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Raum zum Trauern

In der Bregenzer St. Antonius-Kirche gibt es nun eine Gedenkstätte für früh verstorbene Kinder.
Raum zum Trauern um früh verstorbene Kinder
Foto: Oliver Gierens | Die Seitenkapelle der St.-Antonius-Kirche in Bregenz ist seit Mitte Dezember eine Gedenkstätte für früh verstorbene Kinder.

Marianna Trinidad Lainez hat vor drei Jahren ihr Kind verloren. Ihre Tochter starb bei einer spontanen Fehlgeburt in einer sehr belastenden Lebensphase, die für Marianna von großem emotionalem Druck geprägt war, wie sie im Gespräch mit der „Tagespost“ erzählt. Eine lange Trauerphase begann für sie und ihren kleinen Sohn. Hilfe und Trost findet die junge Frau seit Kurzem in einer Kirche: In St. Antonius im österreichischen Bregenz hat der Feldkircher Bischof Benno Elbs am 13. Dezember vergangenen Jahres eine Gedenkstätte für früh verstorbene Kinder eingeweiht – genau am 100. Todestag des im Ruf der Heiligkeit verstorbenen Kapuzinerbruders Benno Koglbauer (1862–1925), dessen Grab sich in der kleinen Seitenkapelle der früheren Kapuzinerkirche befindet. Seit 1996, nachdem die Kapuziner Bregenz verlassen hatten, wird sie als Rektoratskirche von der Geistlichen Familie „Das Werk“ betreut, die im benachbarten Kloster Thalbach ihren Sitz hat.

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„Für mich ist dieser Ort ein würdevoller Raum der Erinnerung. Ein Ort, an dem Eltern ihre Kinder nicht verdrängen oder verschweigen müssen, sondern sie in Liebe und Hoffnung Gott anvertrauen können“, ist Marianna überzeugt. „Solche Orte geben dem Unsagbaren eine Form und machen sichtbar, dass Trauer und Hoffnung nebeneinander bestehen dürfen“, sagt die junge Frau, die ursprünglich aus Mexiko stammt und seit rund zehn Jahren in Österreich lebt. Wichtig sei ihr auch die seelsorgliche Begleitung, die der Kirchenrektor, Pater Johann Fenninger, hier anbietet. Zum Gedenken an ihre im Mutterleib verstorbene Tochter ist eine kleine Gedenktafel an der Wand angebracht. Es ist die erste Tafel, die hier ihren Platz gefunden hat; weitere sollen folgen.

Ort des Gebetes, Trostes, der Heilung und Hoffnung

Ein Gästebuch ermutigt die Besucher, hier ihre Gedanken zu hinterlassen. „Im Gedenken an unsere Sternenkinder. Schön, dass es diesen Ort jetzt gibt“, heißt es in einem der Einträge. Der erste Vermerk stammt von Bischof Elbs. Er wünscht sich, dass die Kapelle ein Ort des Gebetes, des Trostes, der Heilung und der Hoffnung sein soll.

Rund um den kleinen Altar sind fünf Tafeln angebracht, die zur Meditation und Reflexion einladen. Die erste Tafel steht unter dem Motto „Schutz“. Sie zeigt das bekannte Motiv der Jungfrau von Guadalupe. Als sie im Jahr 1531 dem heiligen Juan Diego, einem armen Indigenen, erschien, sagte sie ihm ihren mütterlichen Schutz zu: „Bist du nicht in den Falten meines Mantels, in der Beuge meiner Arme?“

Unter dem Stichwort „Trost“ zeigt die zweite Tafel Maria und Elisabeth. Beide Cousinen sind schwanger und umarmen sich gegenseitig. Für viele traumatisierte Frauen wird immer wieder der Schmerz über den Verlust ihres Kindes wach, wenn sie andere schwangere Frauen sehen. Maria und Elisabeth werden hier als Helferinnen angerufen, damit betroffene Frauen Menschen begegnen, die sie umarmen, trösten oder ermutigen.

„Niemand muss diesen Weg allein gehen“

Das dritte Bild, direkt unter dem Altar platziert, steht unter dem Motto „Vertrauen“. Es zeigt die Tochter des Synagogenvorstehers Jairus, die gestorben war und von Jesus wieder zum Leben erweckt wurde (Markus 5, 35–43). Die vierte Station befasst sich mit dem Thema „Vergebung“. Sie zeigt das Bild des barmherzigen Jesus nach der hl. Schwester Faustina. Sünde, Vergebung und Neuanfang spielen auch bei früh verstorbenen Kindern eine Rolle, etwa wenn es um Abtreibungen geht. An der letzten Station, die die Gottesmutter von Medjugorje zeigt, geht es schließlich um „Frieden“ – für das verstorbene Kind, das seinen Platz bei Gott finden soll, aber ebenso für die Eltern und Verwandten.

Marianna hat daran mitgewirkt, dass dieser Gedenkort entstehen konnte. „Mein Beitrag liegt vor allem darin, diesen Ort mitzutragen, sichtbar zu machen und ihn als Einladung zu verstehen: Niemand muss diesen Weg allein gehen.“ Als ihre Tochter bei der Fehlgeburt verstarb, habe sie durch seelsorgliche Begleitung Halt und Orientierung gefunden. „Das Zuhören, das gemeinsame Gebet und das Dasein haben mir geholfen, neue innere Kraft zu schöpfen und Schritt für Schritt zu einem tieferen und bewussteren Glauben zurückzufinden.“ Der Glaube habe ihr nicht den Schmerz genommen, wie sie betont, aber ihm eine neue Tiefe gegeben. „Mit der Zeit – besonders durch das Gebet – hat sich der tiefe Schmerz verwandelt in eine innere Sicherheit und ein wachsendes Vertrauen darauf, dass Gott auch im Leid einen guten und vollkommenen Plan hat, auch wenn wir ihn nicht sofort verstehen“, ist Marianna überzeugt.

Wie alles begann

Entstanden ist die Idee einer Gedenkstätte für früh verstorbene Kinder durch einen Leserbrief des jetzigen Kirchenrektors, Pater Johann Fenninger. Es ging um den Schutz ungeborener Kinder. „Beim Verfassen dieses Leserbriefes habe ich auch den Gedanken erwähnt, dass es gut wäre, für betroffene Mütter und Väter einen kirchlichen Ort der Trauer und des Trostes zu haben“, erzählt Pater Fenninger im Gespräch. Als er kurze Zeit später die Leitung der früheren Kapuzinerkirche übernahm, konnte er seine Idee verwirklichen.

Bischof Elbs sei sofort von der Idee überzeugt gewesen. „Er hat mich wiederholt dazu ermutigt und beauftragt, dieser Mission nachzugehen“, betont der Priester – eine zweifache Mission, die Gedenkstätte aufzubauen und eine Pastoral für alleinerziehende Mütter zu entwickeln. Denn mit der Einweihung der Gedenkstätte ist zugleich ein neues Projekt entstanden, das Mütter in Not unterstützen soll. „HOPE4MOMS“ wendet sich an alleinerziehende Mütter im österreichischen Bundesland Vorarlberg.

Marianna Trinidad Lainez und Kirchenrektor Pater Johann Fenninger FSO.
Foto: Oliver Gierens | Marianna Trinidad Lainez und Kirchenrektor Pater Johann Fenninger FSO.

Auch Bruder Benno, dessen Grab sich an der rechten Seitenwand der Kapelle befindet, soll betroffenen Frauen als Fürsprecher dienen – so wie er es auf seinem Sterbebett vor gut 100 Jahren versprochen hat, für seine Ordensmitbrüder und ihre Wohltäter und ganz besonders für die Stadt Bregenz bei Gott zu bitten. 1862 in Mönichkirchen in Niederösterreich geboren, trat er im Jahr 1900 in den Kapuzinerorden in Salzburg ein. Sieben Jahre später kam er nach Stationen in Innsbruck und Brixen ins Kloster nach Bregenz, wo er seinen Dienst an der Pforte versah.

Bruder Benno als besonderer Fürsprecher

Hier war er tagtäglich mit den Nöten der Menschen konfrontiert, die an der Pforte läuteten. Gerade in den leidvollen Jahren des Ersten Weltkriegs und der Zeit danach gab er armen Menschen eine Speise, verteilte Brot unter den Kindern, spendete Menschen Trost, betete für sie und vermittelte sie an einen Beichtvater. „Sein ganzes äußeres Auftreten und seine Erscheinung waren geprägt von Sanftmut, Demut, Geduld, Güte, Menschenfreundlichkeit, Frömmigkeit, Bescheidenheit und anderen Tugenden“, schreibt einer der Postulatoren im Seligsprechungsverfahren, Pater Flavian von Kufstein.

Sobald er von der Not anderer Menschen, von ihrem Unglück und Kummer hörte, sei Bruder Benno von tiefem Mitleid ergriffen worden und habe mit liebevollen Worten die Betrübten getröstet, schreibt Pater Flavian weiter. 100 Jahre nach seinem Tod vertrauen viele Menschen darauf, dass er es auch heute noch kann. Gut neun Jahre später wurden seine Gebeine erhoben und in der früheren Josefskapelle des damaligen Kapuzinerklosters bestattet. Am 11. Juli 1955 eröffnete Bischof Paulus Rusch ein Seligsprechungsverfahren für den Diener Gottes. Abgeschlossen ist es bis heute nicht. Vielleicht wird die neue Gedenkstätte für früh verstorbene Kinder neue Gebetserhörungen oder sogar Wunder hervorbringen, die den ruhenden Prozess wieder ins Rollen bringen.


Der Autor ist Journalist und Buchautor.

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