„Same procedure as last year?“ Was beim legendären englischen Sketch „Dinner for One“ immer wieder für Heiterkeit sorgt, hat sich im Verhältnis der katholischen Kirche in Deutschland zu Rom zu einem weniger amüsanten Ritual entwickelt: Deutschland geht eigene Wege – Rom reagiert, setzt Grenzen, macht Vorgaben – Deutschland interpretiert um oder stellt sich taub.
Wie Ersteres – das Umdeuten – funktioniert, zeigte sich 2019 auf bemerkenswerte Weise, als Papst Franziskus seinen Brief „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ schrieb. Während Franziskus darin vor Alleingängen warnte, verstanden der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und ZdK-Präsident Thomas Sternberg das Schreiben als „Ermutigung auf dem Synodalen Weg“.
Rom sollte seine Schlüsse ziehen
Wie Letzteres – das Taubstellen – funktioniert, zeigt sich derzeit im Erzbistum Hamburg, wo ab heute das Dokument „Männlich, weiblich, divers: Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ umgesetzt wird. Rom hatte diesbezüglich vor Kurzem klargestellt, „dass hinsichtlich der Frage etwaiger Leitlinien zur Sexualerziehung die Position weiterhin jene bleibt, die im Dokument ‚Als Mann und Frau schuf er sie – Für einen Weg des Dialogs zur Gender-Frage im Bildungswesen‘ enthalten ist.“
Doch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße scheint unter anderem aus den Auseinandersetzungen um den Synodalen Weg und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare gelernt zu haben, wie man in Deutschland mit römischen Einwänden umgeht: ruhig halten, aussitzen – und weitermachen. „Same procedure as every year!“
Bleibt zu hoffen, dass auch Rom aus diesem wiederkehrenden Ritual seine Schlüsse zieht.
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