In den USA wird der derzeitige Krieg gegen den Iran häufig religiös gerechtfertigt und als christlicher Kreuzzug gegen den Islam präsentiert, insbesondere im Milieu der US-Evangelikalen. Vor solch einer Instrumentalisierung der Religion haben führende katholische Kirchenvertreter nun gewarnt. So betonte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, kürzlich bei einem Webinar zum Irankrieg: „Der Missbrauch des Namens Gottes und die Instrumentalisierung des Namens Gottes, um diesen oder irgendeinen anderen Krieg zu rechtfertigen, ist die schwerste Sünde, die wir in dieser Zeit begehen können.“
Pizzaballa forderte Katholiken und Christen auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den öffentlichen Diskurs nicht denen zu überlassen, die solche Dinge sagten. „Wir dürfen diese religiöse oder pseudoreligiöse Sprache, denn sie ist nicht religiös, nicht zulassen.“ Es gebe keine neuen Kreuzzüge, so der Lateinische Patriarch. „Gott hat mit alldem nichts zu tun. Wenn Gott da ist, dann ist er unter denen, die sterben, die leiden, die in den unterschiedlichsten Formen unterdrückt werden.“
Pizzaballa: „Die Religion hat damit nichts zu tun"
Pizzaballa räumte ein, dass der Konflikt zwar religiöse Züge angenommen habe, „aber das sind Manipulationen, denn die Religion hat damit nichts zu tun und darf auch nichts damit zu tun haben“. Wer die Religion im Irankrieg ins Spiel bringe, instrumentalisiere den Glauben für etwas, das mit dem Glauben und mit Gott nichts zu tun habe.
Ähnlich hatte sich auch schon Papst Leo XIV. geäußert: In seiner Predigt in einer Pfarrei am Rande Roms sagte er am Wochenende in Bezug auf den Krieg, Gott lasse sich nicht von der Finsternis vereinnahmen. „Er kommt vielmehr immer, um der Menschheit Licht, Hoffnung und Frieden zu schenken, und es ist der Frieden, den diejenigen suchen müssen, die ihn anrufen.“
Der amerikanische „Kriegsminister“ Pete Hegseth rechtfertigt die Angriffe der USA gegen den Iran immer wieder mit religiösen Bezügen. Im Gespräch mit „CBS News“ erklärte er beispielsweise am Sonntag, die „Vorsehung des allmächtigen Gottes beschützt unsere Truppen“. Bereits in seinem 2020 erschienenen Buch „American Crusade“ (Amerikanischer Kreuzzug) sprach Hegseth, der das Kreuzfahrermotto „Deus vult“ und ein Jerusalem-Kreuz auf dem Oberkörper tätowiert hat, davon, dass „wir Christen zusammen mit unseren jüdischen Freunden und ihrer bemerkenswerten Armee in Israel das Schwert des kompromisslosen Amerikanismus in die Hand nehmen und uns verteidigen müssen“. Damals ging es Hegseth noch primär um die Bekämpfung der Bedrohung durch den „IS“. Der Islamismus müsse kulturell, politisch, geografisch und im Falle eines „Bösen wie dem Islamischen Staat“ militärisch bekämpft werden, schrieb er.
Für Aufsehen sorgte jüngst auch ein Treffen im „Oval Office“, bei dem mehrere evangelikale Geistliche ihre Hand auf den US-Präsidenten Donald legten und für „Gnade und Schutz für unsere Truppen und all unsere Männer, die in den Streitkräften dienen“, beteten. DT/mlu
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