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Kirche, öffne deine Tore!

Menschenhändler nutzen die hilflose Situation geflüchteter Ukrainerinnen aus. Zeit für die Kirche, die Frauen aufzunehmen und zu zeigen, was bedingungslose Hilfsbereitschaft bedeutet. 
Ukraine-Konflikt - Polen
Foto: Victoria Jones (PA Wire) | Besonders geflüchteten Frauen droht Gefahr auf der Flucht aber auch im Ankunftsland. Die Kirche ist hier gefordert.

So lobenswert die Aufnahmebereitschaft vieler deutscher Bürger von ukrainischen Flüchtlingen derzeit ist – sie birgt auch eine gewisse Gefahr. Denn viele Menschenhändler wittern in der aktuellen Not der in erster Linie geflüchteten Frauen ein lukratives Geschäft: Sie sprechen gezielt junge Frauen an, um sie in die Prostitution und Pornografie zu verkaufen. Die Frauen können schwer unterscheiden, was ein ernst gemeintes Hilfsangebot ist, und wer sich ihr Leid noch zu Nutze machen will.

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Auch Flüchtlingsunterkünfte sind nicht unbedingt sicher

Damit die geflüchteten Frauen gar nicht erst in solche Fallen tappen, sollte der Staat die Bürger von der Aufgabe der Beherbergung stärker entlasten und die Unterbringung gezielter koordinieren. Doch selbst in Flüchtlingsunterkünften sind die geflohenen Frauen nicht unbedingt sicher, wie jüngst ein Fall in Düsseldorf zeigte, wo eine 18-jährige Ukrainerin von Migranten aus dem Irak und Nigeria in einer Flüchtlingsunterkunft vergewaltigt worden sein soll. Damit ein solcher Missbrauch der deutschen Gastfreundschaft gänzlich unattraktiv wird, braucht es in solchen Fällen konsequente Bestrafung und Abschiebung.

Auch eine getrennte Unterbringung von den überwiegend weiblichen ukrainischen Flüchtlingen und den oft männlichen Flüchtlingen aus Afrika oder dem nahen Osten wäre wohl eine sinnvolle Möglichkeit, um Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch vorzubeugen. Doch einen solchen Luxus kann man sich hierzulande wohl kaum leisten. Denn bereits 2021 stieg die Anzahl von Asylanträgen wieder enorm an, die Flüchtlingsunterkünfte sind beispielsweise mit Geflohenen aus Afghanistan schon gut belegt.

Chance für die Kirche, selbstlose Hilfsbereitschaft vorzuleben

Hier kann die Kirche Abhilfe leisten und den schutzbedürftigen Frauen nicht nur die notwendige Unterkunft und Verpflegung gewährleisten, sondern auch bedingungslose Sicherheit, die es den Geflüchteten erlaubt, sich endlich von der Flucht und den damit verbundenen Traumata zu erholen und nicht neue befürchten zu müssen.

Das Erzbistum Bamberg hat hier bereits einen Schritt nach vorn getan.

Das kann auch für die Kirche selbst eine heilende Wirkung haben, indem sie wieder lernt, sich nicht nur nach innen gekehrt mit sich selbst zu beschäftigen, sondern den Dienst an den Menschen zum Hauptgeschäft zu machen und bedingungslose Nächstenliebe zu leben, die von der Güte Gottes erzählt. Jesus sagt nicht umsonst: „An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ (Joh 13,35)

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Veronika Wetzel Erzbistum Bamberg Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen Russlands Krieg gegen die Ukraine

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