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Die Revolution sucht ihre Kinder

Die Schülerdemos dienen allerlei Berufsrevolutionären als Kulisse für Revolutionsromantik. Aber die Masse der Schüler bleibt aus.
Gen-Z regelt, Stuttgart
Foto: IMAGO/Eibner-Pressefoto (www.imago-images.de) | Gen-Z-regelt-Demo in Stuttgart. Die Statements der Schülervertreter wirken oft auswendig gelernt.

Der Deutsche, so soll angeblich Lenin einmal gesagt haben, kaufe bevor er den Bahnhof stürme, erst einmal eine Bahnsteigkarte. Dieses gering ausgeprägte revolutionäre Bewusstsein wurmte die radikalen Teile des linken Lagers schon immer. Wie schön wäre es doch, wenn zumindest so ein bisschen Stimmung wie beim Pariser Mai 1968 auch einmal in der biederen Bundesrepublik aufkäme, so der große Traum.

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Diese Grundhaltung prägte aber nicht nur die extremen Exponenten, sie wurde seit den ausgehenden 60er Jahren auch zunehmend zum festen Bestandteil des Selbstverständnisses eines linksliberalen Establishments, das gerne seine eigene Saturiertheit verdrängte, indem es auf die vermeintliche Mehrheit der konservativen Spießer zeigen konnte. Und klar: Das verschaffte einem das wohlige Gefühl, trotz Büro mit Vorzimmer-Sekretärin irgendwie doch noch zur revolutionären Avantgarde zu gehören.

Die Statements der Schülervertreter klingen auswendig gelernt

Das erklärt, warum die Großeltern und Eltern aus diesem Milieu, die immer noch an vielen gesellschaftlichen Schlüsselstellen sitzen, vor allem in den Medien, mit so viel Wohlwollen auf die sogenannten Schülerdemos schauen. Darin steckt die Hoffnung, jetzt wachse doch vielleicht eine Generation heran, die endlich das harsche Urteil Lenins revidiere. Der Wunsch ist hier der Vater der Revolution. Der Blick auf Berlin (siehe Seite 5) beweist, es nutzen zwar allerlei Berufsrevolutionäre nicht nur linker, sondern vereinzelt auch rechter Couleur die Kulisse der Demos, um für ihre Ideologie zu werben. Aber die Masse der Schüler bleibt aus.

Die Statements der Schülervertreter, die dann vor Ort in die Kameras aufgesagt werden, klingen auswendig gelernt. Sie mögen das Herz manches Sozialkundelehrers zum Tanzen bringen, die Stimmung auf den Schulhöfen geben sie nicht wieder. So sucht diese Revolution noch ihre Kinder. Der Deutsche will vor allem genug Geld haben, um sich eine Bahnsteigkarte kaufen zu können. Erst kommt das Portemonnaie, dann die Revolution.

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Sebastian Sasse Wladimir I. Lenin

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