Eine ZDF-Dokumentation über die CDU bewegt die Republik. In den Sozialen Medien kursieren Ausschnitte, die die Partei und ihre Vertreter in ungünstigem Licht erscheinen lassen.
Eine der Passagen der Doku, über die am meisten diskutiert wird, zeigt Philipp Amthor. Der Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit von der CDU lässt sich, während die Kamera läuft, einen Strandkorb aus seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern auf eine Terrasse des Bundeskanzleramts liefern. Die Szene ist mit einem Menuett hinterlegt. Der höfische Tanz aus dem Ancien Régime suggeriert, dass die Zuschauer hier Zeugen einer feudalen Szene würden. Amthor präsentiere sich als „Sonnenkönig“, kommentiert man auf der populistischen Plattform „Nius“, sei „dekadent“ und „abgehoben“.
Auch „Schampus-Max“ Krah mischt kräftig mit
Zu denjenigen, die sich über Amthor und seinen Strandkorb lustig machen, gehört auch der AfD-Politiker Maximilian Krah. Im Nachrichtendienst „X“ kommentiert Krah: „Das wird Amthor nie mehr los. Er ist erkannt!“ Die Reaktion ist exemplarisch für die Scheinheiligkeit der Debatte. Man kann sich ausmalen, was Krah veranstalten würde, wenn er Staatsminister im Kanzleramt wäre. Der AfD-Politiker, den seine Parteikollegen Medien zufolge gerne „Schampus-Max“ nennen, trägt genau wie Amthor gerne zweireihige Anzüge mit Einstecktuch – und am Arm eine Rolex GMT Master 2, für die man wahrscheinlich zehn Strandkörbe made in Usedom im Kanzleramt aufstellen könnte.
In einem Land, in dem es viele für normal halten, ihren Urlaub in Dubai oder auf den Seychellen zu verbringen, wird ein Strandkorb plötzlich zum Symbol von Dekadenz und Abgehobenheit. Dabei ist das Freizeitmöbel eigentlich der Inbegriff kleinbürgerlicher Ferienidylle an der deutschen Nord- und Ostseeküste.
Der Wirbel um die ZDF-Doku zeigt: Wir führen die falschen Debatten. Denn es kommt nicht darauf an, ob die CDU peinlich oder abgehoben ist. Entscheidend ist, ob es ihren Politikern gelingt, endlich die Reformen umzusetzen, die das Land dringend braucht. Ob sie das am Schreibtisch oder vom Strandkorb aus erledigen, ist völlig egal.
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