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Von Meloni lernen heißt siegen lernen

Bald wird sie die am längsten ununterbrochen regierende Regierungschefin Italiens sein: Das politische Rezeptbuch der italienischen Regierungschefin lädt zum Nachkochen ein.
Feuilletonredakteur Henry C. Brinker, Giorgia Meloni
Foto: DT / IMAGO / NurPhoto | Durchsetzungsstark: die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

Am 4. September ist es so weit: Dann wird die 49-jährige Ministerpräsidentin Giorgia Meloni diejenige sein, die mit ihrer ununterbrochenen Amtszeit als italienische Regierungschefin alle Vorgänger überholt hat. Niemand hätte sich wohl getraut, diese Entwicklung 2022 vorauszusagen. Allerdings war es Silvio Berlusconi, der es als Einziger fertiggebracht hat, in der Summe neun Jahre lang eine italienische Regierung zu führen. Um ihn zu überholen, hat die Politikerin noch eine weite Wegstrecke vor sich.

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Melonis familiäre Wurzeln sind gemischt und verweisen auf mögliche Gründe ihrer zweifelsfrei vorhandenen Resilienz und eines am Leben geschulten Behauptungswillens: Ihre Mutter Anna Paratore, die später Liebesromane schrieb, stammt aus Rom, während ihr sardischer Vater die Familie früh verließ und später auf die Kanarischen Inseln zog. Aufgewachsen in der bescheidenen, römischen Gartenvorstadt Garbatella, wurde sie dort mit gerade einmal 15 Jahren politisch aktiv – ausgerechnet bei der rechtsextremen Jugendorganisation Fronte della Gioventù, wohl aus jugendlicher Rebellion gegen den linken Mainstream ihrer Umgebung.

Das italienische Fass ist übergelaufen

Dieses rechtsextreme Hypothekenpäckchen aus der Jugend hat ihr imagemäßig lange zu schaffen gemacht – und entwickelte sich doch zu ihrem wichtigsten, politischen Kapital. Denn Meloni erkannte: Was da von linker Seite als gefährlich rechts eingestuft wird, ist oft ein Aufbegehren aus Hilflosigkeit. Wenn traditioneller Familiensinn und Heimatliebe, gute Küche und eine große Geschichte mit überragender kultureller Vielfalt in den Hintergrund treten zugunsten zeitgeistiger Prioritäten einer linken Agenda, dann läuft das Fass irgendwann über. Und die Empörung bricht sich Bahn nach rechts, ohne dass dahinter immer faschistisches oder nationalistisches Gedankengut stände.

In der Fachzeitschrift Italian Political Science Review ist vor Kurzem eine Untersuchung zu den Ursachen von Melonis Ministerpräsidentinnen-Marathon mit 1413 Tagen im Amt erschienen. Danach half es ihr, trotz einer nur knappen Mehrheit im Parlament eine enorme Koalitionsdisziplin aufzubauen. Außerdem hatte sie ihre Koalition schon vor der Wahl als Wählerangebot zusammengestellt, statt sich erst danach in mühsame Verhandlungen zu begeben. Schließlich sind sich die italienischen Koalitionäre politisch ziemlich ähnlich, mit den dominierenden Fratelli d'Italia als primus inter pares. Die Studie warnt jedoch, dass alles plötzlich anders aussehen könnte, wenn die derzeit gut laufende Wirtschaft kippt. Meloni stände dann sofort im Feuer – jemanden ihres Schlages gibt es weit und breit nicht.

Lehren für die Zukunft der Union

Für Deutschland hieße das, dass die Union gut beraten wäre, vor Wahlen mögliche künftige Partner zu sondieren und Bündnisse klar zu benennen. Gar nicht so einfach, wenn überall Brandmauern den Weg versperren. Oder die Christdemokraten dokumentieren zumindest mit der Ankündigung einer Minderheitsregierung entschiedenen Handlungswillen.

Viel besser jedoch: Anstatt sich den politischen Entwicklungen und Wählerbewegungen an den linken und rechten Rändern mit Haut und Haar in ohnmächtiger Duldungsstarre auszuliefern, sollten die Unionsparteien eine künftige Dominanz aus sich heraus gestalten. Im Klartext: An einer CSU im Bund führt eigentlich kein Weg vorbei. Politisches Handeln braucht eine Koalition der grundlegenden Gemeinsamkeiten. 

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