Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Bildung und Erziehung

Bildung beginnt zuhause

Bücher, Besuche, Brauchtum: Bildung und Erziehung gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe. Beide sind am besten in den Händen von Vater und Mutter aufgehoben.
Bildung hat viele Gesichter
Foto: IMAGO/Zoonar.com/Kasper Ravlo (www.imago-images.de) | Bildung hat viele Gesichter und sie prägt die ganze Biografie. Damit ist sie eines der schönsten Geschenke, die Eltern ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben können.

Ständig nehmen wir mit allen Sinnen die Welt auf, deuten Eindrücke, vergleichen Erinnerungen, wir werten, reagieren und interagieren. Lernen findet überall statt, ein Leben lang. Weil gerade in jungen Jahren entscheidende Weichen gestellt werden, kommt dem Elternhaus bei der Bildung eine entscheidende Rolle zu. Kinder üben in den eigenen vier Wänden das Laufen, und nicht von ungefähr reden wir von Muttersprache.

Lesen Sie auch:

Es liegt an den Eltern, ob eine fremde Sprache wirklich erlernt wird. Lesen, Fahrradfahren und Schwimmen werden häufig von den Erziehungsberechtigten beigebracht. Ob Jugendliche im Haushalt helfen, ob sie Mahlzeiten zubereiten oder an handwerkliche Tätigkeiten herangeführt werden, ob sie Verantwortung für einen Teil des Gartens oder für Tiere übernehmen, ob sie im Sportverein ertüchtigt werden, die Messe dienen oder eine katholische Jugendgruppe besuchen, ob sie in einem Chor mitsingen, Stimmbildung und Instrumentalunterricht erhalten, all dies hängt von der eigenen Familie ab.

Lebensführung der Eltern prägt die Kinder

Vater und Mutter ermöglichen aber nicht nur verschiedene Angebote – durch ihre Lebensführung prägen sie unablässig ihre Söhne und Töchter: Welchen Stellenwert haben Bücher? Schaltet man bei Autofahrten ein spannendes Hörspiel ein? Spricht man gemeinsam über die Lektüre? Ausflüge mit der Familie können ein bewusstes Naturerleben fördern, ein Staunen über die Vielfalt, die Ordnung und die Schönheit von Schöpfung.

Um Gottes wunderbare Werke wahrzunehmen, muss man sich ihnen zuwenden, sich auf sie einlassen und ihre Gestalt verinnerlichen. Nur wer die Namen von Pflanzen, Steinen und Sternbildern kennt, wird auch einen Sinn für den uns umgebenden Reichtum entwickeln. Das Aufsuchen historischer Stätten schafft eine Verbindung mit den Leistungen unserer Vorfahren. Durch Wanderungen und Fahrradtouren lernt man seine Heimat kennen; Museumsbesuche, Exkursionen und Führungen vertiefen das Wissen in verschiedenen Fachgebieten.

Mehr als Abschlüsse wiegt das Herz

 

Der gemeinsame Besuch von Theater, Kino oder Konzert ist nicht nur kulturelle Teilhabe, sondern auch Herzensbildung. Gemäß einer Studie des „Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft e.V.“ (2021), begannen 79 Prozent der Kinder aus einem Akademikerhaushalt ein Studium, während nur 27 Prozent der Arbeiterkinder sich immatrikulierten ließen. Dies belegt, wie bedeutsam der Einfluss von Vater und Mutter in Fragen der Bildung sind.

Bedeutsamer als Abschlüsse ist jedoch die Haltung der Eltern. In der Familie werden Werte vermittelt, die die Bildungsbiografie maßgeblich beeinflussen: Verlässlichkeit, Fleiß, Gewissenhaftigkeit sowie das Streben nach Exzellenz, Zugewandtheit anderen Menschen gegenüber, Höflichkeit, Mitgefühl und Anteilnahme, selbstsicheres Auftreten gepaart mit Durchsetzungsvermögen. Wenn manch einer daran zweifelt, wie fruchtbar Erziehung überhaupt sein kann, weil Kinder bis zu einem gewissen Alter ihren Eltern alles nachmachen (und damit auch ihre Fehler übernehmen), dann sollte diese Einsicht Anlass sein, an sich selbst zu arbeiten. Wer seine Kinder liebt, muss um die ständige Reifung seines eigenen Charakters ringen, sich um Tugendhaftigkeit und ein ausgeglichenes Temperament mühen.

Keine Institution bereitet besser auf das Leben vor als die Familie

Mithilfe der Eltern lernt ein Kind die Menschenfurcht zu überwinden, etwa indem man zusammen an einem „Marsch für das Leben“ teilnimmt. Gleichzeitig ist es wichtig, dass niemand selbstgerecht oder gar überheblich wird. Wer mit Kindern Kranke besucht und sich regelmäßig um die Großeltern kümmert, fördert ihre Sozialkompetenz. Familienfeste, gesellschaftliche Anlässe, ja bereits die gemeinsame Mahlzeit sind Möglichkeiten, um Manieren einzuüben.

Was ist zu welchem Zweck die angemessene Kleidung? Welche Bräuche sind uns wichtig? Wie feiern wir Geburts- und Namenstage? Wie gehen wir mit Geld um? Leben wir eine Wegwerfmentalität vor oder reparieren wir und bewahren Ererbtes? „Erzieh den Knaben für seinen Lebensweg, dann weicht er auch im Alter nicht davon ab.“ (Sprüche 22,6) Keine Institution bereitet besser auf das Leben vor als die Familie, denn in ihr findet Leben im eigentlichen Sinne statt. Man erfährt Annahme und Geborgenheit, reibt sich, will sich behaupten, streitet, schenkt sich Verzeihung.

Bildung und Kultur anbieten

 

Trotz aller Mängel liegen Kinder niemanden mehr am Herzen als den eigenen Eltern. Von ihnen werden sie ermutigt, lernen Verantwortung zu übernehmen, bekommen Rat und Unterstützung, manchmal Zurechtweisung, aber hoffentlich auch immer wieder Anerkennung. Während Lehrer nur wenige Jahre mit einem Schüler zu tun haben, kennen Väter und Mütter ihren Nachwuchs von Anfang an.

Keiner weiß besser, welche Schwächen es auszugleichen gilt, was für Interessen und Fähigkeiten vorhanden sind. Klug gilt es einerseits durch Nachhilfe zu unterstützen, andererseits anzuerkennen, wo es Grenzen gibt. Wissen darf man nur anbieten, aber niemals eintrichtern.

Den Kindern Freiheit einräumen

Eltern müssen Töchtern und Söhnen die Freiheit einräumen, ihre Berufung zu finden. Einbeziehung in ehrenamtliche Tätigkeiten, Hinführung zur Arbeitswelt, Einsatz im caritativen Bereich und Teilnahme an musischen Aktivitäten können von Zuhause initiiert werden. Familie ist wie ein Baum: Die Äste wachsen auseinander, aber die Wurzeln halten alles zusammen.

Lesen Sie auch:

Gerade die religiöse Bildung hängt wesentlich von den Eltern ab: Das Gebet in der Familie, eine katholische Hausbibliothek, der gemeinsame Besuch der heiligen Messe sowie das Angebot, monatlich zu beichten. Es prägt auch die Kinder, wenn Vater und Mutter mit Priestern und Ordensleuten befreundet sind, wenn der Kontakt zu geistlichen Gemeinschaften selbstverständlich ist und die Heranwachsenden an altersgemäßen Katechesen teilnehmen.

Aus Bildung wächst Berufung

Paulus erkannte an Timotheus, wie wichtig die familiäre Glaubensvermittlung ist: „Ich denke an deinen aufrichtigen Glauben, der schon in deiner Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike lebendig war und der nun, wie ich weiß, auch in dir lebt.“ (2 Tim 1,5) Die Bedeutung der Eltern bei der Bildung bezeugt auch Jesus Sirach: „Denn der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt.“ (Sir 3, 2)

Fatal ist es dagegen, Erziehung und Bildung unreflektiert dem Staat zu überlassen. Bereits 2002 wollte Olaf Scholz die „Lufthoheit über den Kinderbetten erobern“ und 2008 sorgte Ursula von der Leyen durch das „Kinderförderungsgesetz“ (KiföG) für mehr „professionelle Erzieher“.

Nirgendwo wird ganzheitlicher und nachhaltiger gelernt als Zuhause

Tatsächlich wären Väter gut beraten, möglichst viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und mit ihnen weltanschauliche Konstrukte zu überdenken, welche im Unterricht vermittelt wurden. Die Berufung der Mutter ist es, das Herz der Familie zu sein, aus einer Wohnung ein Heim zu schaffen, für ihre Kinder ein offenes Ohr zu haben, sie fürsorglich zu begleiten.

Echte Chancengleichheit würde bedeuten, dass auch kinderreiche Familien mit einem Einkommen gut über die Runden kommen, damit ein Elternteil verlässlich für Kinder da sein kann. Keine Erziehungsanstalt hat einen so guten Betreuungsschlüssel wie die Familie. Nirgendwo wird ganzheitlicher und nachhaltiger gelernt als Zuhause.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Michael K. Hageböck Marsch für das Leben Olaf Scholz Ursula von der Leyen Väter

Weitere Artikel

Die Politik will irreguläre Migration nach Europa begrenzen und lobt den neuen EU-Kompromiss. Von kirchlicher Seite jedoch kommen warnende Stimmen.
20.12.2023, 17 Uhr
Meldung
Mit Kindern Eucharistie mitzufeiern, muss nicht ein ständiger Kampf sein: Wie die heilige Messe für die ganze Familie zum Segen wird.
21.04.2024, 11 Uhr
Dorothea Hageböck Michael K. Hageböck

Kirche

Meuser sieht im Angriff des liberalen Theologen Thomas Halagan auf Hartl einen Vernichtungswillen gegenüber allen geistlichen Bewegungen.
17.05.2024, 10 Uhr
Meldung