Gibt es einen Sportler, den du besonders bewunderst? Vielleicht hast du schon einmal versucht herauszufinden, wie er es schafft, so erfolgreich zu sein. Die meisten guten Sportler haben in ihrem Leben bestimmte Regeln eingebaut, die es ihnen ermöglichen, ihr Bestes zu geben.
Sie trainieren täglich, essen bestimmte Dinge zu bestimmten Zeiten, schlafen genug, nutzen die beste Ausrüstung und lassen sich von guten Trainern beraten und begleiten. Sie setzen sich für ihre Mannschaft ein, damit sie ein starkes Team sind und gut zusammenarbeiten können.
Unsere Kirche hat auch einige solcher Grundregeln festgelegt, die uns dabei helfen sollen, Gott in unserem Leben den wichtigsten Platz einzuräumen und unsere Freundschaft mit ihm immer mehr zu vertiefen. Man nennt diese fünf Regeln „Gebote der Kirche“. Wahrscheinlich hast du schon einmal von den zehn Geboten gehört; sie sollen das Verhältnis der Menschen zu Gott und untereinander regeln. Die Gebote der Kirche beziehen sich auf unser Leben innerhalb der Kirche. Sie helfen uns, die Geschenke, die Gott uns durch die Kirche machen will, gut zu nutzen.
Gebot = Gesetz?
Ein Gebot ist ein Satz, der uns sagt, was wir tun oder lassen sollen. Die meisten von uns lassen sich von anderen nicht gerne etwas vorschreiben. Wir möchten selbst entscheiden, was wir tun. Es lohnt sich allerdings, auf eine andere Weise über Gebote nachzudenken: Wenn deine Eltern dir Fahrradfahren beibringen, geben sie dir vorab gewisse Anweisungen: „Stell einen Fuß auf das Pedal, stoße dich mit dem anderen Fuß ab und strample. Wenn ein Hindernis kommt, sollst du bremsen. Deinen Fahrradhelm musst du immer tragen.“
Merkst du etwas? Auch diese Sätze sagen dir genau, was du tun sollst. Sie fühlen sich aber nicht nach Zwang an. Warum? Weil du weißt, dass sie von jemandem kommen, der dich lieb hat und will, dass dir das Fahrradfahren gelingt. Die Eltern können bereits Fahrrad fahren und wissen, worauf du achten musst, damit du es auch schnell lernst. Es gibt also Gebote, die befolgen wir gerne, weil sie aus Liebe gegeben werden und weil wir darauf vertrauen, dass sie unser Bestes wollen. Wenn also Gott, der uns mehr liebt als sonst irgendjemand auf der Welt, durch seine Kirche Gebote gibt, dürfen wir darauf vertrauen, dass sie dazu da sind, unser Leben reicher und besser zu machen.
Wichtige Wegweiser
Das Ziel der fünf Kirchengebote ist es, dass unsere Liebe zu Gott und zu unseren Nächsten wachsen kann. Wir wollen sie uns nun einmal näher ansehen.
1. Feiere an Sonntagen und gebotenen Feiertagen die heilige Messe mit und verrichte keine unnötigen Arbeiten:
Die heilige Messe ist ein großes Geschenk, das uns Gott durch die Kirche macht. Wir dürfen ein wirkliches Wunder erleben: Gott selbst kommt zu uns, in seinem Wort, im Brot und im Wein. Die Kirche lädt uns ein, dieses Geschenk jede Woche entgegenzunehmen. Wenn es dir schwerfällt, dich in der Messe zu konzentrieren, überlege mit deinen Eltern, was ihr tun könnt, damit du dieses Geschenk besser verstehst. Vielleicht haben auch deine Taufpaten, Großeltern oder Pfarrer Tipps für gute Messbücher, oder du nimmst dir ein Ausmalbild zum Evangelium mit? In den Familienseiten der Tagespost bekommst du auch jede Woche Quizfragen zum Sonntagsevangelium. Vielleicht könnt ihr in der Familie einen Wettbewerb veranstalten, wer die meisten Fragen richtig beantwortet. Wer gewinnt, darf das Programm des nächsten Familienabends bestimmen.
Weil der Sonntag für Gott reserviert ist, soll er etwas Besonderes bleiben. Hausaufgaben und alltägliche Arbeit sollte man möglichst davor erledigen, damit man an diesem Tag die heilige Messe mitfeiern kann und Zeit für gemeinsames Spielen, Essen und Ausflüge hat.
2. Empfange mindestens einmal im Jahr das Sakrament der Beichte:
Wir sind unterwegs Richtung Himmel, wo das ewige Leben mit Gott auf uns wartet. Wir alle kommen aber immer mal wieder vom Weg ab und müssen uns versöhnen, miteinander und mit Gott. Im Sakrament der Beichte wenden wir uns von allem ab, was uns von Gott trennt und nehmen wieder Seine Hand, um den Weg weiter mit Ihm zu gehen. Die Kirche weiß aber auch, wie viel Überwindung es manchmal kostet, diesen Schritt zu gehen, und empfiehlt uns, mindestens einmal im Jahr zur Beichte zu gehen – und zusätzlich immer dann, wenn wir unser Herz aufräumen wollen.
3. Empfange die Kommunion mindestens in der Osterzeit und in Todesgefahr:
Bei jeder heiligen Messe dürfen wir Jesus in der Kommunion empfangen – wir müssen aber nicht zur Kommunion gehen, sondern nur dann, wenn wir uns würdig und bereit dazu fühlen. Mindestens in der Osterzeit, wenn wir daran denken, dass Jesus am Kreuz für uns gestorben ist und uns beim letzten Abendmahl die heilige Kommunion geschenkt hat, sollten wir dieses Geschenk aber nutzen, das uns stark macht und miteinander verbindet. Außerdem sollen wir die Kommunion empfangen, wenn wir in Todesgefahr sind. Viele Sterbende bekommen von einem Priester noch einmal die heilige Kommunion, als Wegzehrung auf dem Weg zum Himmel.
4. Halte die von der Kirche gebotenen Fast- und Abstinenztage:
Aschermittwoch und Karfreitag sind die Fasttage, die die Kirche festgelegt hat, damit wir uns auf die Fastenzeit und die Feier des Todes und der Auferstehung Jesu gut vorbereiten. An diesen Tagen sollen Erwachsene sich nur einmal satt essen.
Ein „Abstinenztag“ (vom lateinischen Wort abstinere – verzichten) ist jeder Freitag, wo wir uns daran erinnern, was Jesus aus Liebe für uns am Kreuz getan hat, und ihm unsere Liebe zeigen, indem wir auch ein kleines Opfer bringen und auf etwas verzichten. Traditionell wird an diesen Tagen kein Fleisch gegessen. Abstinenztage gelten nicht für Kinder unter vierzehn Jahren – aber natürlich kannst du trotzdem freiwillig einen kleinen Verzicht üben, zum Beispiel, indem du deiner Schwester das letzte Stück Schokolade überlässt…
5. Steh der Kirche bei und unterstütze sie:
Die Kirche ist Gottes Geschenk an uns, für das wir uns einsetzen sollen. Überlege einmal, was du beitragen kannst, damit eure Kirchengemeinde für viele ein Ort ist, an dem sie Gott begegnen können. Vielleicht wird dein Dienst als Ministrant oder Ministrantin gebraucht? Vielleicht kannst du nach der Messe die liegengebliebenen Gebetbücher einsammeln oder vor Festtagen dabei helfen, die Kirche schön zu schmücken? Wenn ein Mitschüler über die Kirche schimpft, kannst du ihm vielleicht manches erklären und richtigstellen. Ganz wichtig ist es auch, mit deiner Familie für die Kirche, den Papst, deinen Pfarrer und alle Priester und Ordensleute zu beten.
Sprecht doch in der Familie einmal darüber, wie ihr diese Gebote für eure Familie konkret umsetzen wollt. Bestimmt findet ihr kreative Möglichkeiten, die zu euch passen!
Die Autorin ist Betriebswirtin, Kinderkatechetin und führt ihr eigenes Familienunternehmen mit drei kleinen Mitarbeitern.
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