Papst Leo XIV. hat bei den anstehenden Kongresswahlen in den USA gewählt. Für welche Partei er sich entschieden hat, ist unbekannt, auch wenn es schwer vorstellbar ist, dass er für Trumps Republikaner gestimmt hat. Dass Leo per Briefwahl von seinem Wahlrecht als US-Bürger Gebrauch gemacht hat, bestätigte der Vatikan auf Nachfrage. Dabei verwies der Vatikan laut „Vatican News“ auch darauf, dass Robert Prevost bereits während seiner langen Zeit als Missionar in Peru „jedes Mal, wenn er dazu die Möglichkeit hatte“, gewählt habe und darin sowohl ein Recht als auch eine Pflicht als Bürger sehe.
Was im Zeitalter der Demokratie zunächst gut klingen mag, entpuppt sich bei näherem Hinsehen für den Stellvertreter Christi auf Erden aber als unklug. Auf dem Papier mag Robert Prevost weiterhin US-Bürger sein. Doch diese Rolle wird im Vergleich mit seinem Amt als Papst geradezu unendlich bedeutungslos. Leo XIV. steht 1,4 Milliarden Katholiken vor, davon 77 Millionen in den USA. Die parteipolitischen Präferenzen der Letzteren dürften sich nur in jeweils ausgewählten Fragen mit dem Programm einer Partei decken. Das Katholischsein lässt sich eben nicht in parteipolitische Grenzen sperren. Der Papst sollte gerade diese überparteiliche Natur des katholischen Glaubens repräsentieren, anstatt durch die Tatsache einer Wahl zu offenbaren, dass er sich parteipolitisch auf einer Seite des politisch gespaltenen Landes befindet.
Souverän eines anderen Landes
Auch ist zu bedenken, dass der Papst zugleich das Staatsoberhaupt eines anderen Landes ist. So argumentierte übrigens Papst Benedikt XVI., der 2009 trotz erhaltener Wahlunterlagen darauf verzichtete, bei der Bundestagswahl abzustimmen. Sein Bruder Georg erklärte die Entscheidung der Öffentlichkeit damit, dass Benedikt „der Souverän des Vatikanstaats“ sei und „es nicht für richtig“ halte, „sich in die Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen“. Eine weise Entscheidung.
Sich aus demokratischen Prozessen herauszuhalten, ermöglicht es dem Papst außerdem, auf die ihm angemessene Weise politisch zu sein, etwa indem er weltweit all jene Missstände kritisiert, die gegen die Sittenlehre der Kirche verstoßen – ohne sich dabei den Vorwurf anhören zu müssen, als weltanschaulich einseitiger Parteigänger aufzutreten.
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