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„Kein Bruch mit unserer Geschichte“

Der Vatikan hat den vierjährigen Reflexionsprozess der „Servi Jesu et Mariae“ abgeschlossen. Der Generalobere der Gemeinschaft, Pater Markus Christoph, zieht Bilanz.
Pater Markus Christoph, Generaloberer der SJM
Foto: Picasa | „Der Reflexionsprozess blieb nicht bei allgemeinen Überlegungen stehen. Was wir über unsere Identität, unser geistliches Leben erkannt haben, sollte auch eine verbindliche Form erhalten", meint Pater Markus Christoph.

Herr Pater Christoph, wie lässt sich die Bilanz des Reflexionsprozesses zusammenfassen?

Die vergangenen vier Jahre waren für unsere Gemeinschaft eine Zeit der Standortbestimmung und der Erneuerung. Die SJM wurde 1988 gegründet, vor 38 Jahren. Seither haben wir uns als Gemeinschaft entwickelt, Gewohnheiten haben sich gebildet, verschiedene Aufgaben sind uns im Lauf der Jahre „zugewachsen“, und manchmal sind kurzfristige Lösungen zum Standard geworden. Ein kritisch-reflektierter Blick auf das eigene Tun ist von Zeit zu Zeit hilfreich: Was machen wir? Warum tun wir das? Wäre es nicht auch anders besser? Selbstkritische Fragen sind natürlich zunächst anstrengend und unbequem. Doch rückblickend staunen wir darüber, wie einmütig und mit eindeutigen Ergebnissen wir unseren Reflexionsprozess im Sommer im Rahmen unseres Generalkapitels abschließen konnten. Obwohl unsere Gemeinschaft inzwischen ganz unterschiedliche Generationen umfasst – mit teils verschiedenen Zugängen zu Sachfragen – ergab sich am Ende bei allen Themen ein überwältigender Konsens. Nach dieser Zeit des Innehaltens wollen und können wir jetzt mit geschärftem Blick und mit erneuertem Geist als Diener Jesu und Mariens zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen wirken. 

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Welche Themen standen während des Reflexionsprozesses im Mittelpunkt?

Zunächst stand die Frage nach unserer Identität im Zentrum: Was bedeutet es heute, Diener Jesu und Mariens zu sein? Dabei haben wir unsere geistlichen Kraftquellen neu in den Blick genommen: Heilige Schrift, Liturgie, persönliches Gebet, Eucharistie und Verehrung der Gottesmutter. Wir wollen nicht nur viele gute Dinge tun, sondern eine Gemeinschaft sein, deren Apostolat aus einer lebendigen Beziehung zu Christus herauswächst. Ein zweiter Schwerpunkt war unser Leben. Jesus beruft jeden persönlich, aber nicht zum Einzelgängertum. Wir leben deshalb in Kommunitäten, in denen verschiedene Persönlichkeiten ihren Platz haben. Gleichzeitig soll in ihnen unser Charisma als Gemeinschaft sichtbar werden. Dazu gehören auch Fragen nach Kommunikation, gegenseitiger Rückmeldung, Verantwortung und dem Umgang mit Autorität. Sehr konkret haben wir auf unsere Apostolate geschaut: Liturgie und Pfarrseelsorge, Jugendarbeit und Pfadfinder, Familienpastoral, Bildung, Exerzitien und Mission. Die Frage war immer: Wo und wie können wir mit unseren Möglichkeiten fruchtbar dienen? Daraus entstand ein klares Bild: Wir wollen Menschen helfen, Christus zu begegnen, im Glauben selbstständig zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Schließlich ging es um unsere Gelübde. Wir haben dazu die Ordensregeln des heiligen Ignatius als Grundlage unseres Ordenslebens herangezogen. Gerade bezüglich der Ordensgelübde Armut, Keuschheit und Gehorsam wollten wir verstehen, wie diese heute konkret gelebt werden können, und haben dazu hilfreiche Kommentare erarbeitet. So verbindet sich geistliche Tradition mit Blick auf die Gegenwart.

Was ändert sich durch den Prozess im konkreten Leben der Gemeinschaft?

„Natürlich wollen wir vergangene Fehler vermeiden.
Einseitigkeiten und wenig hilfreiche Gewohnheiten sollen abgestellt werden"

Es geht nicht darum, dass jetzt alles grundlegend anders wäre. Natürlich wollen wir vergangene Fehler vermeiden. Einseitigkeiten und wenig hilfreiche Gewohnheiten sollen abgestellt werden. Vieles, was wir bereits leben, hat sich bestätigt. Wir wollen es aber bewusster, klarer und verbindlicher tun. Im gemeinsamen Austausch haben wir ein Bild davon gewonnen, was uns trägt und wohin wir wollen – ein großer gemeinsamer Gewinn. Bezüglich unseres Kommunitätslebens wollen wir nicht einfach mehrere Priester und Brüder sein, die zufällig unter einem Dach wohnen und jeweils ihre Aufgaben erfüllen. Die kleinen Kommunitäten sollen geistliche Gemeinschaften sein: Orte des gemeinsamen Gebets, des Austauschs, der gegenseitigen Unterstützung und der Korrektur. Auch die Teamarbeit in unseren Apostolaten soll enger und wirkungsvoller werden. Ein weiterer Punkt betrifft unsere Sendung. Wir wollen dort präsent sein, wo Menschen nach Gott suchen: bei Jugendlichen und Familien, in Bildung und Katechese, bei Exerzitien und in der missionarischen Arbeit. Entscheidend ist, dass Menschen näher zu Christus finden. Schließlich haben wir Hilfen erarbeitet, um unsere Lebensform im Alltag besser zu verwirklichen. Zu den ignatianischen Ordensregeln passende, zeitgemäße Kommentare helfen uns, Armut, Keuschheit und Gehorsam im heutigen Leben konkret zu leben. Der Prozess hat unseren Alltag nicht umgekrempelt. Er hat uns jedoch geholfen, unser Leben neu zu verstehen, Schwachstellen wahrzunehmen und mit größerer gemeinsamer Klarheit nach vorn zu gehen. Davon ist im Alltag bereits etwas zu spüren.

Welche Auswirkungen hat der Reflexionsprozess auf die Satzungen Ihrer Gemeinschaft?

Der Reflexionsprozess blieb nicht bei allgemeinen Überlegungen stehen. Was wir über unsere Identität, unser geistliches Leben erkannt haben, sollte auch eine verbindliche Form erhalten. Deshalb wurden die Ergebnisse im Generalkapitel im Juni 2026 formell in Kraft gesetzt und anschließend dem Heiligen Stuhl vorgelegt. So ist aus gemeinsamem Nachdenken eine verbindliche Grundlage für unser Ordensleben geworden. Wichtig war uns, nicht einfach möglichst viel in Satzungen hineinzuschreiben. Wir leben ja nicht von Paragraphen, sondern vom gemeinsamen Geist der Liebe zu Christus. Die Satzungen sollen daher vor allem helfen, diese Wirklichkeit zu schützen und im Alltag umzusetzen. Ein zentraler Bereich betrifft unsere Grundsätze des Gemeinschaftslebens, der Verantwortung und der Zusammenarbeit sowie unserer Sendung und unserer Apostolate. Dabei wollten wir in besonderer Weise die Verbindung zwischen unserer ignatianischen Spiritualität und den konkreten Anforderungen unserer Zeit stärker sichtbar machen. Insofern sind die neuen beziehungsweise überarbeiteten Regelungen kein Bruch mit unserer Geschichte, sondern eine Erneuerung und eine Hilfe, sie treuer und lebendiger weiterzuführen. Während des gesamten Reflexionsprozesses begleitete uns unser Apostolischer Assistent, Altabt Raimund Schreier OPraem, mit viel Wohlwollen und großem Erfahrungsschatz. Zugleich unterstützte uns das Religiosendikasterium mit sachkundiger Kompetenz und gab uns abschließend diese Ermutigung mit auf den Weg: „Wir danken dem bisherigen Generaloberen, Pater Paul Schindele SJM, seinem Rat sowie der gesamten Gemeinschaft herzlich für den mutigen und gelungenen Weg der Reflexion und Erneuerung. (…) Der neu gewählten Generalleitung, allen Mitgliedern Ihres Instituts sowie den angeschlossenen Apostolatswerken erbitten wir auf die Fürsprache der Unbefleckten Empfängnis der seligen Jungfrau Maria Gottes reichen Segen.“ 

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