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Transhumanismus und Transgender: Wenn Familie zum Auslaufmodell wird

Transsexualität ist nicht Transhumanismus, doch manches deutet darauf hin, dass Transhumanisten die Transgenderagenda fördern. Familien haben von beiden Ideologien kaum Gutes zu erwarten
Ein Menschenbild, das allein auf Machbarkeit beruht
Foto: imago-images | Ein Menschenbild, das allein auf Machbarkeit beruht: Das ist die gemeinsame Grundlage von Transhumanismus und Transgenderismus.

Der Transhumanismus ist eine Wissenschaftsreligion, die auf die Schaffung eines neuen Menschen abzielt. Genmanipulation und die Verschmelzung biologischer und künstlicher Intelligenz sind die hierfür bevorzugten Methoden. Der neue posthumane Mensch werde dem heutigen Menschen überlegen sein, eine höhere evolutionäre Stufe erreichen und letzten Endes unsterblich werden, spekulieren Transhumanisten. Reiche und einflussreiche Menschen in weltweiten Spitzenpositionen von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft hängen dieser Ideologie an und treiben ihre Umsetzung mit viel Geld voran.

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Die vollständige Trennung von Sexualität und Fortpflanzung ist Teil der transhumanistischen Agenda. Sexualität ist aus Sicht der Transhumanisten eine rein körperliche Handlung, die Vergnügen und Befriedigung verschafft. Zu diesem Ziel können erwünschte sexuelle Empfindungen auch durch Pornografie, Drogen und andere Mittel hervorgerufen oder verstärkt und gleichzeitig unerwünschte reduziert werden.

Mutter wird unrelevant, das Kind zum Produkt

Transhumanisten betrachten die In-Vitro-Fertilisation als ersten Schritt in diese Richtung, versuchen aber zusätzliche Technologien wie künstliche Gebärmutter, Klonen und eingeschlechtliche Fortpflanzung (weiter) zu entwickeln, um Zeugung und Austragung von Kindern zukünftig von Geschlechtsakt und Mutterschaft zu trennen. Natürliche Vorgänge spielen dort keine Rolle mehr, wodurch die Frau als Mutter ebenso verschwindet wie das als Geschenk empfangene Kind zum reinen Produkt wird.

Nachlesen lassen sich diese Vorstellungen der Transhumanisten zu Fragen von Ehe, Familie und Sexualität etwa im Buch des deutschen Transhumanisten Stefan Lorenz Sorgner mit dem Titel Transhumanismus. „Die gefährlichste Idee der Welt!?“ oder im Aufsatz der amerikanischen Postgenderisten James J. Hughes und Georges Dvorsky mit dem Titel „Postgenderism: Beyond the Gender Binary“.

Kinder industriell in Massen herstellen

Die Zeitschrift MIT Technology Review, die im Mai/Juni 2015 auf ihrem Titelblatt stolz verkündete „We can now engineer the human race“ („Wir können nun die menschliche Rasse konstruieren“), gab im September 2023 bekannt, dass die künstliche Gebärmutter kurz vor der Erprobung am Menschen stehe. Wissenschaftler, die daran arbeiten – etwa im Children? Hospital of Philadelphia, im australisch-japanischen EVE Therapy Project oder im EU-finanzierten Perinatal Life Support Project –, weisen darauf hin, dass es sich hier nur um eine verbesserte Versorgung für Frühgeburten handle.

Vor zwei Jahren sorgte der Molekularbiologe Hashem Al-Ghaili mit einem Werbevideo zu einer fiktiven Firma namens EctoLife für Aufregung, in dem er beschrieb, wie zukünftig Kinder in Inkubatoren industriell in Massen hergestellt werden könnten. Er hatte transhumanistische Ideen und aktuelle wissenschaftliche Projekte logisch zu Ende gedacht.

Gestaltung des Geschlechts nach individuellen Wünschen

Folgerichtig spielt auch die natürliche Familie im Transhumanismus keine Rolle mehr. Sie kann abgeschafft und durch Beziehungskonstellationen zwischen zwei oder mehreren Erwachsenen ersetzt werden, die ihre Kinder mit genetischem Material von zwei oder mehr Menschen künstlich erzeugen lassen.

Auch das biologische Geschlecht betrachten Transhumanisten als unzumutbare Einschränkung der menschlichen Freiheit zu einer individuellen geschlechtlichen Identität. Transhumanisten werben für die Gestaltung des Geschlechts nach individuellen Wünschen und halten Zwischenformen des Menschen zwischen männlich und weiblich für ebenso akzeptabel wie die künstliche Erzeugung ganz neuartiger Geschlechtsorgane mit veränderten Funktionen.

Möglich: Androgynes Mischwesen mit Gebärfunktion

Dazu gehört die technische Transformation der mit dem jeweiligen biologischen Geschlecht verbundenen körperlichen Fähigkeiten (Befruchtung, Schwangerschaft, Stillen) auf eine Weise, die sie geschlechtsunabhängig macht. In Abhängigkeit von der technischen Machbarkeit könnte ein Mensch also beispielsweise in ein androgynes Mischwesen mit Gebärfunktion und völlig neuartigen Geschlechtsorganen verwandelt werden.

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Dass dies keine Fantasien aus Frankensteins Labor sind, zeigt ein Blick in die Behandlungsleitlinien der World Professional Association for Transgener Health (WPATH), die auch in die deutschen Behandlungsleitlinien für Trangender-Personen eingeflossen sind. Die achte Version der „Standards of Care“  erwähnt „Penis-erhaltende Vaginoplastik, Vaginoplastik mit Erhalt der Hoden und Eingriffe, die zu einem Fehlen der äußeren primären Geschlechtsmerkmale führen“ als mögliche Geschlechtsoperationen für nicht-binäre Menschen.

Die natürliche Familie spielt keine Rolle

Viele Ideen der Transhumanisten werden auch solchen Zeitgenossen seltsam bekannt vorkommen, die nie etwas vom Transhumanismus gehört haben. Verabschieden doch die Regierungen vieler Länder Gesetze, die Mehrelternfamilien, reproduktive Technologien, Leihmutterschaft, Geschlechtsumwandlungen, Pränataldiagnostik, Genforschung und Ähnliches fördern.

Neuestes aktuelles Beispiel sind die Pläne der Ampelregierung zur Änderung des Abstammungsrechts und zur Legalisierung von Eizellspende und Leihmutterschaft. Viele Bürger haben sich daran gewöhnt, dass Menschen mit unklarer oder fluider Geschlechtsidentität in sprachlichen Äußerungen besonders hervorzuheben sind, Pride-Paraden zu Großveranstaltungen und die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen zum Politikum wurde.

"Rapid Onset Gender Dysphoria“

Die Kenntnis der beschriebenen transhumanistischen Ideen und Ziele wirft auch ein besonderes Licht auf das etwa vor zehn Jahren aufgetauchte Phänomen der „Rapid Onset Gender Dysphoria“: Nahezu über Nacht vervielfachte sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen, meist Mädchen oder junge Frauen, die sich im falschen Körper wähnten und sogleich von Gleichaltrigen, Lehrern, LGBTQ-Aktivisten oder unkritischen Fachleuten in ihrer realen oder vermeintlichen Geschlechtsdysphorie bestärkt und zur Einnahme pubertätsblockender Hormone beziehungsweise hormoneller und chirurgischer Geschlechtsveränderungen ermutigt wurden.

Junge Menschen zerstörten ihren Körper und ihre Fruchtbarkeit, verzweifelte Eltern konnten sich nicht erklären, was geschehen war, Ehepaare stritten vor Gericht, ob ihrem Kind Pubertätsblocker verschrieben werden oder Schulen ihren Kindern gestatten dürfen, eine gegengeschlechtliche Identität anzunehmen. Junge Menschen mit Geschlechtsdysphorie hatte es auch vorher gegeben, nur waren dies früher einige wenige und die meisten versöhnten sich – entsprechende Studien haben dies nachgewiesen – nach einiger Zeit mit ihrem biologischen Geschlecht.

Trans ist nicht gleich Trans

Transsexualität ist nicht Transhumanismus. Transhumanisten wollen die Menschheit von Grund auf neu erfinden. Menschen, die sich im falschen Körper fühlen, haben hingegen ein Problem, unter dem sie leiden. Manche von ihnen glauben, dass die Antworten der Transgenderorganisationen ihnen helfen können, ein besseres Leben zu führen. Die Transgenderideologie aber, die die freie Wählbarkeit des eigenen Geschlechts vertritt und sich in Deutschland beispielsweise vor Kurzem im Selbstbestimmungsgesetz niedergeschlagen hat, weist erhebliche Parallelen zum Transhumanismus auf.

Dazu gehört eben die Vorstellung, dass das Geschlecht nicht angeboren sei, sondern frei entlang eines Kontinuums von männlich bis weiblich gewählt werden könne. Transhumanisten glauben, dass nur technologische Grenzen das freie Individuum daran hindern können, so zu werden, wie es sein will. Beide Ideologien vergötzen auf diese Weise den autonomen Willen nach dem Prinzip: „Was ich will, ist Realität.“ Ein Mann, der sich als Frau deklariert und sein äußeres Erscheinungsbild an seine gefühlte Geschlechtsidentität anpasst, erscheint also nicht nur als Frau, sondern ist eine Frau.

Grenzenlose Machbarkeit

Beide Ideologien wollen den menschlichen Leib mithilfe von Medizin, pharmazeutischen Produkten und Technologie manipulieren. Dazu führen beide Menschenexperimente durch. Die in einigen Ländern an Kinder verabreichten Pubertätsblocker führen etwa zu lebenslanger Unfruchtbarkeit und sinkender Knochendichte bei Heranwachsenden. Niemand weiß, welche Konsequenzen die von transhumanistischen Wissenschaftlern anvisierten oder schon durchgeführten Manipulationen des menschlichen Erbguts mithilfe der CRISPR-Technologie, der sogenannten Gen-Schere, haben werden.

Beide Ideologien befürworten die gesellschaftliche Akzeptanz von Sex in allen denkbaren Varianten und zielen auf Abschaffung der natürlichen Ehe und Familie. Beide reduzieren die menschliche Fruchtbarkeit. Beide favorisieren Androgynität, was sich in den immer zahlreicher werdenden Geschlechtsidentitäten und uneindeutigen äußeren Erscheinungsbildern äußert.

Falsche Erlösung 

Beide Ideologien versprechen ihren Anhängern eine falsche Erlösung und nehmen damit fast eschatologische Züge an: Die Transgenderideologie verspricht identitätssuchenden jungen Menschen mit psychischen Problemen, dass Medikamente, Operationen und die Zugehörigkeit zur bunten Trans-Community all ihre Probleme lösen werden; der Transhumanismus prophezeit der ganzen Menschheit eine glorreiche posthumane Zukunft.

Beide Ideologien werden von mächtigen nationalen und internationalen Institutionen, Regierungen, privaten Konzernen, NGOs, Stiftungen, Universitäten, Wissenschaftlern, Medien und der Popkultur unterstützt und/oder finanziert, etwa dem Weltwirtschaftsforum, großen IT-Konzernen und Superreichen wie Bill Gates oder Martine Alina Rothblatt.

Macht marginalisierter Minderheiten

Noch vor nicht allzu langer Zeit waren Homosexuelle und Transsexuelle gesellschaftlich marginalisierte Minderheiten. Ihre Organisationen waren klein, finanziell schlecht ausgestattet und wenig sichtbar. Heute ist das Gegenteil der Fall.

Auf den Webseiten größerer LGBTQ-Lobbygruppen wie Human Rights Campaign, Outright International, LGBTQ+ Victory Institute oder ILGA Europe lässt sich nachlesen, welche Institutionen, Stiftungen und Megakonzerne sie unterstützen. Nur: Niemals in der Geschichte der Menschheit hat sich die Macht- und Finanzelite der Welt aus selbstlosen Motiven vereint, um einer kleinen Gruppe marginalisierter Menschen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.


Die Bremer Sozialwissenschaftlerin Susanne Hartfiel ist Autorin des Buchs „Die Neuerfindung des Menschen“ (Dominus Verlag) über Transhumanismus und Eugenik.

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