Ein vom Weißen Haus veröffentlichtes Video löste vergangene Woche eine Kontroverse aus: Ein Dutzend katholischer US-Bischöfe, angeführt vom Erzbischof von Denver, James Golka, umringt Donald Trump an seinem Schreibtisch im Oval Office und betet mit ihm – für die Nation, die Regierung und das Präsidentenamt.
Der Besuch am Amtssitz des Präsidenten, organisiert vom „White House Faith Office“, sollte offiziell dem Zweck dienen, sich über Themen wie Religionsfreiheit, Migration und Gesellschaftspolitik auszutauschen. Manche Katholiken sahen darin jedoch eine politische Parteinahme der Bischöfe für den amtierenden Präsidenten. Und in der Tat: Nicht einmal zwei Wochen vor den richtungsweisenden Kongresswahlen passen die Bilder aus dem Weißen Haus perfekt in die Wahlkampagne von Trumps Republikanern. Diese drohen, die breite Unterstützung der katholischen Wähler aus dem Jahr 2024 zu verlieren.
Mehrere anwesende Bischöfe äußern sich selbstkritisch
Inzwischen haben sich mehrere der anwesenden Bischöfe selbstkritisch geäußert. Von Bedenken im Vorfeld ist die Rede, der wichtigen Anliegen wegen habe man sich aber dennoch für eine Teilnahme entschieden. Das Treffen sei von Trump instrumentalisiert, das Gebet manipuliert worden, beklagte der Erzbischof von Milwaukee, Jeffrey Grob, in einer „öffentlichen Entschuldigung“. Weder habe man gewusst, dass man gefilmt werde, noch einer Veröffentlichung des Materials zugestimmt.
Dieses mea culpa trifft den Nagel auf den Kopf. Kaum jemand wird den Bischöfen das aufrichtige Interesse am Austausch und Gebet mit politischen Entscheidungsträgern absprechen. Von einer Allianz mit der Trump-Präsidentschaft, wie sie führende evangelikale Geistliche pflegen, sind die allermeisten katholischen Oberhirten zum Glück weit entfernt. Gut, dass die Bischöfe ihren Fehler erkannt haben, nur kommt diese Erkenntnis zu spät: Zeitpunkt und Setting des Treffens hätten alle Alarmglocken schrillen lassen müssen.
Denn inzwischen dürfte es niemanden mehr verwundern, dass Trump jede Gelegenheit zur Eigenwerbung schamlos nutzt. Der Umgang mit den Bischöfen, die am Ende eher wie naive Statisten denn weitsichtige Hirten wirken, zeigt aber auch: Um den religiösen Kern geht es Trump kaum. Heilig scheint ihm nur der eigene Machterhalt.
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