Moskau

Gerhard Schröder zu Gesprächen mit Putin in Moskau

Bei den „Friedensgesprächen“ mit dem russischen Diktator geht es auch um Schröders eigenes Vermächtnis.
Altkanzler Schröder zur Vermittlung bei Putin
Foto: Christoph Soeder (dpa) | Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur fand ein erstes Gespräch zwischen Schröder und Putin bereits am Donnerstag statt.

Der frühere Bundeskanzler und SPD-Politiker Gerhard Schröder will Russlands Diktator Wladimir Putin um Frieden im Konflikt mit der Ukraine bitten. Demnach habe die ukrainische Regierung Schröder um die Vermittlung gebeten, wie das US-Nachrichtenportal „Politico“ berichtete. Zuletzt hatte Schröders Ehefrau, So-yeon Schröder-Kim, auf Instagram angedeutet, dass der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, Gerhard Schröder um eine Vermittlung gebeten habe.

Auf eigene Verantwortung 

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur fand ein erstes Gespräch zwischen Schröder und Putin am Donnerstag statt. Worum es explizit in diesem ersten Gespräch ging und ob weitere geplant sind, blieb zunächst unklar. Zudem hat die Bundesregierung mittlerweile bestätigt, dass Schröders Vorstoß nicht mit ihr abgestimmt ist. Demnach gab es „keinen Auftrag und keine Abstimmung“ mit dem Kanzleramt. 

Lesen Sie auch:

Bundeskanzler Olaf Scholz wollte sich zum Besuch Schröders in Moskau nicht äußern. „Ich möchte das nicht kommentieren“, antwortete der SPD-Politiker am Donnerstag am Rande eines EU-Gipfels im französischen Versailles auf eine entsprechende Frage. In seiner Partei, die Schröder in den vergangenen Wochen zum Teil massiv wegen dessen Engagement in Russland kritisiert hatte, wird die Reise vorsichtig begrüßt. SPD-Chef Lars Klingbeil sagte in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“: „Alles, was gerade hilft, um diesen furchtbaren Krieg zu beenden, ist ja willkommen.“ Ob es etwas nütze, werde man sehen. Auf jeden Fall aber sei gerade jede Gesprächssituation „erstmal was Vernünftiges“.

Die Stunde der Wahrheit für den Altkanzler

Inwiefern Schröders Wort gegenüber seinem angeblichen Freund Putin, den der Altkanzler bekanntermaßen einmal als „lupenreinen Demokraten“ bezeichnet hat, überhaupt irgendein Gewicht hat, wird sich in diesen Tagen herausstellen. Bei einem negativen Ergebnis dieser Gespräche dürfte einerseits Schröders Schicksal als Leiter des Verwaltungsrats der gegenwärtig gescheiterten russisch-deutschen Gas-Pipeline Nord Stream 2 sowie sein gut dotiertes Angestelltenverhältnis bei den russischen Staatskonzernen Gazprom und Rosneft endgültig besiegelt sein – eine Distanzierung und eindeutige Abkehr von Russlands Diktator wäre dann unausweichlich, um innerhalb Deutschlands nicht endgültig zur Persona non grata zu werden. 

Und zum anderen müsste Gerhard Schröder sich und seinen Landsleuten vollumfänglich eingestehen, dass er als „Putins nützlicher Idiot“ sowohl für das eigene Land als auch persönlich für sich selbst mit Putin auf das falsche (energie-)politische und persönliche Pferd gesetzt hat – mit Folgen, die Deutschland sowie Europa noch lange ausbaden werden müssen.  DT/sta

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Politiker können ein Problem sein. Emeritierte Würdenträger auch. Warum haben wir als Deutsche derzeit kein Glück mit den grauen Eminenzen?
23.06.2022, 14  Uhr
Birgit Kelle
Deutschland traut sich nicht, klare Ziele zu formulieren und Werte, die dorthin führen. Das sorgt für Orientierungslosigkeit außenpolitisch, aber auch im Land selbst.
30.06.2022, 15  Uhr
Veronika Wetzel
„Die Logik von Hitler und Putin ist vergleichbar“, meint der Europaabgeordnete Michael Gahler im Gespräch. Und er mahnt: Der Kremlchef darf den Krieg nicht gewinnen.
30.05.2022, 07  Uhr
Stephan Baier
Themen & Autoren
Meldung Friedensverhandlungen Gerhard Schröder Russlands Krieg gegen die Ukraine Lars Klingbeil Olaf Scholz Ukrainische Regierungen Wladimir Wladimirowitsch Putin

Kirche

Auch für die Ukraine kann man das Undenkbare denken. Die Liturgie und der Papst, der Umbau der Gesellschaft und eine Philosophie des Weines finden sich in der neuen Ausgabe der Tagespost.
06.07.2022, 17 Uhr
Redaktion
Eine Franziskanerinnenkongregation aus Kamerun ist bereit, ins Berliner Kloster St. Gabriel einzuziehen. Dadurch würde die Umwidmung der Anlage für säkulare Zwecke verhindert.
06.07.2022, 14 Uhr
Vorabmeldung
Der heilige Anselm von Canterbury (1033–1109 wollte die Vernünftigkeit des Glaubens der Kirche erweisen. 
06.07.2022, 07 Uhr
Marius Menke
Der vom Synodalem Weg geplante Synodale Rat stößt auf dezidierte Kritik. Laut Kardinal Kasper zerstört ein solches Gremium die Struktur, „die Christus für seine Kirche gewollt hat“.  
05.07.2022, 10 Uhr
Dorothea Schmidt