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Umkehren wie der Apostel Paulus

Am kommenden Sonntag feiert die Kirche den heiligen Paulus. Aber wie wurde er eigentlich zu einem großen Heiligen?
Apostel Paulus
Foto: Bernadette Drayß | Paulus wurde durch das Licht Jesu erleuchtet und bekehrte sich. Auch in unserem Leben ist es wichtig, immer wieder umzukehren und zu Jesus zu kommen, wenn wir einen falschen Weg eingeschlagen haben.

Paulus war ein großer Apostel, den wir zusammen mit dem heiligen Apostel Petrus am 29. Juni verehren. Paulus verbreitete die gute Nachricht von Jesu Auferstehung unermüdlich in vielen Ländern, trotz großer Schwierigkeiten, Verfolgung und Not. 

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Doch dafür wird er am 25. Januar nicht gefeiert. Dieser Gedenktag heißt „Pauli Bekehrung“. Erinnert ihr euch, was für eine Bekehrung, also für eine Umkehr, Paulus erlebt hat? Und wieso musste er umkehren? Hatte er sich verirrt? War er womöglich sogar verwirrt?

Paulus war nicht schon immer Apostel

Nun, es war so: Der Apostel war nicht schon immer Apostel gewesen. Und sein Name war auch nicht immer Paulus: Dies war sein griechischer Name – sein hebräischer Name war Saulus. Er stammte aus Tarsus und war von Beruf Zeltmacher. In seinem Herzen brannte eine große Liebe für Gott. Doch nicht für Jesus.

Im Gegenteil! Saulus hatte in Jerusalem beim berühmten Lehrer Gamaliel die heiligen Schriften studiert. Nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren war, verbreiteten die Apostel, Jünger und viele Zeugen, die den Auferstandenen gesehen hatten, diese gute Nachricht in Jerusalem. Doch Saulus war fest davon überzeugt, dass Jesus ein Betrüger gewesen war und dass die Menschen, die ihm folgen, Gott beleidigen.

Mit großem Eifer verfolgte er die junge Gemeinde der Christen. Saulus war auch als Zeuge dabei, als Stephanus gesteinigt wurde. Eines Tages reiste Saulus von Jerusalem nach Damaskus, um dort Jünger Jesu zu verhaften und nach Jerusalem vor Gericht zu bringen, wo sie verurteilt werden sollten.

Da umstrahlte ihn auf dem Weg plötzlich ein Licht vom Himmel. Er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Saulus fragte: „Wer bist du, Herr?“, und hörte die Antwort: „Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst!“

Saulus erhob sich. Er merkte, dass er mit Blindheit geschlagen war und musste sich von seinen Mitreisenden nach Damaskus führen lassen. In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Diesem erschien Jesus in einer Vision und befahl ihm, er möge in ein bestimmtes Haus gehen, um dort einem Saulus die Hände aufzulegen, um ihn von seiner Blindheit zu heilen.

Hananias fürchtete sich sehr, weil er gehört hatte, mit welcher Wut Saulus die Christen verfolgte. Doch Jesus ermutigte ihn, und so tat Hananias, wie befohlen. Dem Saulus fiel es wie Schuppen von den Augen. Plötzlich konnte er wieder sehen. Und nicht nur mit den Augen sehen, sondern mit dem Herzen.

Er erkannte, dass er sich verirrt hatte und kehrte vollständig um. Statt die Jünger zu verfolgen, lernte er nach und nach viele kennen und ließ sich von Jesus erzählen. Geheilt von der Blindheit seines Herzens, erkannte er, dass Jesus wirklich Gottes Sohn ist, gekommen in die Welt, um uns das ewige Leben zu schenken.

Von da an verkündigte er in den Synagogen, dass Jesus Christus der Herr ist. So sehr war sein Herz von der Liebe zu Jesus erfüllt, dass er von da an in der Welt umherreiste, um allen Menschen die frohe Botschaft von Jesus Christus zu bringen. Er blieb Jesus treu, sogar bis in den Tod. 

Seine wunderbare Umkehr vom Christenverfolger zum Apostel Jesu Christi feiert die Kirche am 25. Januar. Aber warum findet die Kirche diese Umkehr so bedeutend, dass sie gefeiert werden muss? Reicht es nicht, den Apostel und Verkünder zu feiern?

Vielleicht ist diese Art von Umkehr etwas Notwendiges, das jeder und jede von uns immer wieder erleben muss, wenn wir Jünger Jesu sein wollen. Kennt ihr das auch, dass ihr euch völlig verrennt, verirrt und in eine falsche Richtung geht? Mir ist das schon öfter passiert. Vor vielen Jahren lernten meine Freunde und Freundinnen einen Jungen kennen, der neu in der Stadt war.

Ich warf nur einen Blick auf ihn und konnte ihn nicht leiden. Alles, was er tat, fand ich unmöglich. Nie wollte ich ein Wort mit ihm reden und bemühte mich immer, einen gewissen Abstand zu ihm zu halten. Ich beobachtete ihn voll Argwohn und Misstrauen aus der Ferne. Dabei stellte ich nach und nach fest, wie nett er zu Menschen war, dass er immer ein freundliches Wort für jeden hatte und wie hilfsbereit er allen gegenüber war. Dass ich ihm mürrisch aus dem Weg ging, beachtete er nicht.

Wenn wir doch einmal aufeinandertrafen, blieb er freundlich. Nach einer Weile konnte und wollte ich meine dumme Feindschaft gegen ihn nicht mehr aufrechterhalten. Ich schämte mich meiner Vorurteile und begann, auf ihn zuzugehen, statt ihn zu ignorieren. Das war eine wichtige Umkehr für mich. Denn nun merkte ich, wie unsinnig meine schlechte Meinung ihm gegenüber gewesen war. Das größte Geschenk für mich war, dass er mich nicht abwies und mir nichts übel nahm. Freundlich nahm er meine Freundschaft an und wurde mir ein wichtiger Ratgeber und guter Freund.

Die Erfahrung der Umkehr machte auch das Volk Israel wieder und wieder mit Gott. Obwohl Gott das Volk Israel durch Mose aus der Sklaverei in Ägypten gerettet hatte, wandte sich Israel ab und betete ein goldenes Kalb an. Obwohl Gott die Israeliten in der langen Wanderung durch die karge Wüste mit wunderbarem Manna, Brot vom Himmel, speiste, murrten sie und beschwerten sich über das langweilige Essen. Immer wieder war Israel Gott untreu. Doch machte es die Erfahrung, dass Gott nicht ewig zürnt, sondern die Umkehr Israels immer wieder annimmt.

Gott vergibt uns immer, wenn wir umkehren

Egal, wie oft wir Menschen Gott untreu werden – er vergibt uns, wenn wir unsere Irrwege bereuen und zu ihm umkehren. Seine Vergebung erfahren wir, wenn wir Gott um Verzeihung bitten und versuchen, unsere Irrwege zu verlassen. Er wird niemals müde, uns als seine geliebten Kinder neu in die Arme zu schließen.

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Auch wenn wir denken, unsere Fehler seien viel zu schlimm – Gott freut sich viel mehr über unsere Umkehr, als wir uns vorstellen können. Seine große Liebe wird Gutes und Schönes aus unserer Umkehr schaffen; genau so, wie er es mit dem Apostel Paulus getan hat.


Die Autorin hat die Katechisten-Ausbildung an der Hochschule Heiligenkreuz absolviert und ist in der Gemeindekatechese tätig.

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