Jonas und Emma verbringen die letzten Ferientage bei den Großeltern. Jonas freut sich, bald wieder seine Schulkameraden zu sehen, aber Emma seufzt: „Hoffentlich sitze ich nicht wieder bei Lisa. Sie klaut mir dauernd meine Stifte und schreibt von mir ab. Wenn es so ist, gehe ich sofort zur Klassenlehrerin.“ Opa beruhigt Emma. „Erst mal abwarten!“ Dann sagt er: „Ich denke, das ist jetzt der richtige Moment, zu hören, was Jesus uns am Sonntag erzählt. Petrus stellt Jesus nämlich eine interessante Frage: ‚Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben?‘ und schlägt großzügig vor: ‚Siebenmal?‘“
Emma nuschelt: „Siebenmal, ja, Petrus ist großzügig, so lange warte ich nicht, um zur Lehrerin zu gehen!“ Opa sagt ruhig: „Petrus ist großzügig, wenn man ihn mit den Pharisäern vergleicht. Sie hätten eher zwei- oder dreimal vorgeschlagen, aber Jesus rechnet nicht. Für ihn gibt es keine Grenze. Und Jesus erzählt ein Gleichnis, eine erfundene Geschichte mit einer tieferen Botschaft. Er erzählt von einem König, der seine Diener zu sich kommen lässt. Der erste schuldet ihm 10.000 Talente, eine enorme Summe. Weil der Diener nicht zurückzahlen kann, will ihn der König verkaufen, ihn, seine Familie und seinen Besitz.“
„Oje, der arme Mann!“, sagt Jonas. Opa erzählt weiter: „Aber sobald der Diener um Geduld bittet, hat der König Mitleid. Er verlangt kein Geld mehr und schenkt ihm alles.“
„Ende gut, alles gut!“, ruft Jonas. „Es ist nicht zu Ende“, erwidert Opa, „kaum hat der Diener den König verlassen, trifft er einen Arbeitskollegen, der ihm hundert Denare schuldig ist. Hundert Denare ist fast nichts, eine Minisumme. Was macht der Diener? Er packt ihn am Hals und ruft: ‚Bezahl!‘ Der Kollege bittet auch um Geduld, aber der Diener will nichts hören und lässt ihn ins Gefängnis werfen.“
Jonas und Emma sind empört: „Der ist gemein! Hoffentlich erfährt es der König!“
Opa nickt: „Ihr protestiert und habt recht! Ja, der König erfährt es. Er ruft den bösen Diener zu sich und fragt ihn: ‚Hättest du nicht mit deinem Kollegen Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?‘ Auch uns fragt Jesus: Denkst du dran, dass ich dir immer vergebe? Ist es nicht normal, dass du anderen auch verzeihst?“
Die Kinder schweigen, da nimmt Opa das Kreuz von der Wand und legt es auf den Tisch: „Für jeden von uns hat Jesus sein Leben hingegeben. Er schenkt uns alles und vergibt uns jeden Tag. Wenn jemand mich beleidigt, ist es fast nichts im Vergleich mit dem, was Jesus für mich getan und ertragen hat. Jesus möchte, dass unser Herz seinem ähnlich wird, voller Liebe und Geduld. Es ist nicht einfach, ich weiß es, darum bitten wir oft: ‚Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.‘“
Emma senkt den Kopf: „Vielleicht sollte ich doch nicht gleich zur Lehrerin gehen, wenn Lisa mir meine Stifte wegnimmt.“
Die Autorinnen sind Mitglieder der Gemeinschaft Notre-Dame de Vie.
Auflösung zum Bibel-Quiz:
Wie oft soll man vergeben? – Siebzigmal siebenmal
Wieviel Talente ist der Knecht dem König schuldig? – Zehntausend Talente
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