Alle guten Dinge sind drei. Und es waren auch drei von der Tankstelle, die vom „guten Freund“ ein Lied schmetterten, da dieser doch das Beste sei, was es gibt auf der Welt. Nun gibt es auch die Drei von Münster: Der neue Vorsitzende der Unionsfraktion, Thorsten Frei, der Chef der CSU-Landesgruppe Alexander Hoffmann und SPD-Fraktionschef Michael Miersch setzten sich in der Stadt des Westfälischen Friedens als die parlamentarischen Säulen in Szene, auf denen die Berliner Bundesregierung ruht.
Um die Regierung steht es, wie alle wissen, nicht gerade gut. Ihr Chef, der Kanzler, fährt Minusrekorde im Beliebtheitsranking ein. Gleichzeitig sitzt er trotz allem fest im Sattel, niemand ist in Aussicht, der angesichts der schwierigen Lage wirklich Lust hätte, auf den Chefsessel im Kabinett zu wechseln. In den Regierungsfraktionen hat deswegen auch niemand wirklich Interesse daran, die Koalition zu Fall zu bringen. Auch wenn bei Unionsstrategen die Idee einer CDU-Minderheitsregierung, ergänzt um ein paar parteilose Fachleute in den Ministerien, sich zunehmender Beliebtheit erfreuen sollte, am Ende ist dann wohl doch die Angst zu groß, dass das, was sich theoretisch so schön anhört, sich praktisch doch zur Herkulesaufgabe auswachsen könnte.
Die drei sind die Gralshüter der Stabilität der Regierung
Von Fall zu Fall müssten Mehrheiten im Parlament ausgehandelt werden. Und wenn das dann nicht klappt, gibt es am Ende nur eine Lösung: Neuwahlen. Und um zu ahnen, wer die dann gewinnen könnte, reicht der Blick nach Sachsen-Anhalt. Wäre dann die von Markus Söder beschworene „letzte Patrone der Demokratie“ tatsächlich leichtfertig verschossen worden? Trotz allem Unmut will deswegen keiner wirklich den Status quo ins Wanken bringen. Trotzdem ist es in solchen krisenhaften Situationen schwierig, dafür zu sorgen, dass die immer nervöser werdenden Abgeordneten die Füße stillhalten.

Und damit sind wir wieder bei den Dreien von Münster: Den Vorsitzenden der Regierungsfraktionen kommt so automatisch eine bedeutende Rolle zu. Sie sind der Machtfaktor. Sie sind die Gralshüter der Stabilität der Regierung. Deswegen betonen Frei, Hoffmann und Miersch so sehr ihr Vertrauen zueinander. Solche Dreierkonstellationen sind aber immer so eine Sache. Denken wir an Schillers „Bürgschaft“, wie sagt doch da der Tyrann voller Rührung über die Freundschaft seiner beiden Feinde, die auch angesichts des Todes zusammenhalten: „Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte.“ Heißt: Aus bestehenden Dreierbündnissen können sich leicht zwei abseilen und nach einem neuen Dritten suchen. Das könnte die Machtoption von „Tyrann“ Merz sein. Mal zusammen mit CDU und CSU gegen die SPD, aber noch viel wirksamer zum Beispiel: mit CDU und SPD gegen die CSU oder auch mit der CSU und der SPD gegen die CDU.
Ob Merz diese Chance sieht? Aber vielleicht halten die Fraktionschefs auch zusammen wie die „Drei Musketiere“ und Kardinal Friedrich Richelieu stößt auf eine Mauer. Es wird ein spannender Herbst.
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