Gewinne im Osten und Süden der Ukraine

Die Waffenlieferungen zeigen Wirkung

Putins Invasions-Armee ist nicht unbesiegbar, das zeigt sich in diesen Tagen im Osten und Süden der Ukraine. Mehr westliche Waffen bedeuten jetzt ein schnelleres Ende des Krieges. Ein Kommentar.
Ukrainischer Soldat unterwegs auf dem Vormarsch im Oblast Charkiw
Foto: IMAGO/Vudi Xhymshiti (www.imago-images.de) | Ukrainische Soldaten unterwegs zur Unterstützung des Vormarsches im Oblast Charkiw am 10. September Foto: Vudi Xhymshiti/Imago Images

Im Osten wie im Süden der Ukraine bricht die russische Front ein und die ukrainische Armee ist auf dem Vormarsch. Widerlegt ist damit endgültig der Mythos von der unbesiegbaren russischen Armee. Putins Truppen scheiterten nicht nur im Frühjahr in der Zentralukraine, wo es ihnen nicht gelang, die Hauptstadt Kiew einzunehmen, sondern zunehmend auch im Osten wie im Süden: Die Offensive der Invasoren verkam rasch zu einem Stellungs- und Abnützungskrieg, und jetzt sind die Russen auf dem Rückzug.

Unterstützung wirkt

Widerlegt ist aber auch die humanistisch klingende These, die ukrainische Führung solle ihren Widerstand aufgeben und kapitulieren, um Menschenleben zu schonen und der eigenen Bevölkerung Leid zu ersparen. Wahr ist das Gegenteil: Die Entschlossenheit der ukrainischen Führung und der heroische Widerstand der ukrainischen Bevölkerung haben eine schnelle Okkupation des Landes verhindert. Dadurch erst wurde der Westen in die Solidarität mit dem Opfer der Invasion gezwungen. Der Widerstand der Ukraine hat jenes Zeitfenster geöffnet, das nötig war, um das Land mit Waffen zu versorgen.

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Widerlegt sind drittens die Forderungen nach einer Kompromisslösung, also nach Verhandlungen auf der Basis weitreichender ukrainischer Konzessionen an Putin. Die Befreiung der Ukraine besteht nicht in ihrer Amputation: Nicht die Aufgabe des Donbas oder des ukrainischen Südens, sondern ihre Befreiung bringt der Ukraine – und damit Europa – den Frieden. Die westlichen Waffenlieferungen haben sich gelohnt: Sie dienen der Verteidigung des freien Teils und der Rückeroberung des besetzten Teils der Ukraine. Wer einen baldigen Frieden will, muss Kiew jetzt bei der raschen Befreiung des ukrainischen Staatsgebietes massiv unterstützen. Dass diese noch vor dem Wintereinbruch gelingt, ist im Interesse ganz Europas.

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Stephan Baier Russlands Krieg gegen die Ukraine Wladimir Wladimirowitsch Putin

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