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„Inakzeptabel und gotteslästerlich“

Entsetzen in Kirche und Politik über russischen Angriff auf das traditionsreiche Kiewer Höhlenkloster.
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Foto: Peter Seyfferth (imago stock&people) | Weltkulturerbe: Das Kiewer Höhlenkloster 2018 vom Fluss Dnepr aus gesehen.

Eine russische Drohnenattacke von Montagmorgen auf das Kiewer Höhlenkloster hat weltweites Entsetzen ausgelöst. Bei einer Angriffswelle auf Kiew mit 611 Drohnen und 70 Raketen wurde die orthodoxe Kathedrale der „Entschlafung Mariens“ aus dem 11. Jahrhundert schwer beschädigt und teilweise in Brand gesetzt. Nach ukrainischen Geheimdienstangaben wurden auf dem Klostergelände Reste einer russischen Geran-Drohne gefunden, einem Nachbau der iranischen Shahed-Drohne. Die Klosteranlage im Herzen Kiews gehört seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Als „Angriff auf unsere Geschichte“ bezeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj den Anschlag, als er das Höhlenkloster am Montagvormittag besichtigte, bevor er zum G7-Gipfel weiterreiste. Das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Metropolit Epifanij, nannte den Anschlag auf das Höhlenkloster am Montag „ein weiteres russisches Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen die Geschichte, gegen das Christentum“. Und weiter: „Was muss der Kreml-Antichrist noch tun, damit die Welt erkennt, dass ein entschlossenes Handeln notwendig ist, um dem russischen Terror gegen die Ukraine und die Grundprinzipien des Friedens ein Ende zu setzen?“ Der „Allukrainische Rat der Kirchen und Religionsgemeinschaften“ wies am Montag in Kiew darauf hin, dass seit Beginn des Krieges rund 800 religiöse Gebäude von Christen, Muslimen und Juden in der Ukraine durch russische Angriffe ganz oder teilweise zerstört oder beschädigt wurden.

Wie Bomben auf Notre-Dame

Als Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie sagte der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios: „Kein vernünftiger Mensch und kein vernünftiges Argument kann diesen barbarischen und zerstörerischen Angriff auf eine so heilige Pilgerstätte wie die berühmte Kiewer Lawra rechtfertigen, die auf eine lange Geschichte und Tradition zurückblickt.“ Bartholomaios sprach von einem „inakzeptablen und gotteslästerlichen Raketenangriff der Russischen Föderation“.

Auch die UNESCO verurteilte den Angriff als schweren Schlag gegen eines der wichtigsten spirituellen und kulturellen Wahrzeichen der Ukraine. Der französische Außenminister Jean-Noel Barrot sagte, Russland habe „einmal mehr die ganze Brutalität seines Vorgehens demonstriert“. Und weiter: „Für uns Franzosen wäre dies gleichbedeutend mit einem Bombenangriff auf Notre-Dame oder die Basilika Saint-Denis.“

Kulturelle und nationale Auslöschung

Der Ostkirchenexperte und Dekan der Salzburger Katholisch-Theologischen Fakultät, Dietmar Winkler, erinnerte daran, dass die Lawra von Kiew nicht bloß ein zentrales Symbol der ukrainischen Identität ist, sondern ein Ort, „der für viele Gläubige in Russland Teil ihres eigenen religiösen und historischen Erbes ist“. Über viele Jahrhunderte sei die Klosteranlage „ein bedeutendes geistliches Zentrum für die Christianisierung und religiöse Entwicklung der Kiewer Rus“ gewesen, und damit prägend für die kulturelle Tradition der Ukraine, Russlands wie auch von Belarus.

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis, das die Ukraine seit Jahrzehnten unterstützt, Thomas Schwartz, sagte: „Mittlerweile wurden im Zuge dieses brutalen Angriffskrieges Hunderte von Kirchen zerstört oder schwer beschädigt. Dass nun auch das weltberühmte Höhlenkloster angegriffen und schwer verwüstet wurde, markiert eine neue, erschreckende Stufe der Eskalation.“ Damit werde „klar, dass es der russischen Führung um mehr als imperialistischen Landgewinn geht. Was wir hier erleben, folgt einem weitaus perfideren Grundmuster: Es ist der gezielte Versuch, die Absicht, einer kulturellen und nationalen Auslöschung.“ Nach Einschätzung von Schwartz zielen die Angriffe darauf ab, die historische und religiöse Identität des Landes zu vernichten: „Die Ukraine, ihr reiches Erbe, ihre eigenständige Identität und alles, was dieses leidgeprüfte Volk, seine Geschichte und seine Zukunft ausmacht, sollen ausradiert werden.“ (DT/sba)

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