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Wer ist eigentlich Jesus genau?

Die Hauptperson unseres Glaubens ist, ganz klar, Jesus. Alles dreht sich um Jesus, und ohne ihn ist unser Glaube gar nichts. Aber wer ist er eigentlich?
Jesus, Gott und Mensch
Foto: Bernadette Drayß | Dass Jesus ganz Gott und ganz Mensch ist, war schon immer schwer zu verstehen. Selbst Maria Magdalena erkennt erst nach der Auferstehung in neuer Tiefe, wer Jesus wirklich ist.

Wenn ihr an Jesus denkt, was fällt euch da ein? Überlegt erst einmal selbst und dann dürft ihr weiterlesen. Vielleicht fällt euch ein: dass er viele Wunder gewirkt hat, dass er Menschen geheilt hat, dass er im Stall von Bethlehem auf die Welt kam, dass seine Eltern Maria und Josef sind, dass er am Kreuz sterben musste, verurteilt von Pontius Pilatus und verspottet von den Soldaten, dass er viele Jünger um sich versammelt hat, dass er zwölf Apostel erwählt hat.

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Vielleicht auch: dass er Gottes Sohn ist, dass wir zu ihm beten können, dass er unser Freund sein möchte, dass er uns liebt, dass er in der Kommunion zu uns kommt. Zu Jesus fällt euch sicher sehr viel ein, und es gibt noch viel mehr als die erwähnten Aspekte! Übrigens: Die Ideen sind bereits etwas sortiert. Könnt ihr euch vorstellen, warum? Schaut mal die zwei Listen an! In der ersten Liste sehen wir Jesus, wie ihn die Menschen in seiner Zeit erlebt haben, nämlich als einen sehr besonderen Menschen, der für andere da ist und von Gott erzählt. In den Geschichten der Bibel erfahren wir auch, dass Jesus mit seinem ganzen Leben Gott bezeugt hat. Er hat nicht nur von Gott, seinem Vater, erzählt. Er hat auch in seinem Namen Wunder bewirkt und ist im Vertrauen und Wissen gestorben, dass ihn Gott in den Händen hält und nicht fallen lässt.

In der zweiten Liste geht es um die Tatsache, dass Jesus uns nicht nur auf Gott hingewiesen und uns Gott gezeigt hat. Hier geht es darum, dass Jesus selbst Gott ist. Als Jesus von den Toten auferstanden ist, haben die Jünger so langsam verstanden, was sie vorher allenfalls geahnt haben: Jesus ist Gottes Sohn! Jesus selbst ist Gott. Und deshalb kann er uns auch so nahe sein, deshalb können wir zu ihm beten, er kann uns trösten und unser echter Freund sein.

Der beste und liebste Mensch

Manchmal ist es schwer zu glauben, dass Jesus zugleich Mensch und Gott ist. Es kann schon mal passieren, dass wir Jesus nur als einen irgendwie besonderen, gottgleichen Menschen sehen. Dann ist Jesus ein Held, der beste und liebste Mensch, der je gelebt hat, ein Vorbild für alle – aber eben nicht mehr. Wieder wann anders passiert uns das Gegenteil: Wir sehen Jesus als Gott, der im Himmel ist und zu dem wir beten – und vergessen, dass er auch auf Erden als Mensch gelebt hat. Oder wir denken, dass er nur aussah wie ein Mensch und für andere Menschen wirkte wie ein Mensch – letztlich aber kein richtiger Mensch war, da er ja Gott ist.

Dass Jesus ganz Gott und ganz Mensch ist, ist schon immer furchtbar schwer zu verstehen und zu glauben gewesen. Aber stell dir vor: Wenn er nicht ganz Mensch war, sondern nur wie ein Mensch wirkte, dann hätte ihm das Sterben am Kreuz wohl nicht viel ausgemacht. Dann hätte er vielleicht gar keinen Schmerz gespürt. Oder er hätte sich als Gott in jedem Moment von dem quälenden Schmerz befreien können. 

Er ist wirklich wahrer Mensch

Und so hat man ja auch gespottet: Wenn du wirklich Gottes Sohn bist, dann steig vom Kreuz herab! Am Kreuz sieht man sehr gut, dass Jesus wirklich ganz Mensch war: Weil er ganz Mensch war, konnte er nur darauf hoffen und vertrauen, dass ihn Gott, der Vater, retten wird. Andererseits, wenn Jesus nur ein besonders heldenhafter und vorbildlicher Mensch war oder vielleicht sogar ein Engel, dann war es nicht Gott selbst, der zu uns kam. Dann hat sich nicht Gott selbst so klein gemacht, um bei uns zu sein. Dann könnte uns Jesus gar nicht von Gott, seinem Vater, alles weitergeben, was er von ihm hat: seine ganze Liebe. Er könnte uns nicht erlösen, denn er hätte gar nicht die Macht dazu.

Nur weil Jesus als Gott ganz Mensch geworden ist und trotzdem immer Gott blieb, konnte er die Sünde des Menschen auf sich nehmen und uns Menschen den Himmel öffnen. Damit unser Glaube richtig und wahr ist, ist es also ganz wichtig, dass Jesus wirklich wahrer Mensch und wahrer Gott ist.

Extra für Wissbegierige: Der heilige Papst Leo der Große – er lebte ungefähr 400 Jahre später als Jesus – hat einen wichtigen Brief zu diesem Thema geschrieben. Der Brief ist bekannt als „Tomus Leonis“, und der Papst hatte ihn geschrieben, weil es zwischen Bischöfen und Theologen viele Streitigkeiten über die zwei Naturen von Jesus gab, seine göttliche und seine menschliche Natur. In diesem Brief steht: „Wie sich Gott durch sein Erbarmen nicht ändert, so wird der Mensch nicht aufgehoben durch die göttliche Würde.“

Dass Gott sich so klein macht, beweist seine Liebe

Dass Gott sich durch sein Erbarmen nicht ändert, bedeutet: Gott bleibt Gott, selbst wenn er sich so klein macht (also: „erbarmt“) und er Mensch wird. Papst Leo – der übrigens denselben Namen trug wie unser jetziger Papst – zeigt, dass es nicht ungöttlich ist, Mensch zu werden. Es beweist vielmehr Gottes unendliche Liebe und Macht, dass er sich so klein macht. Dabei bleibt er voll und ganz Gott.

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Und dass der Mensch nicht aufgehoben wird durch die göttliche Würde, bedeutet: Wenn Gott die menschliche Natur annimmt, wird die menschliche Natur durch die göttliche Natur nicht gesprengt oder übermalt. Die menschliche Natur „leuchtet in den Wundern auf“, sagt Leo. Das heißt, dass die menschliche Natur, so wie wir sie durch Jesus gezeigt bekommen, erst richtig aufleuchten kann. Der Mensch ist ganz Mensch, wenn er ganz von Jesu göttlicher Natur durchdrungen ist.

Im Jahr 451 haben sich mehrere Hundert Bischöfe in Chalcedon (heute Stadtteil des türkischen Istanbul) getroffen und ein wichtiges ökumenisches Treffen abgehalten – das Konzil von Chalcedon. Inspiriert von Leo dem Großen haben die Bischöfe dort festgelegt: Wir bekennen Jesus Christus „vollkommen in der Gottheit und vollkommen in der Menschheit, wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch“. Die beiden Naturen (die göttliche und menschliche) von Jesus sind „unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und unzerteilt“. Bis heute ist diese Lehre der Bischöfe von Chalcedon eine der wichtigsten theologischen Aussagen über Jesus Christus.

Isabel Kirchner
Foto: privat | Isabel Kirchner ist Theologin, Musikerin und Mutter von zwei Söhnen. Sie war an der Erstellung des YOUCAT for Kids (www.you-cat.org) beteiligt.

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