Der neue Papst-Botschafter in Deutschland, Nuntius Hubertus van Megen, hat in einem kurzen Grußwort zum Einsatz für den Erhalt einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung aufgerufen. „Ich möchte alle Menschen guten Willens in Sachsen ermutigen, nicht nachzulassen, sich um Freiheit, Demokratie und für das Wohl aller Menschen in diesem so schönen Freistaat einzusetzen. Gott segne die Menschen in Sachsen“, sagte der Erzbischof beim Jahresempfang des Katholischen Büros Sachsen am Montagabend in Dresden. Es war van Megens erster öffentlicher kirchlicher Auftritt als Apostolischer Nuntius.
Dabei würdigte der Papst-Botschafter das Verhältnis von Staat und Kirche in Sachsen, dessen rechtliche Grundlage der vor 30 Jahren unterzeichnete Staatskirchenvertrag zwischen dem Freistaat und dem Vatikan bildet. Das Konkordat sei in den vergangenen Jahrzehnten mit Leben gefüllt und die wechselseitigen Beziehungen seien vertieft worden. „Die freiheitliche Gesellschaftsordnung ist und bleibt dabei die Bedingung der Möglichkeit von wahrhaft freundschaftlichen Beziehungen, weil beide Partner sich dieser demokratischen Ordnung verpflichtet wissen“, betonte van Megen, der seit dem 23. Juli offiziell im Amt ist.
Knapp zweihundert Gäste aus Politik und Gesellschaft waren der Einladung der Bischöfe Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen), Wolfgang Ipolt (Görlitz) und Gerhard Feige (Magdeburg) gefolgt, deren Bistumsterritorien jeweils Teile des Freistaats Sachsen umfassen.
Minister dankt den Kirchen
Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) dankte den Kirchen, dass sie sich intensiv für das Gemeinwohl im Freistaat einsetzten. Sie prägten ihn seit Langem entscheidend mit. Die Kirchen brächten sich vielfältig in die Gesellschaft ein, in Bildung, Kultur und im Sozialwesen. „Wir brauchen Institutionen, die Orientierung geben, ohne dem anderen seine Freiheit zu beschneiden.“
Im Festvortrag sagte Prälat Karl Jüsten, der als Leiter des Katholischen Büros in Berlin für die Beziehungen der Kirche zur Bundespolitik zuständig ist: „Wir Kirchen müssen zeigen, wofür unsere Rechte da sind, und uns auch anfragen lassen. Wir müssen unser Wirken plausibel machen. Jeden Tag neu.“ Ein Recht, das niemand mehr verstehe, werde sonst eines Tages fallen. Unter anderem ging Jüsten auf das kirchliche Arbeitsrecht, das Staatskirchenrecht und die Staatsleistungen an die Kirchen ein.
Jüsten: „Man will das christliche Etikett“
Das bestehende Religionsverfassungsrecht in Deutschland sei zukunftsweisend, weil es neutral sei und keine Religion bevorzuge: „Genau das brauchen wir in einer vielfältigen Gesellschaft mehr denn je.“ Der neutrale Staat wähle seine Religionen nicht aus. „Wo eine Gemeinschaft das Recht bricht, schreitet der Rechtsstaat ein. Aber er verurteilt nicht pauschal eine ganze Religion im Voraus.“ Mit Blick auf die AfD hob Jüsten hervor, dass es mit der Verfassung nicht vereinbar sei, eine Religionsgemeinschaft wegen ihrer angeblichen „kulturellen Fremdheit“ zurückzudrängen.
Auch auf die erklärte Kirchenfeindlichkeit im Landtagswahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt ging er ein: „Wer die Kirchen schwächt, schwächt ein Stück gelebten Gemeinwesens. Und er trifft am Ende nicht die Kirchenleitung“, so Jüsten. „Er trifft die Menschen, die auf diese Angebote angewiesen sind. Kirchen stehen für Integration und Gemeinwohl.“ Die AfD berufe sich auf das Christentum als Kultur, wende sich aber gegen die Kirchen: „Man will das christliche Etikett. Aber nicht die Caritas, die den Fremden aufnimmt. Nicht die Kirche, die für die Würde jedes einzelnen Menschen einsteht.“ Das gesellschaftspolitische Engagement der Kirchen gehöre zum kirchlichen Auftrag, hob Jüsten hervor. „Wer der Kirche nur den Gottesdienst zugesteht und ihr die tätige Nächstenliebe streitig macht, der hat das Wesen der Kirche nicht verstanden.“ (DT/KNA)
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