Der Vatikan hat nach monatelanger Zurückhaltung auf den Protest katholischer Eltern gegen das Dokument „Männlich, weiblich, divers: Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ reagiert.
In seiner Stellungnahme bekräftigte das Dikasterium für Kultur und Bildung, unterzeichnet vom Untersekretär Monsignore Matthias Ambros, die geltende kirchliche Lehre von zwei Geschlechtern: Das Dikasterium bestätigte, „dass hinsichtlich der Frage etwaiger Leitlinien zur Sexualerziehung die Position weiterhin jene bleibt, die im Dokument ‚Als Mann und Frau schuf er sie – Für einen Weg des Dialogs zur Gender-Frage im Bildungswesen‘ enthalten ist, das von der Kongregation für das Katholische Bildungswesen am 2. Februar 2019 veröffentlicht wurde.“ Weiterhin bedankte sich das Dikasterium bei den Eltern für ihren „Einsatz im Dienst der katholischen Erziehung“.
„Rom hat uns gehört. Rom hat geantwortet“
Varinia Arauco, Sprecherin des Elternnetzwerks Kinderschutz und Prävention und Mutter dreier Kinder einer katholischen Schule Hamburgs, zeigte sich in einer am Dienstag über die sozialen Netze verbreiteten Videobotschaft erleichtert: „Rom hat uns gehört. Rom hat geantwortet.“
Die Antwort aus Rom ist auf den 6. Juli 2026 datiert. Nach deren Erhalt wollte das Elternnetzwerk zunächst dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße Gelegenheit geben, auf das Schreiben aus Rom zu reagieren. In einem Brief vom 14. August an den Hamburger Oberhirten, mit dem sich das Elternnetzwerk seit Juli vergangenen Jahres um einen Dialog bemüht hatte, forderte es „die unverzügliche Rücknahme des derzeitigen Rahmenkonzepts“. Dessen Umsetzung ist für den 20. August geplant.
Das Elternnetzwerk schrieb an Erzbischof Heße, es habe vor dem Hintergrund der Stellungnahme des Dikasteriums das „Rahmenkonzept für sexuelle Bildung an den katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg“ mit dem römischen Dokument „Als Mann und Frau schuf er sie“ verglichen. Es bestünden „schwerwiegende Widersprüche zwischen den beiden Schreiben in grundlegenden anthropologischen und ethischen Fragen rund um Ehe, Familie und Sexualität“. 20 solcher Widersprüche formulierte das Elternnetzwerk in einem Dokument, das es dem Erzbischof mitschickte und mit „Hamburg versus Rom“ betitelte.
Elternnetzwerk erhält keine Antwort vom Erzbistum Hamburg
Diesen Widerspruch zwischen den Vorgaben der Universalkirche und dem Vorgehen einer Ortskirche könne man „um der Integrität unseres katholischen Glaubens willen“ nicht hinnehmen, erklärte das Netzwerk. Es forderte daher den Erzbischof auf, das Rahmenkonzept „durch Richtlinien zur Sexualerziehung, die insbesondere das Elternrecht und den Kinderschutz gewährleisten und in vollem Einklang mit der katholischen Sexuallehre sowie den Vorgaben des Heiligen Stuhls stehen“, zu ersetzen. Eine schriftliche Mitteilung über die Rücknahme des Rahmenkonzepts forderte das Netzwerk bis spätestens 17. August. Eine Antwort des Erzbistums erhielt das Elternnetzwerk bis heute nicht.
Am Dienstag verbreitete Arauco einen „Aufruf an die Katholiken in Deutschland“: „Als Kirche sind wir ein Leib in Christus. Wenn es um unsere Kinder, ihren Glauben und ihre christliche Erziehung geht, sind wir alle als Schwestern und Brüder im Glauben aufgerufen, füreinander einzustehen.“ Sie bittet darin, nicht zu schweigen und mitzuhelfen, „dass die Antwort aus Rom und die Sorge der betroffenen Familien weit über Hamburg hinaus gehört werden“.
Eine Anfrage der „Tagespost“ an Erzbischof Heße zur Antwort des Dikasteriums, deren Konsequenzen für das Rahmenkonzept sowie zu den Forderungen des Elternnetzwerks blieb unbeantwortet.
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