Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Streit um Handreichung

Vatikan reagiert auf Streit um sexuelle Bildung im Erzbistum Hamburg

Das Dikasterium für Kultur und Bildung verweist in seiner Antwort auf „Als Mann und Frau schuf er sie“. Eltern fordern von Erzbischof Heße die Rücknahme des ab 20. August an den katholischen Schulen geltenden Rahmenkonzepts.
Hand mit Buntstiften in Regenbogenfarben
Foto: IMAGO/berkay (www.imago-images.de) | Das Dokument „Männlich, weiblich, divers: Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ sorgt schon seit längerer Zeit für Proteste von Eltern. Nun hat der Vatikan reagiert.

Der Vatikan hat nach monatelanger Zurückhaltung auf den Protest katholischer Eltern gegen das Dokument „Männlich, weiblich, divers: Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ reagiert.

Lesen Sie auch:

In seiner Stellungnahme bekräftigte das Dikasterium für Kultur und Bildung, unterzeichnet vom Untersekretär Monsignore Matthias Ambros, die geltende kirchliche Lehre von zwei Geschlechtern: Das Dikasterium bestätigte, „dass hinsichtlich der Frage etwaiger Leitlinien zur Sexualerziehung die Position weiterhin jene bleibt, die im Dokument ‚Als Mann und Frau schuf er sie – Für einen Weg des Dialogs zur Gender-Frage im Bildungswesen‘ enthalten ist, das von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen am 2. Februar 2019 veröffentlicht wurde.“ Weiterhin bedankte sich das Dikasterium bei den Eltern für ihren „Einsatz im Dienst der katholischen Erziehung“.

„Rom hat uns gehört. Rom hat geantwortet“

Varinia Arauco, Sprecherin des Elternnetzwerks Kinderschutz und Prävention und Mutter dreier Kinder einer katholischen Schule Hamburgs, zeigte sich in einer am Dienstag über die sozialen Netze verbreiteten Videobotschaft erleichtert: „Rom hat uns gehört. Rom hat geantwortet.“

Die Antwort aus Rom ist auf den 6. Juli 2026 datiert. Nach deren Erhalt wollte das Elternnetzwerk zunächst dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße Gelegenheit geben, auf das Schreiben aus Rom zu reagieren. In einem Brief vom 14. August an den Hamburger Oberhirten, mit dem sich das Elternnetzwerk seit Juli vergangenen Jahres um einen Dialog bemüht hatte, forderte es „die unverzügliche Rücknahme des derzeitigen Rahmenkonzepts“. Dessen Umsetzung ist für den 20. August geplant.

Lesen Sie auch:

Das Elternnetzwerk schrieb an Erzbischof Heße, es habe vor dem Hintergrund der Stellungnahme des Dikasteriums das „Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ mit dem römischen Dokument „Als Mann und Frau schuf er sie“ verglichen. Es bestünden „schwerwiegende Widersprüche zwischen den beiden Schreiben in grundlegenden anthropologischen und ethischen Fragen rund um Ehe, Familie und Sexualität“. 20 solcher Widersprüche formulierte das Elternnetzwerk in einem Dokument, das es dem Erzbischof mitschickte und mit „Hamburg versus Rom“ betitelte.

Elternnetzwerk erhält keine Antwort vom Erzbistum Hamburg

Diesen Widerspruch zwischen den Vorgaben der Universalkirche und dem Vorgehen einer Ortskirche könne man „um der Integrität unseres katholischen Glaubens willen“ nicht hinnehmen, erklärte das Netzwerk. Es forderte daher den Erzbischof auf, das Rahmenkonzept „durch Richtlinien zur Sexualerziehung, die insbesondere das Elternrecht und den Kinderschutz gewährleisten und in vollem Einklang mit der katholischen Sexuallehre sowie den Vorgaben des Heiligen Stuhls stehen“, zu ersetzen. Eine schriftliche Mitteilung über die Rücknahme des Rahmenkonzepts forderte das Netzwerk bis spätestens 17. August. Eine Antwort des Erzbistums erhielt das Elternnetzwerk bis heute nicht.

Am Dienstag verbreitete Arauco einen „Aufruf an die Katholiken in Deutschland“: „Als Kirche sind wir ein Leib in Christus. Wenn es um unsere Kinder, ihren Glauben und ihre christliche Erziehung geht, sind wir alle als Schwestern und Brüder im Glauben aufgerufen, füreinander einzustehen.“ Sie bittet darin, nicht zu schweigen und mitzuhelfen, „dass die Antwort aus Rom und die Sorge der betroffenen Familien weit über Hamburg hinaus gehört werden“.

Eine Anfrage der „Tagespost“ an Erzbischof Heße zur Antwort des Dikasteriums, deren Konsequenzen für das Rahmenkonzept sowie zu den Forderungen des Elternnetzwerks blieb unbeantwortet.

Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Sina Hartert Erzbischöfe Erzbistum Hamburg Jesus Christus Katholikinnen und Katholiken Monsignore Stefan Heße

Weitere Artikel

Die Exkommunikation für unerlaubte Bischofsweihen wurde 1951 auch wegen der Situation der Kirche im kommunistischen China eingeführt. Heute übt Rom gegenüber dem Land Nachsicht.
07.08.2026, 19 Uhr
Jakob Naser
Monsignore Leo Maasburg begleitete Mutter Teresa sieben Jahre lang in Indien und weltweit, war ihr Dolmetscher, Organisator und Beichtvater.
04.10.2025, 09 Uhr
Stephan Baier
Wenn weltliche und geistliche Macht aneinandergeraten: In der Geschichte hat sich das Papsttum am Ende immer behauptet.
20.04.2026, 09 Uhr
Henry C. Brinker

Kirche

In dem Dorf Konotopie bei Torun ist die größte Marienstatue Europas geweiht worden. Gestiftet hat sie ein Unternehmer als Dank für seine Genesung.
19.08.2026, 06 Uhr
Marek Bialy
„Öffentliche Sünder“ aufgepasst? Ein italienischer Bischof erläutert Restriktionen für kirchliche Bestattungen.
18.08.2026, 16 Uhr
José García
US-Katholiken befürworten mehrheitlich die Todesstrafe für Mörder. Die Kirche, die das Lebensrecht jedes Menschen im öffentlichen Bewusstsein verankern will, scheint hier zu scheitern.
18.08.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz verbrannte sich vor 50 Jahren selbst. Er wurde in der DDR verfolgt, von seiner Kirche fühlte er sich verraten.
18.08.2026, 08 Uhr
Wolfgang Stock