Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Wahl im Libanon

Christliche „Forces Libanaises“ wohl große Gewinner

Die schiitische Hisbollah könnte ihre Mehrheit im Libanon verlieren. Dass eine friedliche Wahl durchgeführt werden konnte, gilt schon als Erfolg. Die Beteiligung bleibt gering.
Parlamentswahl im Libanon
Foto: Marwan Naamani (dpa) | Eine libanesische Frau, die der ethnischen Gruppe der Drusen angehört, gibt ihren Wahlzettel in einem Wahllokal während der libanesischen Parlamentswahlen 2022 ab.

Auch am Tag nach der Wahl im Libanon lässt ein endgültiges Endergebnis noch auf sich warten. Fest steht aber bereits, dass die rechtslastigen christlichen „Forces Libanaises“ wohl die großen Gewinner sein werden. Die schiitische Hisbollah könnte dagegen ihre Mehrheit verlieren. Damit hätte die Opposition einen großen Durchbruch erzielt. Nicht zuletzt auch, weil die Kandidaten der Thawra (Revolution)-Bewegung bis zu zwölf Sitze gewinnen konnten.

Zur Wahl aufgerufen waren 3,9 Millionen Libanesen, wahlberechtigt aber nur registrierte Wahlberechtigte. Um die 128 Parlamentssitze warben 718 Kandidaten auf 103 Listen. Im konfessionell organisierten Libanon hatten die Wähler tatsächlich aber weniger Auswahl. 

Aufteilung der Sitze auf konfessionelle Gruppen

Wichtig dabei: Die Aufteilung der Sitze auf die konfessionellen Gruppen hat nichts mit der demographischen Realität zu tun. Längst sind die Schiiten die größte Bevölkerungsgruppe, gefolgt von Sunniten und Christen. Letztere, einst mehr als die Hälfte der Bevölkerung, dürften heute noch ein Viertel der Bevölkerung stellen. So dürften sie kaum mehr als 32 Parlamentssitze stellen, verfügen aber weiterhin über 73 Sitze.

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Den Maroniten stehen 34 Sitze zu, je 27 Schiiten und Sunniten, weitere 39 weiteren christlichen Gruppen, ein Sitz sonstigen Minderheiten (unter anderem den Alawiten). In den Wahlbezirken werden Sitze für die dort präsenten konfessionellen Gruppen vergeben: In Ost-Beirut (Wahlbezirk Beirut I) – üblicherweise als ‚christlich‘ beschrieben, gilt es zum Beispiel, acht Sitze zu besetzen, drei für die armenisch-orthodoxen Christen und je einen für armenisch-katholischen, maronitischen, griechisch-orthodoxen und griechisch-katholischen Christen sowie einen für sonstige Minderheiten. In West-Beirut (Wahlbezirk Beirut II) – üblicherweise als ‚muslimisch‘ beschrieben, gilt es elf Sitze zu besetzen, sechs von den Sunniten, zwei von den Schiiten und je einen von den Drusen, griechisch-orthodoxen bzw. evangelischen Christen.

Sunnitisch dominierte Wahlbezirke finden sich im Raum Tripolis im Norden und im Süden um Tyros und Sidon, schiitisch dominierte Wahlbezirke im Süden und in der Bekaa-Ebene, christlich dominierte Wahlbezirke im nördlichen und östlichen Hinterland von Beirut. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,04 Prozent (2018: 48,68 Prozent), in einzelnen Wahlkreisen auch höher (45 Prozent bis 55 Prozent). 

Mit Geldgeschenken oder Druck zur Stimmabgabe bewegt

Viele wurden mit Geldgeschenken oder Druck zur Stimmabgabe bewegt. Dabei gab es viele Gründe, nicht an der Wahl teilzunehmen: Zunächst praktische – Registrierung für die Wahlteilnahme und Wahl müssen am traditionellen Familiensitz erfolgen, selbst wenn die Familie schon seit Generationen andernorts lebt. Viele Wahlberechtige wollten zudem nicht noch einmal Kandidaten der Familienclans wählen, die seit langem die Politik des Landes zu ihrem eigenen Nutzen bestimmen. 

Die letzte Parlamentswahl im Libanon hatte 2018 mit mehrjähriger Verspätung stattgefunden. Dass 2022, nur vier Jahre später, nun wieder eine Parlamentswahl abgehalten werden konnte, zudem weitgehend friedlich, ist auch ein wichtiges Ergebnis dieser Wahl. Ganz ohne Unterstützung aus dem Ausland war das allerdings nicht möglich: Die EU und die Vereinten Nationen haben die Wahlvorbereitungen aufs Engste begleitet.

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