Ihr habt vermutlich schon gehört, dass dieses Jahr 2025 ein Heiliges Jahr der Kirche ist, oder? In einem Heiligen Jahr sind wir eingeladen, Gott näher zu kommen – zum Beispiel mit einer Pilgerfahrt nach Rom, dem Zentrum der Katholischen Kirche. Nun hat nicht jeder von uns Zeit und Geld, um in diesem Jahr nach Rom zu fahren. Doch das macht gar nichts! Es gibt so viele große und kleine Pilgerorte in unserem Land, gar nicht weit weg von dort, wo wir wohnen. Wir können uns auf den Weg machen, um Gott und seine Heiligen besser kennenzulernen. Eine Pilgerfahrt kann ein Abenteuer sein, eine Entdeckungsreise, eine Gelegenheit, Gott um etwas zu bitten, oder einfach, sich einmal bei ihm auszuruhen.
Heute möchte ich euch einen meiner liebsten Pilgerorte in Deutschland vorstellen: Kevelaer am Niederrhein, wo seit hunderten von Jahren sehr viele Menschen Maria, die Trösterin der Betrübten, besuchen. Es ist immer die gleiche Maria, die Mutter Jesu, zu der wir pilgern. Sie zeigt sich den Menschen als Jungfrau, als Mutter, als Ratgeberin, als Friedenskönigin und hier, in Kevelaer, ganz besonders als Trösterin der Betrübten.
Auf einmal erschien eine Stimme
Alles fing an in der Weihnachtszeit im Jahr 1641, vor 374 Jahren, als der einfache Kaufmann Hendrick Busmann unterwegs an einer Wegkreuzung in der Nähe von Kevelaer an einem Hagelkreuz betete. Der Kaufmann und seine Frau Mechel lebten in unsicheren Zeiten. In Europa tobte der Dreißigjährige Krieg. Viele Menschen litten unter Plünderungen durch Soldaten, an Hungersnöten und der Pest. Hendrick versuchte, durch bescheidenen Handel den Lebensunterhalt für sich und seine Frau zu sichern. Er betete, wie so mancher Reisende, regelmäßig an den Wetterkreuzen zu Jesus Christus und bat um eine sichere Reise und Schutz vor Schaden, als er plötzlich eine Stimme hörte: „An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen“.
Der erstaunte Kaufmann berichtete später in einer kirchlichen Untersuchung über sein Erlebnis: „Ich bin weitergegangen und habe mir jene Stimme für dieses erste Mal aus dem Sinn geschlagen. Sieben oder acht Tage nachher ging ich wieder desselben Weges und hörte an derselben Stelle zum zweiten Mal die vorbemerkte Stimme und dieselben Worte. Ich hörte diese Worte, welche von der Seite des Hagelkreuzes kamen, klar und deutlich“. Nun konnte er diese Bitte nicht mehr vergessen. Sorgenvoll fragte er sich, wie er von dem wenigen Geld, das er verdiente, diesen Auftrag erfüllen könne. Vor dem Pfingstfest sah seine Frau Mechel mitten in der Nacht in einer Erscheinung ein glänzendes helles Licht, ein Heiligenhäuschen und ein Bildchen von der Jungfrau Maria, das ihr einige Tage vorher durchreisende Soldaten zum Kauf angeboten hatten. Mechel hatte das Bildchen nicht gekauft, weil es ihr zu teuer erschienen war. Nun war sich Hendrick sicher, dass er seine Aufgabe auf jeden Fall durchführen musste. Er bat seine Frau, zu den Soldaten zu gehen und das Bildchen zu kaufen.
Die Menschen strömten sofort zu Maria
Sie erbat es von einem Soldaten, der aus der Gefangenschaft gekommen war und brachte ihrem Mann die kleine Karte mit einer Zeichnung von der berühmten „Maria, Trösterin der Betrübten“ aus Luxemburg. Das einfache Bild in schwarz-weiß zeigt die gekrönte Gottesmutter Maria mit dem gekrönten Jesus auf ihrem Arm. Über der Darstellung von Maria und dem Jesuskind steht geschrieben: „CONSOLATRIX AFFLICTORUM ORA PRO NOBIS – auf Deutsch: „Trösterin der Betrübten, bitte für uns.“ Das Andachtsbildchen wurde zunächst in der Nähe im Städtchen Geldern aufbewahrt und verehrt. Kaufmann Busmann sparte jeden Pfennig, um endlich sein „Heiligenhäuschen“ bauen zu können. Im Mai des Jahres 1642 war es soweit. Busmann berichtet später: „... der Pastor von Kevelaer hat im Stillen samstagabends, am letzten Mai 1642, das Bildchen abgeholt und am anderen Tage in das Heiligenhäuschen gestellt, welches von mir in der Form erbaut war, die meine Frau in der nächtlichen Erscheinung gesehen hatte. Sofort an demselben Tage kam zu dem Heiligenhäuschen eine große Menge Menschen aus Geldern und anderen Ortschaften. Auch geschahen einige Wunder, welche aufgezeichnet sind.“
Seit jenem Tag vor fast vierhundert Jahren bis heute strömen viele Menschen, besonders jene, die Trost von der Gottesmutter erbitten, zum kleinen Gnadenbild. Maria, die Trösterin, wurde und ist noch immer Mittelpunkt des schönen Städtchens Kevelaer. Einige Jahre später wurde das kleine Heiligenhäuschen durch eine prächtigere Gnadenkapelle ersetzt, in dem du heute das Bildchen der Gottesmutter sehen kannst. Auf der einen Seite der Gnadenkapelle findest du eine große Marienbasilika, in der täglich die heilige Messe gefeiert wird. Daneben wurde die Beichtkapelle erbaut, wo Pilger täglich beichten und Gottesdienst feiern. Die Beichtkapelle finde ich besonders spannend, weil hier an den Wänden Reliquien von berühmten Beichtvätern zu sehen sind; zum Beispiel vom heiligen Pfarrer von Ars und vom heiligen Nepomuk. Doch das sind Geschichten für ein anderes Mal. Und weil Maria immer nur eines tut: uns ihren Sohn zeigen, befindet sich gleich daneben eine kleine stille Anbetungskapelle, wo Jesus Christus im Allerheiligsten da ist für alle, die ihn suchen. Wenn du dort betest, findet dein Herz Ruhe, Frieden und Freude!
Ganz Kevelaer ist von Frieden erfüllt!
Gegenüber steht eine Kerzenkapelle mit einer wunderschönen Figur der Gottesmutter, um die herum täglich Wallfahrer Kerzen anzünden. An den Wänden dieser Kerzenkapelle findest du Bilder und Tafeln mit Danksagungen an Maria. Hier kann man nachlesen und verstehen, dass die Gottesmutter den Menschen, die sich bittend an sie wenden, wirklich Hilfe bringt! Wenn du einmal nach Kevelaer fährst, kannst du erleben, dass der ganze Ort vom Frieden Marias erfüllt ist. Bring vertrauensvoll deine Bitten zur Mutter Jesu – du weißt ja, ihr Sohn kann seiner Mama keine Bitte abschlagen.
In Kevelaer haben schon der heilige Papst Johannes Paul II. und die heilige Mutter Teresa von Kalkutta gebetet. In der ersten Sitzreihe der Basilika findest du ein Täfelchen in Erinnerung an Mutter Teresa. An den Außentüren kannst du Bilder von Papst Johannes Paul II. entdecken. Menschen aus vielen Ländern besuchen die Trösterin und finden dort Frieden. Kevelaer ist wirklich eine Entdeckungsreise wert! Frag doch einfach mal in deiner Familie oder in deiner Pfarrgemeinde, ob nicht jemand mit nach Kevelaer fahren will; auf eine Pilgerfahrt zur Trösterin der Betrübten. Und wenn Kevelaer zu weit weg ist, dann besucht einen anderen Marienwallfahrtsort in eurer Nähe. Die Muttergottes freut sich immer über den Besuch ihrer Kinder!

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