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Ein Massenmörder findet seinen Richter

Ratko Mladić, der serbische Schlächter von Bosnien, starb im UN-Gefängnis in Den Haag. Jetzt steht er vor seinem und unser aller Richter.
Außenpolitikkorrespondent Stephan Baier, Ratko-Mladic-Graffito
Foto: DT / IMAGO / Anadolu Agency | Er ist nun tot, seine Ideologie lebt immer noch fort: Ratko Mladic auf einem Wandgemälde in Belgrad.

Ratko Mladić ist tot. Unter den Serben hat er bis heute Bewunderer und Sympathisanten, darunter Serbiens Justizminister, der ihn mit höchsten staatlichen Ehren beisetzen lassen will. Dem Rest der Welt bleibt er als einer der grausamsten Massenmörder der 1990er-Jahre in Erinnerung, als rücksichtsloser Schlächter, der im Namen der bis heute nicht ganz überwundenen großserbischen Ideologie wehrlose Zivilisten zu Hunderttausenden terrorisieren und zu Zehntausenden ermorden ließ.

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Inspiriert vom serbischen Diktator Slobodan Milošević, der ebenfalls in Haager UN-Haft starb, und in enger Partnerschaft mit dem serbischen Psychiater Radovan Karadžić, der sich zum Präsidenten der bosnischen „Republika Srpska“ erklärte, beging Mladić zahlreiche Kriegsverbrechen. Zum Augenöffner wurde sein Vorgehen in der UN-Schutzzone Srebrenica, wo er 1995 die Blauhelme zum Abzug erpresste und anschließend mehr als 8.000 unbewaffnete Zivilisten hemmungslos niedermetzeln ließ.

Ein Völkermörder und Kriegsverbrecher

Der Name von Ratko Mladić ist für die zivilisierte Welt verbunden mit der Erkenntnis, dass es nicht genügt, friedfertig und dialogbereit zu sein, dass Pazifismus vielmehr wehrhaft sein muss, weil ein Wolf stärker ist als tausend Schafe. Mladićs Gräueltaten, die später als Völkermord gewertet wurden, rissen viele im Westen, die den serbischen Massakern in Kroatien und Bosnien lange tatenlos zugesehen hatten, aus ihren todbringenden Tagträumen. Für die Jugo-Illusionen westlicher Politiker jedoch zahlten Hunderttausende in Südosteuropa einen unerträglich hohen Preis.

Wie dicht das Netz der Sympathisanten des serbischen Massenmörders war (und wohl noch ist), bewies allein die Tatsache, dass er sich 16 Jahre lang verstecken konnte, bevor er 2011 in Serbien festgenommen und nach Den Haag überstellt wurde. 2017 verurteilte ihn der „Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien“, dessen Legitimität Mladić nie anerkannte, zu lebenslanger Haft: wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nun steht Ratko Mladić vor seinem – und unserem – letzten Richter. Vor dem Richterstuhl dessen, der die Herzen aller Menschen kennt, und vor dem keine Lüge Bestand hat.

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Stephan Baier Kriegsverbrecher Republika Srpska

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