Kommentar um "5 vor 12"

Wissen vermitteln, nicht Ideologie befördern

Ideologie gehört nicht in die Kompetenz der Schule. Florida geht mit dem jüngst verabschiedeten Gesetz einen richtigen Schritt. Aber es bedarf noch mehr.
Gouverneur Ron DeSantis spricht kurz vor der Unterzeichnung des Gesetzes über elterliche Rechte im Bildungswesen.
Foto: IMAGO/Douglas R. Clifford (www.imago-images.de) | Mit dem neuen Gesetz erkennen Floridas Gouverneur Ron DeSantis und Gesetzgeber an, dass Gendertheorie nicht Wissen, sondern bestenfalls Meinung, schlimmstenfalls Ideologie ist.

Am Montag hat der republikanische Gouverneur des US-Bundesstaates Florida, Ron DeSantis, ein Gesetz unterzeichnet, das die Behandlung von Themen der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität im Unterricht bis zum dritten Schuljahr verbietet. Eltern dürfen bei Verstößen Schulbehörden verklagen. Die Kritik aus dem Lager der LGBTQ-Gemeinschaft sieht darin eine Diskriminierung homosexueller und transsexueller Menschen, und insbesondere homo- und transsexueller Schüler.

Bestenfalls Meinung, schlimmstenfalls Ideologie

In einem freien Land kann es in der Tat niemandem verboten werden, sich als homo-, transsexuell oder nicht-binär zu empfinden und zu bezeichnen. Diese Freiheit steht durch das Gesetz auch nicht zur Disposition. Der Name des Gesetzes, „Parental Rights in Education Bill“, macht deutlich, worum es hier geht: Aufgabe der Schule ist es, Wissen zu vermitteln. Mit dem neuen Gesetz erkennen Gouverneur und Gesetzgeber an, dass Gendertheorie nicht Wissen, sondern bestenfalls Meinung, schlimmstenfalls Ideologie ist. Letzteres gehört nicht in die Kompetenz der Schule, sondern in die der Eltern, die das Recht einfordern dürfen, die – im weiteren Sinne – weltanschauliche Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen.

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In Deutschland haben sich die Behandlungszahlen von Kindern und Jugendlichen, die ihr Geschlecht ändern wollen, seit 2013 verfünffacht. In Schweden wuchs die Zahl der „Transjungen“, also Mädchen, die sich als Jungen fühlen, von 2008 bis 2018 um 1500 Prozent. Der Münchner Kinder- und Jugendpsychiater Alexander Korte von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) spricht von einem „Trans-Hype“. Schon 2018 kommentierte er das Phänomen, dass sich oft an einzelnen Schulen mehrere Jugendliche gleichzeitig als „Transgender“ outeten: „Das widerspricht jeder medizinischen Wahrscheinlichkeit. Es muss da andere Gründe geben“, sagte der Mediziner damals der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Nur die halbe Miete

Gesetze wie die „Parental Rights in Education Bill“ sind ein politischer Schritt in die richtige Richtung, machen aber nur die halbe Miete. Von den Schulen zu fordern, keine Ideologie zu verbreiten, muss mit dem positiven Anspruch einhergehen, dass dort echtes Fachwissen vermittelt wird. Auch nach der dritten Klasse muss sich der Sexualkundeunterricht an die biologischen Fakten halten. Nur so kann er dazu beitragen, dass junge Menschen faktenbasiert Entscheidungen treffen können, die ihr ganzes Leben beeinflussen. 

Ja, ab einem bestimmten Alter gehört die Thematik auch in den Schulunterricht, denn früher oder später werden Jugendliche auch außerhalb der Schule damit konfrontiert. Über Instagram, Facebook, YouTube und TikTok finden junge Menschen auf der Suche nach Identität und Zustimmung leicht in LGBTQ-Communities, die zu einer „Transition“, also der Angleichung des biologischen Geschlechts an das empfundene Geschlecht, ermutigen. Mindestanspruch der Schule sollte es nicht sein, jede Lebensentscheidung fraglos hinzunehmen, sondern faktenbasiert auf alle Konsequenzen hinzuweisen.

Wo die Grenzen der Politik verlaufen

Dazu gehört, auch Menschen zu Wort kommen zu lassen, die ihr Unwohlsein in ihrem Körper mit einer Geschlechtsumwandlung „therapieren“ wollten und heute wissen, dass dies nicht der richtige Weg war. Die beiden jungen Frauen Nele und Elie haben im Januar in der „Welt“ ihre Geschichte vom Mädchen zum Mann und zurück zur Frau erzählt. Ihre Selbstdiagnose sei damals von niemandem infrage gestellt worden, bekannte Nele. 

Hier zeigen sich auch die Grenzen der Politik. Es sind gesellschaftliche Kräfte, die die LGBTQ-Ideologie propagieren. Es braucht eine von der Zivilgesellschaft getragene Gegenbewegung, die Eltern und Kinder über die Gefahren aufklärt und ein jeden Menschen als Mann und Frau bejahendes Menschenbild vermittelt.

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