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Christdemokraten, lernt Geschichte

Wenn die CDU sich nicht auf ihre Wurzeln besinnt, dann könnte die Partei selbst irgendwann nur noch Geschichte sein.
Mario Voigt und Philipp Amthor
Foto: IMAGO / Jacob Schröter | Wer kann so darüber sprechen, dass die CDU von heute daraus programmatische Kraft saugen kann? Mario Voigt und Philipp Amthor scheinen es bislang nicht zu sein.

Eigentlich könnte der CDU-Bundesvorstand an Papst Leo ein Dankschreiben senden. Denn dessen Erinnerung in Metz an Robert Schuman lässt sich auch als Tipp an die deutsche Christdemokratie lesen: Besinnt euch endlich auf eure Wurzeln: Es waren eure Leute, die nur wenige Jahre nach einem grausamen Krieg den Grundstein für ein vereinigtes Europa gelegt haben, die dafür sorgten, dass ehemalige Feinde sich die Hand reichten und dass dieses Westeuropa, das sich zunächst zusammenfand, zu einer der blühendsten Regionen der ganzen Welt werden sollte.

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Aber die CDU, die immer die erfolgreichste aller christdemokratischen Parteien war, scheint in einer echten Altersdepression zu stecken. Die AfD zieht in den Umfragen, aber eben auch schon bei den ersten Wahlen, an ihr vorbei. Der Kanzler – um den sich normalerweise in der Union alles dreht – steht eher für das Problem als die Lösung. Und dann brechen immer wieder in der Partei selbst die Flügelkämpfe aus, Christsoziale schimpfen über Wirtschaftsliberale und Konservative, und umgekehrt gilt das natürlich auch.

Die CDU weiß zu wenig über ihre Wurzeln

Die SPD mag noch so sehr schrumpfen, ein echter Sozialdemokrat weiß immer, warum es seine Partei gibt und auch weiterhin geben soll. Die SPD ist mit Geschichtsbewusstsein geradezu aufgeblasen. Sicher, wenn es manchmal einfach nur darum geht, schnell und pragmatisch zu entscheiden, kann das auch die Beweglichkeit einschränken. Aber der große Vorteil: Wer sich in einer Linie von Generationen durch die ganze jüngere deutsche Geschichte hindurch sieht, der kann daraus Souveränität ziehen, ja auch einen gewissen Stolz, jedenfalls weiß er, warum er Politik macht. Und richtig, die Antwort lautet nicht nur: Wir wollen die nächste Wahl gewinnen. Wir wollen die Welt als Sozialdemokraten besser machen.

So einen Typus gibt es bei der CDU kaum noch. Vor allem Jens Spahn hat mit seinem Leihmutter-Desaster endgültig den guten Ruf ruiniert. Wie kann einer der führenden Christdemokraten in so eklatanter Weise gegen christdemokratische Grundsätze verstoßen und dann noch die Chuzpe besitzen, zu behaupten, irgendwie sei das schon alles mit seinem katholischen Glauben vereinbar? Offenbar, weil er keine Ahnung von diesen Grundsätzen hat.

Die CDU weiß zu wenig über ihre Wurzeln. Ludwig Windthorst und der Kampf für Religionsfreiheit? Die katholische Soziallehre und ihr Einfluss auf die soziale Marktwirtschaft? Der Widerstand von Christdemokraten gegen beide totalitären Regime? Wer kann so darüber sprechen, dass die CDU von heute daraus programmatische Kraft saugen kann?

Bei den Jungen in der Union tut sich etwas

Ohne Zweifel, bei den Jungen in der Union tut sich etwas. Dort wächst die Lust auf mehr Profil, verbunden mit der Neugier auf die eigene politische Identität. Schon haben sich Teile einer solchen jungen Garde formiert: JU-Chef Johannes Winkel, Kohl-Enkel Johannes Volkmann oder Influencerin Clara von Nathusius. Wenn sie nicht im Kleinklein der Tagespolitik untergehen wollen, dann gilt auch für sie: Lernt eure Geschichte.

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