedrohen“ – diese päpstliche Mahnung könnte Israel für sich in Anspruch nehmen, denn die politischen und militärischen Eliten des Iran drohen dem „zionistischen Gebilde“, wie sie den Staat Israel nennen, seit viereinhalb Jahrzehnten mit der Auslöschung. Aber auch das Mullah-Regime in Teheran sieht sich durch die israelischen Angriffe – verbunden mit der hohen und wachsenden Unzufriedenheit in der eigenen Bevölkerung – in seiner Existenz bedroht.

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Wenn Papst Leo XIV. es zur „Pflicht aller Länder“ erklärt, „sich für Frieden einzusetzen, Wege der Versöhnung zu beschreiten und Lösungen zu fördern, die Sicherheit und Würde für alle gewährleisten“, sind damit wohl beide Seiten zur Gewissenserforschung eingeladen: Der Iran trägt seit vielen Jahren zur Unsicherheit und zur Spaltung im Orient bei, indem er Terrormilizen wie Hisbollah und Hamas hochrüstet und fördert, die Kriege im Jemen wie in Syrien am Köcheln hielt und selbst sein Atomprogramm vorantrieb, das nicht nur Israel als überregionale Bedrohung sah, sondern auch die anderen, die sunnitischen Nachbarn im Orient.

„Das Heilige Land blutet“

Doch auch Israel hat im Namen seiner eigenen Sicherheit die Würde der Palästinenser im Gazastreifen wie im Westjordanland verletzt, hat sich militärisch weite Spielräume in Syrien wie im fragilen Libanon verschafft und mit den Angriffen auf den Iran einen Weg beschritten, dessen Ende weithin im Dunkeln liegt. Von Versöhnung, wie Papst Leo sie einmahnt, kann im Orient keine Rede sein – und das betrifft nicht nur das Verhältnis vieler islamischer Staaten zu Israel, sondern auch das zwischen Sunniten und Schiiten. In dieser unversöhnten, der Gewalt zugeneigten Weltgegend setzte Israel auf Sicherheit durch (auch atomare) Aufrüstung. Und eben diesen Weg beschritt auch das iranische Mullah-Regime, dessen atomare Option auch als Absicherung seiner Existenz und Macht gedacht war.

Dieser Logik setzte Papst Leo XIV. nun seine Logik des Friedens entgegen, indem er an die Vernunft appellierte und für eine sichere Welt frei von nuklearer Bedrohung warb. Der vatikanische „Außenminister“, Erzbischof Paul Gallagher, explizierte die päpstliche Vision am Samstag bei einer internationalen Sicherheitskonferenz in Prag: „Das Heilige Land blutet. Syrien, der Jemen, die Sahelzone – zu viele Orte sind gefangen in den Spiralen der Gewalt und der Hoffnungslosigkeit.“ Doch Frieden brauche mehr als Regierungshandeln: Erforderlich sei „eine moralische Vision und eine Umwandlung der Herzen“. Weniger als eine Bekehrung wird und kann die Kirche von den politischen Akteuren nicht fordern.

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