UKRAINE-KRIEG

Orthodoxe warnen vor nuklearer Katastrophe

Scharfe Kritik an Russlands Invasion in der Ukraine üben der Ökumenische Patriarch und die Orthodoxie Griechenlands.
Bartholomaios I.
Foto: Sedat Suna (EPA) | Der ökumenische Patriarch Bartholomaios hat die russische Invasion erneut scharf kritisiert und zum sofortigen Ende des Krieges aufgefordert.

„Stoppt diesen Horror! Stoppt den Krieg jetzt!“ Mit diesem Appell hat der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios, neuerlich den Krieg gegen die Ukraine verurteilt. Die Invasoren wollten eine „totale Demütigung des stolzen, loyalen und brüderlichen ukrainischen Volkes, das heldenhaft für seine Freiheit kämpft und Opfer bringt“, sagte das Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie am Sonntag in Istanbul. „Gleichzeitig führen jene, die den Weg des Krieges gewählt haben, ihre eigene Jugend in den Ruin.“ Tausende russische Soldaten hätten bereits ihr Leben verloren, so Patriarch Bartholomaios.

Auch die orthodoxe Kirche von Griechenland verurteilt die „gewaltsame Invasion russischer Truppen und den Krieg in der Ukraine“. In einem kirchlichen Lehrschreiben, das am Sonntag verfasst und am Montag veröffentlicht wurde, heißt es: „Keine Provokation, keine Verfolgung und kein Vorwand kann die Gräuel des Krieges rechtfertigen.“ Und weiter: „Krieg löst nicht nur die Probleme nicht, sondern nährt den Kreislauf aus Gewalt, Hass, Schmerz, Entwurzelung, Flucht, Hunger und Verlust von Menschenleben“. 

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Warnung vor einem Atomkrieg

Der Synod der griechischen Orthodoxie warnt in seiner Enzyklika: „Zivilisten werden bombardiert, sogar Kinder zählen zu den Opfern, Kirchen und Klöster werden zerstört, auch lebenswichtige Infrastruktur und Denkmäler von jahrhundertealter kultureller Bedeutung. Schlangen von Flüchtlingen suchen verzweifelt nach Fluchtwegen. Darüber hinaus besteht die Gefahr einer nuklearen Katastrophe, während ein Krieg mit weltweiten Auswirkungen nicht auszuschließen ist.“

Das Oberhaupt der autokephalen orthodoxen Kirche von Griechenland, Erzbischof Hieronymos, besuchte am Montag den ukrainischen Botschafter in Athen, Sergij Schutenko, um mit ihm über die humanitäre Hilfe der Kirche, insbesondere die Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge zu sprechen. DT/sba

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