Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kurz vor der Seligsprechung

Verteidiger der Ehe zwischen Mann und Frau

Es gibt ab Samstag neue US-amerikanische Selige: Fünf Franziskaner, die 1957 von Ureinwohnern in Georgia ermordet wurden. Der Grund: Sie verteidigten die monogame Ehe.
Märtyrer von Georgia
Foto: Privat | Pedro de Corpa, Blas Rodríguez de Cuacos, Miguel de Añón, Antonio de Badajoz (Laienbruder)und Francisco de Veráscola kritisierten den Ureinwohnerstamm der Guale für deren Polygamie.

Am 31. Oktober spricht der Erzbischof von Toronto, Kardinal Frank Leo, in Savannah im US-Bundesstaat Georgia im Auftrag von Papst Leo XIV. fünf Franziskaner selig, die im Jahr 1597 in der damaligen spanischen Kolonie Florida das Martyrium erlitten. Pedro de Corpa, Blas Rodríguez de Cuacos, Miguel de Añón, Antonio de Badajoz und Francisco de Veráscola waren aus Spanien in die Neue Welt gereist, um den Ureinwohnern im südöstlichen Teil Nordamerikas das Evangelium zu verkündigen. Sie bezahlten ihren Einsatz gegen die Polygamie beim Stamm der Guale mit dem Leben.

Lesen Sie auch:

Pedro de Corpa wurde um 1560 bei Madrid geboren. Er trat um 1577 in den Franziskanerorden ein und segelte zehn Jahre später zusammen mit zwölf Mitbrüdern in die spanische Kolonie Florida, wo sie am 29. September ankamen. Bei ihm war der aus Badajoz in der Extremadura stammende Bruder Antonio, der einzige Laienbruder unter den fünf Märtyrern. Drei Jahre später kam der ebenfalls in der Extremadura geborene 40-jährige Priester Blas Rodríguez in der Mission an und 1595 der bereits 50-jährige Miguel de Añón, zusammen mit dem 31-jährigen Francisco de Veráscola Sáez de Castañiza, der von der Insel Teneriffa stammte.

Alle fünf kamen über verschiedene franziskanische Missionen in der spanischen Kolonie Florida, die sich bis zur Südküste des heutigen South Carolina erstreckte, schließlich in die Mission von Tolomato im heutigen Georgia. Sie war Unserer Lieben Frau von Guadalupe geweiht, die nur wenige Jahrzehnte zuvor in Mexiko dem Indigenen Juan Diego erschienen war. Die franziskanische Mission lag im Stammesgebiet der Guale, die in gut 40 Dörfern mit jeweils etwa tausend Einwohnern entlang der Küste des heutigen Georgia siedelten. Jedes Dorf hatte einen Dorfältesten, dessen Familie äußerst privilegiert war; alle anderen Familien mussten für sie arbeiten und ihr Tribut zahlen.

Von Stammesangehörigen freundlich aufgenommen

Die Frauen spielten in diesem System eine entscheidende Rolle, denn das Amt des Dorfältesten wurde in matriarchalischer Linie weitergegeben: Wenn ein Dorfältester starb, gingen seine Machtbefugnisse auf den ersten Sohn seiner ältesten Schwester über. Um Macht und Besitz zu sichern, hatte sich in der Kultur der Guale, vor allem auf der Herrschaftsebene, die Polygamie durchgesetzt: Ein Dorfältester hatte meistens mehrere Ehefrauen, oft aus derselben Familie. Wenn er mit einer Frau die Ehe einging, heiratete er häufig auch ihre Schwestern.

Die Mission unter den Guale ging zunächst friedlich vonstatten. Die Stammesangehörigen nahmen die Franziskaner, die arm, unbewaffnet und barfuß zu ihnen kamen, freundlich auf. Zahlreiche Menschen wurden getauft, darunter auch der designierte Nachfolger des Dorfältesten mit Namen „Juanillo“. Als dieser das Amt seines Onkels übernehmen sollte, kam es jedoch zum Konflikt mit den Missionaren, da Juanillo der Tradition folgend mehrere Frauen nehmen wollte. Pater Pedro de Corpa versuchte, ihm zu vermitteln, dass die Polygamie mit seiner Taufe nicht vereinbar sei. Juanillo, der seine Machtposition und möglicherweise auch sein Erbe gefährdet sah, war nicht einsichtig und entwickelte einen Groll auf die Missionare.

Es blieben nur die Ruinen

Dann begann deren Martyrium: Am 14. September 1597 ermordete er Pater Pedro. Dann trommelte er ein Heer von Kriegern zusammen, um die gesamte Mission zu zerstören. Zwei Tage später fiel ihnen Pater Blas Rodríguez in die Hände. Sie nahmen ihn gefangen, folterten ihn und ermordeten ihn. Pater Miguel de Añón konnte am 17. September noch die Messe feiern, in der er seinen Mördern vergab, bevor er selbst getötet wurde, zusammen mit Bruder Antonio, der ihm in der Messe gedient hatte. Als Letzten der fünf traf es am 18. September Pater Francisco de Veráscola. Er legte auf der Rückkehr von einigen Besorgungen gerade mit dem Kanu an, als er von den Kriegern der Guale übermannt und mit einer Axt erschlagen wurde.

Lesen Sie auch:

Die Missionen der Franziskaner wurden zerstört und in Brand gesetzt. Was blieb, sind einige wenige Ruinen. Trotzdem war der christliche Geist, den die Missionare in die Neue Welt gebracht hatten, bei vielen Angehörigen der Guale noch lange Zeit vorhanden. Der Stamm ging später in der multiethnischen Konföderation der Yamasee auf, die heute als ausgestorben gilt.

Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Claudia Kock Erzbischöfe Evangelium Franziskaner-Orden Leo XIV. Schwestern

Weitere Artikel

Warum der heilige Franz von Assisi nach 800 Jahren eine Inspiration für die Zukunft ist – Teil 10.
27.09.2026, 17 Uhr
Giuseppe Franco
In der Bregenzer St. Antonius-Kirche gibt es nun eine Gedenkstätte für früh verstorbene Kinder.
25.01.2026, 15 Uhr
Oliver Gierens

Kirche

Trotz Widerstand stellt der Kirchengemeinderat von St. Martin in Weingarten seine Pläne zur Neugestaltung des Altarraums vor. Doch es kommt zu einer überraschenden Wendung.
30.10.2026, 15 Uhr
Jakob Naser
Die Texte, mit denen das Glaubensdikasterium auf die Bischofsweihen der Piusbruderschaft reagierte, sind mangelhaft. Aber den Präfekten scheint das nicht zu interessieren.
30.10.2026, 09 Uhr
Guido Horst
Ist es falsch, dass die Kirche sich gegen die Todesstrafe stellt? Nein, denn jeder Mensch hat eine unantastbare Würde. Und zwar nicht erst seit Papst Franziskus.
29.10.2026, 21 Uhr
Maximilian Welticke
Rudolf Gehrig ist neuer Chefredakteur das Vatican-Magazin und wird stellvertretender Geschäftsführer beim fe-Medienverlag. Woran er die Schönheit der Weltkirche festmacht.
29.10.2026, 15 Uhr
Regina Einig