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Kein Job unter vielen

Der Pastoraltheologe Richard Hartmann fordert angesichts des Priestermangels ein neues Verständnis kirchlicher Ämter. Damit reduziert er das Weihepriestertum auf seine Funktionen – und verfehlt so sein Wesen.
Pastoraltheologe Richard Hartmann fordert neues Verständnis kirchlicher Ämter
Foto: IMAGO / GODONG | Der Pastoraltheologe Richard Hartmann entwickelt aus dem Priestermangel eine neue Ekklesiologie. Was bleibt, sind Sendung, Gemeinschaft und Funktion, doch die Sakramentalität des Amtes verblasst.

Der emeritierte Fuldaer Pastoraltheologe Richard Hartmann hat auf „katholisch.de“ ein Interview zu seinem neuen Buch „Die Kirche und ihre Ämter neu denken. Ein Zwischenruf“ gegeben. Angesichts des Priestermangels müsse darüber nachdenken, ob die Leitung der Eucharistie wirklich an die gegenwärtige Struktur des Priesteramts gebunden sein müsse, meint er.

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Letztlich entwickelt der Pastoraltheologe aus dem Priestermangel eine neue Ekklesiologie. Was bleibt, sind Sendung, Gemeinschaft und Funktion, doch die Sakramentalität des Amtes als Teil der von Christus gestifteten Verfassung der Kirche verblasst.

Der Priester ist für die sakramentale Gestalt der katholischen Kirche unverzichtbar

Für Hartmann ergeben sich Verantwortlichkeiten in der Kirche aus ihrem Auftrag, das Evangelium zu verkünden. „Die entscheidende Frage sollte nicht mehr sein, wer aufgrund einer Vollmacht entscheidet, sondern welche Menschen Glauben glaubwürdig vermitteln“, sagt er. 

Damit verwischt der Theologe die Grenze zwischen allgemeinem und besonderem Priestertum und verkennt in seiner rein funktionalen Argumentation, dass die katholische Lehre das Weiheamt nicht als bloße Organisationsform begreift, sondern als göttliche Stiftung.

Der Priester ist für die sakramentale Gestalt der katholischen Kirche unverzichtbar. Er handelt in persona Christi; das Priestertum ist kein Job unter vielen. Die sakramentale Struktur der Kirche ist weder Basisdemokratie noch ein Terrain zum kreativen Austoben. In der Gemeinde braucht es den Priester als Hüter der Einheit mit der Weltkirche und als Garanten dafür, dass die Sakramente so gefeiert werden, wie Christus und die Kirche es vorgeben.

Reformen müssen zu Christus zurückführen

Hartmann wünscht dagegen „zunächst eine neue Diskussion darüber, was ein Sakrament ist und wie sich ein Sakrament entwickelt“. Sakramente als Verhandlungsmasse? Die Kirche war immer eingeladen, das Verständnis der Sakramente zu vertiefen, nie aber befugt, ihr Wesen neu zu definieren. Die von Christus eingesetzten Heilszeichen stehen nicht zur Disposition; ihr Wesenskern bleibt verbindlich.

Die katholische Lehre unterscheidet zwischen Charismen, Beauftragungen und dem sakramentalen Amt. Hartmann schmeißt alles in einen Topf. Wenn Ordensfrauen und Laien Verantwortung übernehmen, bedeutet das nicht, dass daraus automatisch ein sakramentales Weiheamt erwächst.

Natürlich hat sich die Kirche immer reformiert – ecclesia semper reformanda. Aber Reformen müssen zu Christus zurückführen. Papst Franziskus hat zur Eröffnung der Weltsynode betont, es komme vor allem auf ein „Mehr“ an: mehr Gebet, mehr Hören auf den Geist Gottes – und dann Unterscheidung und Selbstprüfung, ob man wirklich den Weg geht, den Jesus für seine Kirche gewollt hat. Erneuerung bedeutet, die Kirche aus ihrer Quelle heraus zum Blühen zu bringen – und nicht aus pastoraler Not die Kirche neu zu erfinden. 

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