Ist jetzt die Hierarchie bei der CDU wieder in Ordnung? Beim Beliebtheitsranking von INSA liegt nun wieder Jens Spahn auf dem letzten Platz. Vor sieben Tagen hatte noch der Bundeskanzler selbst diese negative Spitze besetzt. Mittlerweile ist der aber eine Stelle nach oben gerutscht. Und Spahn nimmt wieder seine Stammposition ein.
Jens Spahn ist kein Politiker, dem die Herzen zufliegen. Zu sehr ist sein politischer Lebensweg mit einem klaren Machtwillen verbunden. Seit einem Vierteljahrhundert spielt der 45-Jährige auf der großen politischen Bühne. Viele lesen aus seinem Verhalten jeher vor allem einen großen Wunsch heraus: Er will Kanzler werden. Noch vor Jahresfrist standen die Chancen schlecht, dass dieser Traum jemals wahr werden könnte. Als Vorsitzender der Bundestagsfraktion hatte Spahn zwar einen zentralen Posten im Machtgefüge der Union, doch er lieferte nicht. Der Kanzler wurde erst im dritten Wahlgang gewählt, dann das Brosius-Gersdorf-Desaster. Damals haben manche nicht mehr viel auf seine Zukunft gewettet.
Spahn zählt wieder zum Führungsnachwuchs
An diesem Dienstag wurde er aber ziemlich geräuschlos turnusmäßig von den Abgeordneten im Amt bestätigt. Nicht mehr mit über 91 Prozent wie beim letzten Mal, aber auch nur mit rund fünf Prozent weniger. Jetzt, wo der Kanzler strauchelt, zählt Spahn wieder zum Führungsnachwuchs. Das heißt nicht, dass er geliebt wird. Zuneigung findet schon eher sein westfälischer Landsmann Hendrik Wüst, der sich als Ministerpräsident auch bessere Chancen ausrechnen kann, einmal ins Kanzleramt zu wechseln.
Sein Machtwille macht Spahn den Menschen vielleicht nicht sympathisch, in der Union aber, dieser Machtmaschine, verschafft er ihm Respekt. Und er hat gerade die Jungen in der Partei geprägt. In dem Streit mit der Jungen Gruppe musste er zwar den Zuchtmeister geben, aber von ihrer inhaltlichen Agenda her sind das seine kleinen Brüder. Die Junge Union war nicht immer klar konservativ und wirtschaftsliberal. Das wurde erst unter Philipp Mißfelder als Vorsitzendem so. Einer, der damals Impulse für die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Jungen Union gab, war Jens Spahn. Kurz: Da Friedrich Merz ordnungspolitische Wünsche nicht erfüllt, könnte Spahn die Lücke füllen. Machiavellistische Fähigkeiten werden zudem gebraucht, wenn die Koalition scheitern und neue Mehrheiten organisiert werden müssten.
Spahn ist mit einem Mann verheiratet, betont aber, dass er sich als schwul nicht als „queer“ verstehe. So will er Distanz zum Regenbogen-Aktivismus halten. Er betont auch seine katholischen Wurzeln, sieht sich selbst eher als Kulturchristen. Ein Hindernis für das Kanzleramt ist das nicht mehr.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.









