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Wenn das Gehirn auf die Größe einer Pflaume zu schrumpfen droht

Physik-Professor und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch warnte bei der Jahrestagung der Görres-Gesellschaft davor, KI in der Schule anzuwenden. CDU-Ministerpräsident Patrick Schnieder stellte sich in die Görres-Tradition.
Der Physik-Professor und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch
Foto: IMAGO/Christopher Adolph (www.imago-images.de) | Der Physik-Professor und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch warnte deutlich davor, Künstliche Intelligenz in der Schule zu verwenden. Es sei wichtig, dass Kinder ihr Hirn trainierten.

Vom altehrwürdigen Görres-Saal in Koblenz sandte am Sonntag Harald Lesch einen Mahnruf aus: Der Physik-Professor und Wissenschaftsjournalist warnte deutlich davor, Künstliche Intelligenz in der Schule zu verwenden. Es sei wichtig, dass Kinder ihr Hirn trainierten. „Unser Verstandesorgan schrumpft bei Nichtbenutzung auf die Größe einer Pflaume, wie MRT-Aufnahmen zeigen. Wenn du es nicht benutzt, dann geht es dir verloren. Das erleben wir gerade im KI-Hype“, formulierte Lesch in seiner Festrede, die er aus Anlass der Jahrestagung der Görres-Gesellschaft in Koblenz hielt.

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Lesch verwies dabei auf Erfahrungen mit seinen Studenten. Er führe am Ende des Semesters regelmäßig mündliche Prüfungen durch, um deren Wissensstand zu erproben. Seine ernüchternde Bilanz: Viele der Studenten, die während des Semesters die Aufgaben auf Arbeitsblättern mit Hilfe von ChatGPT oder anderen KI-Angeboten gelöst hätten, würden bei den Prüfungen durchfallen. Denn sie könnten auf kein eigenes Wissen zurückgreifen. Besonders wichtig sei es daher, dass auch bereits die Schüler das Kanonwissen in den einzelnen Fachbereichen sich selbst aneigneten. So trainierten sie zum einen ihr Hirn, zum anderen bilde dieses Wissen die Ressource, auf die sie zurückgreifen können, um neue Sachverhalte überhaupt einordnen zu können.

Ackermann: Christlicher Glaube „verdirbt" das Denken nicht

Im Pontifikalamt am Morgen, das aus Anlass der Jahresversammlung in der Koblenzer Liebfrauenkirche gefeiert wurde, setzte sich der Trierer Bischof Stephan Ackermann mit dem Verhältnis von Glauben und Vernunft auseinander. Der christliche Glaube „verdirbt“ nach seinen Worten nicht das Denken. Vielmehr habe der Glaube die Kraft, „das Denken zu weiten, wenn der Glaube zugleich bereit ist, vor dem Forum der Vernunft Rechenschaft abzulegen über das, was ihn bewegt“, so der Bischof. Er erinnerte auch an den Namensgeber der Gesellschaft, Joseph Görres (1776–1848), der vor 250 Jahren in Koblenz geboren wurde. Görres stehe für eine „Wissenschaft, die sich nicht in den Elfenbeinturm zurückzieht, sondern die gesellschaftliche Auseinandersetzung sucht, um dem Wohl aller zu dienen“, betonte Ackermann.

Die Görres-Gesellschaft, die nicht nur das Jubiläum ihres Namenspatrons, sondern auch ihren eigenen 150. Geburtstag feierte, hatte ihre Tagung in diesem Jubiläumsjahr ganz bewusst nach Koblenz gelegt. Die Vereinigung, die sich der Pflege der Wissenschaften verschrieben hat und zu den größten und ältesten Wissenschaftsgesellschaften zählt, spielt seit ihrer Gründung eine wichtige Rolle in der Entwicklung des politischen und sozialen Katholizismus in Deutschland.

Der Bezug auf Görres, der als publizistischer Streiter für die kirchlichen Freiheitsrechte gegenüber dem Staat schon zu Lebzeiten einen legendären Ruf im katholischen Deutschland genoss, half der Gesellschaft dabei, ihr Profil bis in die Gegenwart zu entfalten. Vom NS-Regime wurde sie 1941 verboten, der erste Präsident der Görres-Gesellschaft nach der Wiederbegründung nach dem Krieg, der Staatsrechtler und CDU-Politiker Hans Peters (1896–1976), gehörte dem Kreisauer Kreis an.

Schnieder erinnert an geistige Tradition des politischen Katholizismus

An die Bedeutung dieser geistigen Tradition für die Bundesrepublik, die vom politischen Katholizismus im Kaiserreich und in der Weimarer Republik bis hin zur Christdemokratie der Gegenwart reicht, erinnerte der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Patrick Schnieder (CDU), in seinem Grußwort am Sonntag beim Festakt der Gesellschaft. Die Christdemokraten stünden in dieser „stolzen Tradition“. Es sei kein Zufall gewesen, dass im Bonner Kanzlerbüro von Helmut Kohl, der auch 45 Jahre bis zu seinem Tod der Gesellschaft als Mitglied angehört habe, ein Porträt von Joseph Görres hing.

Schnieder nannte ebenfalls Bernhard Vogel, auch er ein ehemaliger Mainzer Ministerpräsident, der in einer engen Verbindung zur Görres-Gesellschaft gestanden habe. Er sehe darin den „Auftrag und die Verpflichtung“, diese Tradition fortzuführen. Es sei notwendig, im Sinne von Görres für Freiheit und Recht einzutreten, den Mut zur Debatte und die Kraft zum Dialog aufzubringen. Die Aussagen von Schnieder können als Beitrag zur aktuellen Profildiskussion in der CDU gewertet werden.  Mit Material von KNA

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