Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kinderimpuls

Es ist nie zu spät

Gottes Gerechtigkeit ist eine andere als unsere „Rechen-Gerechtigkeit“. Wisst ihr, wie? Die Auflösung des Bibel-Quiz aus der Printausgabe der „Tagespost“ findet ihr am Ende des Evangeliums-Impulses.
Gleichnis vom Weinberg
Foto: Peter Esser | Gleichnis vom Weinberg: Kinderimpuls zu Mt 20,1–16.

Ein milder Herbstnachmittag. Jonas, Emma und Opa kommen gerade vom Spaziergang zurück. Unterwegs haben sie Kastanien gesammelt. Opa, der Jäger ist, hatte den Kindern erklärt: „Im Winter freuen sich die Rehe und Wildschweine über die Kastanien, die wir ihnen bringen.“ Damit das Sammeln spannend bleibt, hatte er ihnen versprochen: „Wenn ihr euch anstrengt, bekommt ihr zur Belohnung eine Tafel Schokolade.“ Emma hat deutlich mehr Kastanien gefunden als Jonas – doch am Ende legt Opa für beide je eine Tafel auf den Tisch. Emma ist empört: „Das ist unfair! Ich habe doch viel mehr gesammelt.“ Opa lächelt. „Deine Reaktion passt perfekt zum Sonntagsevangelium.“

Lesen Sie auch:

Er setzt sich in seinen Sessel und beginnt zu erzählen: „Jesus erzählt eine Geschichte von einem Weinbergbesitzer. Früh am Morgen geht er auf den Marktplatz und stellt Arbeiter ein. Sie arbeiten den ganzen Tag – dafür verspricht er ihnen einen Denar, das ist ein Tageslohn.“ Emma nickt. „Klar. Wer viel arbeitet, bekommt viel.“

„Aber“, fährt Opa fort, „der Mann geht auch später noch einmal los: mittags, am Nachmittag und sogar kurz vor Feierabend. Er stellt immer neue Arbeiter ein – obwohl sie nur noch wenig Zeit haben zu arbeiten.“

Jonas runzelt die Stirn. „Dann bekommen die doch weniger, oder?“ Opa schüttelt den Kopf. „Genau das Überraschende passiert am Abend: Alle bekommen denselben Lohn – die, die den ganzen Tag gearbeitet haben, und die, die erst ganz spät gekommen sind.“

Emma reißt die Augen auf. „Das ist doch total ungerecht!“ „So dachten auch die Arbeiter“, sagt Opa. „Sie murrten und beschwerten sich. Aber der Weinbergbesitzer antwortete: Bin ich nicht frei, mit dem, was mir gehört, zu tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“

Jonas denkt nach. „Aber warum macht der Weinbergbesitzer das?“ Opa lehnt sich vor. „Jesus will uns zeigen: Gottes Gerechtigkeit ist nicht wie unsere Rechen-Gerechtigkeit. Gott schaut nicht nur darauf, wie viel jemand leistet, sondern auf unseren guten Willen und darauf, dass jeder gesehen und beschenkt wird.“

Emma sagt: „Also freut sich Gott auch über die, die spät kommen?“ „Ja“, antwortet Opa. „Für Gott ist keiner zu spät. Jeder darf kommen. Jeder ist wichtig.“

Opa schaut auf die Kastanien: „Jesus lädt uns ein, Gott zu vertrauen. Nicht neidisch zu vergleichen, sondern dankbar zu sein. Denn bei Gott zählt nicht, wer zuerst oder am längsten da war – sondern dass wir da sind.“

Der Autor ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae und ist als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.


Auflösung zum Bibel-Quiz:
Wie viele Denare verdient ein Arbeiter pro Tag? – Einen Denar
Was werden die Letzten sein? – Die Ersten

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Jetzt die „Tagespost“ abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Martin Linner Jesus Christus

Weitere Artikel

Was Jesus damit meint, wenn er sich mit einer Tür vergleicht und warum Jesus gleichzeitig der Hirte ist, der uns beschützt.
23.04.2026, 07 Uhr
Martin Linner
Eine kleine Geschichte darüber, was es heißt, Salz und Licht der Welt zu sein – und woher diese Kraft kommt. Die Auflösung des Bibel-Quiz findet ihr am Ende des Evangeliums-Impulses.
05.02.2026, 05 Uhr
Martin Linner
Der Vatikan hat den vierjährigen Reflexionsprozess der „Servi Jesu et Mariae“ abgeschlossen. Der Generalobere der Gemeinschaft, Pater Markus Christoph, zieht Bilanz.
03.10.2026, 14 Uhr
Regina Einig

Kirche

Zehn Jahre „Amoris laetitia“: Der DBK-Vorsitzende lobt die „hohe Kunst des Zuhörens“ beim Treffen in Rom und nimmt die Erkenntnis mit, dass sich die Kirche weiterentwickelt.
16.10.2026, 11 Uhr
Meldung
Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Die Piusbruderschaft hat in Rom Beschwerde gegen die Exkommunikation eingelegt. Der Kölner Offizial Peter Fabritz erläutert die rechtlichen Folgen.
16.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig
Nach ihm ist St. Gallen benannt: Der heilige Gallus errichtete dort eine Einsiedelei. Auch in Füssen, Kempten und am Bodensee ist er noch heute ein Begriff.
16.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock