Der September bringt kühlere Abende. Jonas, Emma und Opa sitzen im Wohnzimmer, draußen rascheln schon die ersten herbstlichen Blätter. Jonas wirkt ungewohnt still. „Opa“, sagt er schließlich, „was macht man eigentlich, wenn man sich mit jemandem richtig streitet?“
Opa schaut ihn aufmerksam an. „Das ist eine gute Frage. Hm. Ich glaube, das morgige Evangelium gibt dazu eine Antwort.“
Und er beginnt zu erzählen: „Jesus spricht davon, was geschieht, wenn ein Mensch einem anderen Unrecht tut. Er sagt zuerst etwas ganz Einfaches: Geh zu ihm hin und sprich mit ihm – unter vier Augen.“ Emma nickt. „Also nicht gleich alles weitererzählen.“ „Genau“, sagt Opa. „Jesus will, dass wir den anderen nicht bloßstellen, sondern ihn gewinnen.“
Jonas denkt nach. „Und wenn der andere nicht zuhört?“ „Dann“, erklärt Opa, „soll man ein oder zwei andere dazunehmen. Menschen, die helfen können, ehrlich und gerecht zu bleiben.“ Emma sagt: „Damit es nicht nur meine Meinung ist.“ „Richtig“, bestätigt Opa. „Gemeinschaft hilft, die Wahrheit zu finden.“
„Jesus spricht aber noch weiter“, erzählt Opa: „Wenn selbst das nichts bringt, dann soll die Gemeinde einbezogen werden.“ Jonas fragt: „Heißt das, man gibt jemanden auf?“ Opa schüttelt den Kopf. „Nein. Es geht nie darum, jemanden loszuwerden, sondern immer darum, ihn zurückzugewinnen.“
Dann fährt Opa fort: „Jesus spricht dann von der Vollmacht zu binden und zu lösen.“ Emma schaut fragend. „Das heißt“, erklärt Opa, „Gott traut seiner Kirche zu, Verantwortung zu übernehmen: Schuld ernst zu nehmen – aber auch Vergebung zu schenken.“
Jonas erinnert sich: „So wie beim Beichten?“ „Ja“, sagt Opa. „Ganz genau. Auch da hat der Priester die Vollmacht, von den Sünden loszusprechen.“
Dann kommt ein Satz, den Emma besonders mag. Opa liest langsam: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Emma lächelt. „Dann ist Jesus auch jetzt hier bei uns, oder?“ Opa nickt. „Ja. Wann immer wir ehrlich miteinander sind, wenn wir Frieden suchen, dann ist Jesus mitten unter uns.“
Jonas schaut zu Emma. „Dann sollte man Streit nicht einfach stehen lassen.“ „Nein“, sagt Opa fest. „Jesus zeigt uns einen Weg: zuhören, sprechen, Geduld haben – und immer die Hoffnung behalten, dass Versöhnung möglich ist.“
Draußen wird es dunkel. Und Jonas hat eine Idee, wie er am Montagmorgen in der Schule seinen Streit lösen kann.
Der Autor ist Mitglied der Ordensgemeinschaft der Servi Jesu et Mariae und ist als Seelsorger in der Familien- und Jugendarbeit tätig.
Auflösung zum Bibel-Quiz:
Von wie vielen Zeugen spricht Jesus? – Zwei oder drei Zeugen
Was passiert, wenn zwei oder drei in Jesu Namen versammelt sind? – Da ist er mitten unter ihnen
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