Nach dem Lateinischen Patriarchat haben jetzt die Patriarchen und Kirchenoberhäupter von Jerusalem in einer gemeinsamen Erklärung auf den Anschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche in Jordanien reagiert. Der Anschlag sei ein schweres Vergehen gegen Gott und die Menschheit und verletze „alle heiligen und menschlichen Werte“, heißt es in der Erklärung vom Samstag.
Die Tat sei ein Angriff auf die gesamte christliche Gemeinschaft Jordaniens und auf das gesellschaftliche Zusammenleben in dem Land, „in dem Muslime und Christen seit Generationen in Eintracht und brüderlicher Verbundenheit zusammenleben“. Sie habe die Heiligkeit eines Gotteshauses verletzt und das grundlegende Menschenrecht auf Leben, Sicherheit und die Freiheit, den eigenen Glauben in Würde zu praktizieren, missachtet. Patriarchen und Kirchenoberhäupter sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus und betonten die Bedeutung des friedlichen Zusammenlebens der Religionen in Jordanien.
Landesweit Beileidsbekundungen
Bei einem Terroranschlag auf die griechisch-orthodoxe St.-Georgs-Kirche im Dorf Hammoud im Gouvernement Karak im Süden Jordaniens sind am Freitag nach bisherigen Behördenangaben acht Menschen getötet und 40 verletzt worden. Die Angreifer eröffneten während einer Beerdigung das Feuer auf die versammelten Gläubigen und flohen anschließend. Nach Angaben von Augenzeugen schossen sie etwa fünf Minuten lang. In und um die Kirche hielten sich zwischen 150 und 200 Menschen auf. Täter und Motiv sind bislang nicht bekannt, die Sicherheitskräfte haben eine Fahndung eingeleitet. Jordaniens Innenminister sprach von einem „Terroranschlag einer Gruppe von Extremisten“.
Landesweit bekundeten Institutionen und Gruppierungen ihr Beileid. Auch das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem, zu dem die betroffene Gemeinde gehört, verurteilte den Anschlag. Patriarch Theophilos III. und die Mitglieder der Heiligen Synode sprachen den Angehörigen der Opfer in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme ihr Beileid aus. Die Kirche äußerte zugleich ihr Vertrauen in die Sicherheitskräfte, die die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen sollten.
Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem verurteilte „diesen feigen Terrorakt“ zudem in einer eigenen Erklärung scharf. Das Patriarchat sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. versicherte ihnen das Gebet und betonte die Bedeutung des friedlichen Zusammenlebens der Religionen in Jordanien. König Abdullah II. kündigte auf der Plattform X „härteste Vergeltung“ an. Er und andere Mitglieder des Königshauses bezeichneten die christlichen Anschlagsopfer als Märtyrer.
Muslimische Geistliche verurteilen den Angriff
Auch aus der muslimischen Gemeinschaft kamen deutliche Reaktionen. Jordaniens Großmufti Ahmad al-Hassanat erklärte laut der staatlichen Nachrichtenagentur „Petra“, das schwere Verbrechen widerspreche dem islamischen Recht. Christliches Leben sei ebenso unantastbar wie muslimisches. Zur Begründung zitierte er einen Koranvers: „Wer einen Menschen ungerechtfertigt tötet, ist, als hätte er die ganze Menschheit getötet.“ Der Anschlag ziele darauf ab, Zwietracht unter den Jordaniern zu säen, werde aber den Zusammenhalt der Gesellschaft nicht zerstören.
In Amman versammelten sich am Freitagabend Politiker, Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften und Bürger zu einer Solidaritätswache vor einer orthodoxen Kirche. Sie entzündeten Kerzen und betonten, dass der Anschlag die religiöse und gesellschaftliche Einheit des Landes nicht zerstören dürfe, wie die Nachrichtenplattform „Jordan Daily“ berichtete. Auch aus Deutschland gab es Solidaritätsbekundungen. Laut einem Bericht von „Roya News“ äußerten sich die deutsche Botschaft in Amman und der deutsche Botschafter Bertram von Moltke bestürzt über den Anschlag.
Wie die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) berichtete, sind Angriffe auf Gotteshäuser im mehrheitlich sunnitisch-muslimischen Jordanien selten. In der Provinz Karak lebt eine größere christliche Gemeinschaft. Dort hatte es im Dezember 2016 bereits einen schweren Anschlag gegeben, bei dem zehn Menschen starben, darunter sieben Sicherheitskräfte und eine Touristin. DT/dsc
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