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Kyrill weiter auf Kreml-Kurs

Der Moskauer Patriarch sieht „das heilige Russland“ bedroht. Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios verurteilen den Krieg gegen die Ukraine.
Patriarch Kyrill mit Russlands Präsident Putin
Foto: Alexander Nemenov (POOL AFP/AP) | Patriarch Kyrill übernahm erneut die Argumentation des Kreml, indem er von „schwerwiegenden Ereignissen“ sprach, „die mit der Verschlechterung der politischen Lage im Donbass zusammenhängen“.

Im Gegensatz zu Papst Franziskus, der am Sonntag den Krieg gegen die Ukraine mit deutlichen Worten verurteilte und von „Tod, Zerstörung und Elend“ sprach, weigert sich der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrillnoch immer, den Krieg Putins beim Namen zu nennen. In seiner Sonntagspredigt in der Erlöserkathedrale in Moskau wandte sich Kyrill stattdessen gegen die, die „zu den Waffen greifen gegen das heilige Russland“. 

Der Patriarch übernahm erneut die Argumentation des Kreml, indem er von „schwerwiegenden Ereignissen“ sprach, „die mit der Verschlechterung der politischen Lage im Donbass zusammenhängen“. Ausführlich sprach Kyrill vom „leidgeprüften Donbass-Land“, aber nicht vom russischen Überfall auf die Ukraine.

Attentatsversuche auf das Oberhaupt der ukrainischen Orthodoxie

Das von Konstantinopel anerkannte Oberhaupt der autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine, Metropolit Epifanij, appellierte am Sonntag an das Moskauer Patriarchat: „Sehen sie nicht, wie die Städte im Norden, Osten und Süden der Ukraine beschossen werden und wie die Explosionen auch jene töten, die Sie als ihre Hirten sehen? Fordern Sie laut von Russland, diese barbarischen Bombardierungen zu stoppen. Verstecken Sie sich nicht hinter allgemeinen Friedenswünschen, sondern sagen Sie die Wahrheit.“ 

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An den Westen gewandt meinte der ukrainische Metropolit: „Der russische Diktator befindet sich bereits im Krieg mit Ihnen. Er hat Sie bereits angegriffen. Wenn Sie also die Ukraine, unser Volk und unsere Kinder, unsere Häuser und unsere Kirchen verteidigen, dann verteidigen Sie sich selbst.“ Nach seinen eigenen Angaben sind bereits drei Attentatsversuche auf Epifanij verübt worden. Russische Agenten sollen ihn in seinem Amtssitz, dem Michaelskloster in Kiew, gesucht haben.

Bartholomaios verurteilt irrationalen Angriffskrieg

Das Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios, verurteilte am Sonntag neuerlich den „unprovozierten und irrationalen Angriffskrieg, der Schmerz und Tod verbreitet“, und der für das ukrainische Volk ein „schweres Kreuz und unsagbares Leid“ sei. Bartholomaios forderte in einer Botschaft „die sofortige Beendigung der Kampfhandlungen“.

Das Oberhaupt der mit Rom unierten Katholiken des byzantinischen Ritus in der Ukraine, Großerzbischof Swjatoslav Schewtschuk betete in seiner Predigt am Sonntag für die ukrainische Armee: „Für diejenigen, die den Feind wirklich auf dem Schlachtfeld ihrer eigenen Herzen besiegt haben. Aus Liebe zu ihrem Heimatland besiegen sie diejenigen, die uns angreifen.“

Großerzbischof: „Wir beten für die Feinde“

In einer Videobotschaft appellierte Schewtschuk an die internationale Staatengemeinschaft, alles zu tun, damit die schwächsten und unschuldigsten Menschen in der Ukraine nicht weiter leiden: „Helfen Sie mit, diese humanitäre Katastrophe zu stoppen, die sich vor unseren Augen abspielt.“ Weiter sagte das Kirchenoberhaupt der unierten Ukrainer: „Wir beten für die Feinde, die in unser Land gekommen sind, um zu töten. Wir beten, dass der Herrgott ihre mörderische Hand stoppen wird. Gott, rette deine Kinder! Vergib uns unsere Sünden und schenke der Ukraine den Sieg!“ Zuvor hatte Großerzbischof Schewtschuk alle Bischöfe und Priester seiner Kirche angewiesen, an ihrem jeweiligen Amtssitz bei ihren Gläubigen auszuharren.  DT/sba

Lesen Sie ausführliche Hintergründe und Analysen zum Krieg in der Ukraine in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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