Paris

Le Pen-Enkelin steigt in Zemmours Wahlkampf ein

Die Hoffnungsträgerin junger konservativer Katholiken, Marion Maréchal, unterstützt den rechten Kandidaten Eric Zemmour. Auch Präsident Macron gibt seine Kandidatur bekannt.
Vor Präsidentschaftswahl in Frankreich - Marion Marechal
Foto: Jean-Francois Badias (AP) | Marion Marechal, Nichte von Marine Le Pen, und Eric Zemmour, französischer Rechtsaußen-Präsidentschaftskandidat, begrüßen das Publikum während einer Wahlkampfveranstaltung in Südfrankreich.

Seit Sonntag unterstützt Marion Maréchal, Enkelin von Jean-Marie Le Pen, offiziell Eric Zemmour im Rennen um das Amt des französischen Präsidenten. Seit ihrem konsequenten Einsatz als Abgeordnete der Nationalversammlung während der großen Demonstrationen gegen die Homo-„Ehe“ 2012/2013 ist die praktizierende Katholikin zur Symbolfigur des jungen Katholizismus in Frankreich geworden.

Maréchal: Glaube wieder an möglichen Sieg

Die Nichte der Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen brachte bei einer Wahlkampfveranstaltung Zemmours in der Mittelmeermetropole Toulon vor 7.000 Personen ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass Eric Zemmour der am besten platzierte Kandidat sei, um einer konservativen Politik zum Sieg zu verhelfen. In aktuellen Umfragen liegt Zemmour immer noch hinter der Kandidatin der Le Pen-Partei „Rassemblement National“. Der Sieg sei, so Marion Maréchal, keine Frage von Umfragen, sondern der politischen Perspektive: Politik sei ein Vertrauensverhältnis, das zu den Franzosen aufgebaut werde.

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Maréchal saß von 2012 bis 2017 als jüngstes Parlamentsmitglied seit Beginn der Fünften Republik für den rechten „Rassemblement National“ (RN) in der Nationalversammlung. 2017 war sie aus der Politik ausgestiegen. Bereits Ende Januar hatte sie ihre Rückkehr in die Politik in Aussicht gestellt, dabei aber deutlich gemacht, dass sie nicht den „Rassemblement National“ und ihre Tante Marine Le Pen unterstützen würde. Sie sei damals entmutigt aus der Politik und der Partei ausgestiegen, erklärte sie vor ihren Zuhörern in Toulon. „Ich hatte den Eindruck, dass wir als nützliche Idioten dazu beitrugen, das bestehende System aufrechtzuerhalten. Hier und jetzt habe ich endlich die Gewissheit, dass wir nicht umsonst kämpfen: Ich glaube wieder an einen möglichen Sieg.“

Macron führt in allen Umfragen

Marion Maréchal ist Umfragen zufolge nach wie vor eine der beliebtesten Politikerinnen sowohl für Teile der Wählerschaften des „Rassemblement National“ als auch der Mitte-Rechts-Partei der „Républicains“ (LR). Maréchals Unterstützung für Zemmour stellt ein wichtiges Moment im Wahlkampf des politischen Quereinsteigers dar: Die mittlerweile regelmäßigen „Überläufe“ von RN- und LR-Politikern in Zemmours Partei „Reconquête!“ (Rückeroberung) werden fortlaufend mediatisiert.

Marion Maréchal spricht ihre Unterstützung in einem kritischen Moment des Wahlkampfs aus: Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind Macrons Werte in allen Umfragen zur Wahl gestiegen. Eric Zemmour musste letzthin leichte Einbußen hinnehmen. Die Kandidatin der „Républicains“, Valérie Pécresse, befindet sich nach einer missglückten Wahlkampfveranstaltung Mitte Februar in Paris hinter Macron, Le Pen und Zemmour auf Platz 4 der Wahlumfragen.

Vergangenen Freitag hatte der amtierende Präsident Macron seine Kandidatur für ein weiteres Mandat bekanntgegeben - zum letztmöglichen Zeitpunkt. In einem Brief an die Bürger Frankreichs schrieb er mit einem Seitenhieb auf seine Konkurrenten, den aktuellen Herausforderungen könne nicht mit Rückzug und Nostalgie begegnet werden. Erfolg werde einem klaren Blick auf die Gegenwart und dem Willen, die Zukunft zu bauen, beschieden sein: „Es geht darum, das Frankreich unserer Kinder aufzubauen, und nicht darum, das Frankreich unserer Kindheit wiederzukäuen.“

Zemmour am besten positioniert, um Macron zu besiegen

In einem Interview mit dem Wochenmagazin „Valeurs actuelles“ erklärte Marion Maréchal indes ihre Entscheidung, Eric Zemmour zur Seite zu stehen. „Ich schließe mich dem Kandidaten an, von dem ich heute glaube, dass er am besten geeignet ist, die Ideen, die ich immer verteidigt habe, zum Sieg zu führen.“ Die strategischen und ideologischen Entscheidungen des „Rassemblement National“ hätten seit 2017 ein politisches Vakuum hinterlassen, das gefüllt werden müsse. Viele RN-Wähler seien seit 2017 entmutigt, während Wähler der „Républicains“ zu Macron abgewandert seien. Maréchal sieht in Zemmour den Kandidaten, der den wahltaktischen „Klassenkampf“ zwischen dem RN und Macrons Partei „La République en Marche“ aufbrechen könnte.

Bei Eric Zemmour finde sie viele Positionen wieder, die sie selbst innerhalb des „Rassemblement National“ vertreten habe, ohne gehört zu werden, so die 32-Jährige. Dies gelte vor allem für wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen. Maréchal wollte sich nicht zur Beziehung zu ihrer Tante Marine Le Pen äußern, äußerte sich aber dennoch kritisch: „Als ich noch in ihrer Partei war, hat Marine Le Pen nicht gezögert, ihre Linie und ihre Strategie gegen die Ideen, die ich vertrat, durchzusetzen, manchmal sogar auf sehr harte Art und Weise, trotz unserer familiären Beziehung.“ 

Maréchal: Müssen Macrons "katastrophale Amtszeit" beenden

Teile des „Rassemblement National“ werfen ihrer ehemaligen Parteigenossin vor, die Partei zu verraten und zu Zemmours Strategie zu ihrer Zerstörung beizutragen. Für Maréchal hingegen ist klar: „Es ist wichtig, dass wir nicht den falschen Gegner wählen. Es geht darum, Emmanuel Macron zu besiegen, seine katastrophale Amtszeit zu beenden und der Politik der Dekonstruktion, die er verkörpert, ein Ende zu setzen.“

Zemmours Partei "Reconquête!" wird Marion Maréchal nach eigenen Angaben vorerst nicht beitreten, um ihre „Freiheit in Wort und Tat“ zu behalten. Sie wolle aber ihre Erfahrungen aus vergangenen Wahlkämpfen auf nationaler und lokaler Ebene einbringen und sich als weitere Stimme in die öffentliche Debatte einbringen.  DT/fha

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