Dass die Entwicklung der Welt („Geschichte“) etwas mit Fortschritt zu tun hat, versteht sich nicht von selbst. Es ist zunächst ein christlicher Gedanke, der über Augustinus in den abendländischen Kulturraum eindrang, in dem sich vorrangig zirkuläre und degenerative Deutungen der Weltgeschichte verbreitet hatten. Auch in der Neuzeit wird Entwicklung unterschiedlich gedeutet. Die preußische Hochaufklärung, die für das Denken des 18. Jahrhunderts prägend war („Leibniz-Wolffsches System“), übernimmt vom Christentum den Fortschrittsoptimismus, während bei Rousseau der kulturpessimistische Degenerationsgedanke reaktiviert wird („Zurück zur Natur!“).
„Immer weiter!“ versus „Zurück zur Natur!“
Gibt es einen menschlichen Fortschritt? Die Antwort hängt auch davon ab, ob von Erkenntnis oder Ethik die Rede ist.
